Buchautor Christopher Peterka erklärt im Interview, warum sich unser Schicksal nicht nur an Plastiküten entscheidet und wie wir als progressive Optimisten den notwendigen Wandel des Systems beschleunigen können

Für Humanist und Unternehmer Christopher Peterka ist die Sache klar: Wir haben jetzt die Chance, grundlegende Weichen für die Zukunft zu stellen. Wollen wir so weitermachen wie bisher und mit kleinen Änderungen vorangehen oder für den umfassenden, weitreichenden Wandel sorgen? Peterka liefert in seinem Buch „Deine Wahl“ gute Gründe, groß zu denken und einen Systemwechsel anzustreben – alles Dank einer Einstellung, die er „progressiver Optimismus“ nennt. Ein Gespräch über Plastiküten und die Verantwortung für unseren Planeten.

Herr Peterka, in Ihrem Buch schreiben Sie, dass „ein paar Milliarden Plastiktüten weniger im Umlauf kaum den Planetenretten“ werden. Ist das nicht ganz schön negativ?

Jede Plastiktüte, die wir einsparen, ist gut – ohne Zweifel. Aber es ist nun einmal leider so: Nur mit guter Laune und kleinen Schritten kommen wir nicht schnell genug voran. Das Problem ist deutlich zu groß, um es mit dem Verzicht auf Plastiktüten oder Strohhalme lösen zu können. Genau das gilt es zu benennen und auch auszuhalten.

Wovor müssen wir den Planeten denn überhaupt retten?

Den Planeten müssen wir nicht retten – der braucht uns nicht. Wir brauchen den Planeten. Wenn wir also jemanden retten müssen, dann wohl eher uns als Spezies. In gut dreißig Jahren werden wir die Erde mit circa 9,7 Milliarden Brüdern und Schwestern teilen. Das wird nur gelingen, wenn wir die Erderwärmung bis dahin in den Griff bekommen, unsere überkommenen „Zuviel“-Ideen von Wohlstand und Wachstum gegen neue tauschen und rasch herausfinden, wie diese überaus intelligenten Computer funktionieren, die wir da geschaffen haben. Bevor die ersten von ihnen – deutlich rationaler und logischer als Menschen es bislang vermochten – dem Unsinn des vorgeblich „sapiens“ homo im Umgang mit seinem Habitat einen Riegel vorschieben.

Plastiktüten sind etwas Sichtbares, etwas, das jeder kennt und bei dem sich jeder gleichzeitig vorstellen kann, dass es der Umwelt nicht guttut. Braucht es nicht genau solche Symbole, wenn wir den Planeten und uns retten möchten?

Die Plastiktüte war in meiner eigenen Kindheit schon Thema und wurde aus den gleichen Gründen wie heute durch Jutebeutel ersetzt, weil die ein so schönes Symbol darstellten. Hat das über die letzten 30 Jahre einen wirksamen Haltungswechsel mit sich gebracht?

Anscheinend nicht.

Eben. Ich finde es ehrlich gesagt viel symbolischer, dass Kinder im vergangenen Jahr Erwachsenen erklären mussten, wie sie gerade diesen Planeten zerstören. Und dass das System, das meine Generation und die vor mir aufgebaut haben, so nicht nachhaltig ist. Wir mögen als Spezies zwar ein spektakulärer Erfolg sein, neigen aber dazu zu vergessen, dass das aktuelle Erdzeitalter nach uns benannt ist: Anthropozän. Und mit diesem Titel kommt auch Verantwortung. Der müssen wir endlich gerecht werden.

Christopher Peterka: „Deine Wahl: Analoger Opportunist oder progressiver Optimist? Eine Einladung, am Systemwechsel mitzuwirken.“ 336 Seiten, € 20,00 (D) ISBN 978-3-86774-632-8.
Weg mit wirtschaftlichen Dogmen, hin zu einem neuen Verständnis des Menschseins – und einem Systemwechsel. Humanist und Unternehmer Christopher Peterka liefert Hintergründe und Motivation für den nachhaltigen Wandel. Deutscher und englischer Text in einem Buch, inklusive Selbsttest zur eigenen Progressivität.

In „Deine Wahl“ laden Sie dazu ein, einen Systemwechsel mitzugestalten. Wie genau soll dieser Systemwechsel aussehen?

Der Systemwechsel, der mir vorschwebt, beginnt mit etwas Grundlegendem, dass ich seit 30 Jahren als Behauptung aus der Politik höre: in Bildung investieren. Und zwar in einer Art und Weise, die im Vergleich zu den Investitionen und Subventionen in andere Bereiche auch wettbewerbsfähig wäre: sprich in ganz, ganz großem Stile. Aber nicht nur in Gebäude, sondern vor allem in mehr Zeit, mehr Freiraum und mehr Inspiration für alle Beteiligten.

Und über die Bildung hinaus?

Es ist an der Zeit, die großen Fragen anzugehen, etwa mit Blick auf unsere Arbeit: Wenn wir demnächst alle 100 Jahre alt werden können und nicht mehr so viel arbeiten müssen, weil das die Computer für uns erledigen, dann sollten wir jetzt unser Verhältnis zur Arbeit, zu den Maschinen und damit zu uns neu interpretieren. Was wollen wir zukünftig mit unserer Zeit anfangen? Wie wollen wir unserer Leben organisieren und gestalten? Das sind zwei Fragen, die weitreichender sind, als wir im ersten Moment glauben mögen. Denn sie stellen unseren Status quo mitsamt unserem Menschsein gehörig in Frage.

Ihnen zufolge sollen vor allem die progressiven Optimisten den Systemwechsel vorantreiben. Was zeichnet diese Menschen aus?

Die Entschlossenheit, ja Lust daran, aktiv positive Entscheidungen für eine Zukunft zu treffen. Progressive Optimisten sind sich der Schwierigkeiten und Probleme sehr ernsthaft bewusst. Gleichzeitig allerdings sind sie auch überzeugt vom Einfallsreichtum der Menschen, ihrer Kreativität und unglaublichen Anpassungsfähigkeit. Progressive Optimisten sind also jene, die wir brauchen, um die Welt wirklich zu verändern.

Das Buch ist beim Murmann Verlag erschienen und im Buchhandel sowie unter shop.murmann-verlag.de erhältlich.

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