Wie sich Overtourism-Destinationen in der Krise neu erfinden

Amsterdam verbietet die private Vermietung von Ferienwohnungen im Stadtzentrum und Venedig verbannt Kreuzfahrtschiffe bis zum Jahresende aus der Lagune: Das sind nur zwei Entwicklungen, die man in den letzten Monaten in der Nachrichtenlandschaft lesen konnte. Immer mehr Destinationen, die mit Overtourism konfrontiert sind, bzw. waren, stellen sich dem Problem und möchten einen fairen Tourismus in ihrer Region fördern. Die Wichtigkeit von staatlichen Maßnahmen und zivilgesellschaftlichen Initiativen Neben staatlichen Regulatoren wie Gesetzen, spielen dabei auch Initiativen aus der Zivilgesellschaft eine zentrale Rolle. Das zeigt das Beispiel aus Venedig: So ist das Verbot von Kreuzfahrtschiffen der jahrelangen Arbeit des Bürgerkomitees „No grandi navi“ (zu deutsch: „Keine großen Schiffe“) zu verdanken. Dabei spielte auch die Coronakrise eine entscheidende Rolle: Die Pandemie sorgte für ein Umdenken bei vielen Venezianer*innen, die in der Krise eine Chance sahen. Eine Chance, den Tourismus neu aufzustellen und nachhaltiger zu gestalten. Ein nachhaltiges Miteinander zwischen Reisenden und Bereisten fördern So steigert die Organisation „Venezia Autentica“ mit ihrer Plattform beispielsweise die Akzeptanz zwischen den Touristen und Einheimischen. Reisende können auf der Plattform Aktivitäten buchen und …

Überleben zwischen Google-Bussen und Poké Bowls

In der San Francisco Bay Area prallen Welten aufeinander. Extremer Reichtum und extreme Armut. Covid-19 hat alles noch einmal verstärkt. Doch es regt sich Widerstand. Eigentlich kommt Joe* aus New York. Dort hatte er einen Job und eine Wohnung. Doch Freunde erzählten ihm, dass es in Kalifornien besser sei. Genauer: rund um San Francisco, dort, wo viele der erfolgreichsten IT-, Hightech- und Internetfirmen der Welt sitzen. Nicht nur Softwareentwickler*innen, Ingenieur*innen und Designer*innen verdienen einige Dollar mehr pro Stunde, haben sie gesagt. Sondern auch Kassierer*innen, Kellner*innen und Gärtner*innen. Also hat Joe seine Frau überredet, mit der kleinen Tochter gen Westen zu ziehen – auch wenn das erst mal bedeutet, zu dritt in einem Camper zu leben. Für den Wagen hat Joe 7.000 Dollar hingeblättert, all seine Ersparnisse: so gut wie weg. Zwar haben seine Frau und er schon Jobs gefunden, doch zusammen kommen sie „auf vielleicht 1.000 Dollar“ im Monat – an ein richtiges Dach über dem Kopf ist damit nicht zu denken. Joe lässt seinen Blick schweifen. Bis zum Straßenhorizont steht ein Wohnwagen hinter dem …

Good News

Experiment Grundeinkommen bekämpft Armut in Kenia, Strom sparen mit leuchtenden Bäumen

Ein dreijähriges Projekt in Kenia zeigt, dass sich Personen, die ein Grundeinkommen bekommen, in Krisenzeiten besser ernähren können; in der neuen Staffel von Star Trek Discovery tauchen erstmals genderqueere und transidentitäre Figuren auf; und Forscher aus Deutschland und den USA wollen Bäume zum Leuchten bringen und damit nachts Städte erhellen: Das sind die Good News des Tages

Als Gast kommen, als Freund gehen

Die „International Greeter Association“ bietet Reisenden kostenlose Stadtführungen in mehr als 130 Städten und Regionen rund um die Welt an. Dabei heißen die sogenannten „Greeter“ Gäste in ihrer Stadt willkommen und nehmen sie mit auf einen ausgiebigen und persönlichen Spaziergang. Jenseits von ausgetretenen Touristenpfaden in entspannter Atmosphäre unterwegs Bei den zwei- bis dreistündigen Führungen, mal zu Fuß, mal mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, zeigen die freiwillig tätigen Greeter den Reisenden ihre ganz persönliche Stadt. Dabei besucht man nicht selten Orte, die sich jenseits von ausgetretenen Touristenpfaden und Empfehlungen von Reiseführern befinden. Innerhalb einer entspannten Atmosphäre erfährt man dabei oftmals auch vom letzten Klatsch in der Stadt und lauscht Geschichten, wie es ist, dort zu leben. Die Greeter Idee wurde bereits 1992 in New York geboren, als Lynn Brooks die „Big Apple Greeters“ gründete. Als echte New Yorkerin wollte sie Reisenden ihre ganz persönlichen Lieblingsecken der Stadt während der Rundgänge näherbringen: „Ich möchte, dass andere Leute New York so verstehen, wie ich es tue. Ich möchte, dass sie die Stadt so erleben, wie ich es tue. Alles, …

Ein Hauch Amerikanischer Frühling

Die USA sind ein Land starker Protestbewegungen. Gegen Rassismus, LGBTIQ-Feindlichkeit, Waffenbesitz. Heute haben sie so viel Einfluss wie nie zuvor. Eine Analyse. Oktober 1969. Es ist ein Uhr morgens. Sylvia Rivera trinkt im Stonewall Inn in der Christopher Street in New York ein Bier, als die Polizei das Lokal stürmt. Vor allem junge homosexuelle und transsexuelle Prostituierte wie sie besuchen die Bar. Die meisten sind obdachlos, werden regelmäßig verhaftet, weil sie sich öffentlich küssen und Kleidung nicht so tragen, wie man das von ihrem Geschlecht erwartet. Ein Polizist greift nach der 18-jährigen transsexuellen Rivera und schlägt mit seinem Schlagstock nach ihr. Rivera wirft eine Flasche nach den Polizisten und eröffnet so den Widerstand. Es war ein gewaltsamer Tag, der als „Stonewall-Aufstand“ in die Geschichtsbücher einging. Gleichzeitig war es der Auftakt zu einer der größten Emanzipationsbewegungen für queere Menschen, die heute jedes Jahr als „Christopher Street Day“ (CSD) auf der ganzen Welt gefeiert wird. Viele Tote, weltweite Proteste Februar 2018. Jamie Guttenberg steckt ihr Mathebuch in den Rucksack und schaut im Sekundentakt auf die Uhr. Endlich …

Schillernde Zeichen des Friedens

Auf der „Straße der Skulpturen“ im Saarland wandert man durch Kunst. Der Weg ist Teil eines europäischen Völkerverständigungsprojekts. Ein spitzer, rot-brauner Pfahl ragt sieben Meter hoch in den Himmel über dem St. Wendeler Land. Der hessische Künstler Bruno K. hat den Rotdorn – Pfahl im Fleisch 1981 aus altem Eichenholz, Eisenplatten und Blech geschaffen und in eine Talsenke zwischen lieblich-grüne Hügel gesetzt. Die Senke liegt knapp 50 Kilometer von der französischen Grenze entfernt auf dem Saarland-Rundwanderweg. Das 17 Kilometer lange Teilstück zwischen St. Wendel und dem Bostalsee ist eine „Straße der Skulpturen“: 51 Kunstwerke säumen die Route, manchmal direkt am Weg, manchmal etwas abseits. Außerhalb der Stadt führt der Weg durch Wiesen und Wälder, durch Anhöhen und Täler, vorbei an Skulpturen aus Granit, Marmor, gelbem und rotem Sandstein aus den Steinbrüchen der Region. Einige fügen sich harmonisch in die Landschaft ein, andere, wie Robert Schads neun Meter hohe, ineinander verschlungene, rostrote Stahlstäbe, kontrastieren in Form und Farbe mit der grünen, sanften Umgebung. Auch auf enorm: Eine Reise durch mein Wohnzimmer „Straße der Skulpturen“: Weg durch …

Take-away mit gutem Gewissen

Mit seinen Pfand-Boxen will das Berliner Start-up Tiffin Loop die Menge an Einwegverpackungen in der Gastronomie reduzieren. Einmal benutzt, schon auf dem Müll – gerade durch Corona ist der Berg an Einwegverpackungen in der Gastronomie deutlich gewachsen. Auch wenn Verpackungen aus Kunststoff langsam auf dem Rückzug sind und die EU beschlossen hat, Einwegprodukte aus Plastik ab 2021 zu verbieten – ein Problem bleibt bestehen: Einweg ist nicht Mehrweg, und selbst bei der Verwendung von neuen Verpackungsmaterialien schrumpft das Müll-Aufkommen nicht. Denn Take-away-Angebote werden gern genutzt – Tendenz steigend. Das Unternehmen Tiffin Loop will nun in Kooperation mit Gastro-Betrieben und einem neu entwickelten Pfandsystem den Appetit auf To-go-Mahlzeiten wesentlich nachhaltiger machen. Insgesamt 12 Mitarbeiter*innen sind an Projekt aufseiten des Berliner Start-ups beteiligt. Das Tiffin-Loop-Prinzip ist einfach: Bei der Bestellung im Restaurant hinterlegt man 15 Euro Pfand und erhält dafür im Gegenzug seine Mahlzeit in der sogenannten Tiffin-Box aus Aluminium, die eigens für diesen Zweck vom Team entwickelt wurde – rund, robust und mit praktischem Verschluss. Auch auf enorm: So einfach lässt sich Mülltrennung verbessern Tiffin Loop: …