Die Künstlerin Swaantje Güntzel beschäftigt sich seit zwölf Jahren mit dem Thema Plastikmüll – und konfrontiert die Betrachter mit Verdrängtem.

Unter der Meeresoberfläche verbirgt sich etwas, das nicht gesehen werden darf. Der Schein trügt – dieses Gefühl lässt Swaantje Güntzel seit ihrer Kindheit nicht los. In ihren Arbeiten will die 47-Jährige oft Verborgenes sichtbar machen – nicht nur den in den Meeren treibenden Plastikmüll, sondern auch die Schattenseiten unseres Verhältnisses zur Natur.

Die unschöne Wahrheit zeigen

Seit etwa zwölf Jahren arbeitet die Künstlerin über Kunststoffabfall. Es begann mit einem Artikel über all das Plastik, das Forscher in den Mägen von Seevögeln fanden. Güntzel macht es zum Objekt ihrer Kunst: ein bunter Kaugummiautomat, ein alter Drehkreisel, gefüllt mit Plastikabfällen aus den Mägen von Albatrossen. Meist ziehen spielerische, positiv konnotierte Gegenstände die Blicke des Betrachters auf sich – bis sich eine unschöne Wahrheit zeigt. In den ersten Jahren ihrer Arbeit über Plastik musste Güntzel ihre Werke Galeristen mühsam erklären. Anerkannt wurde lediglich, dass sie „Bewusstsein schaffe“. Doch Güntzel sieht sich nicht als Aktivistin, sondern als Künstlerin – auch wenn sich die Kunstwelt, so Güntzel, selbstverständlich den Fragen der Gesellschaft widmen müsse.

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Mit Kunst konfrontieren

Swaantje Günzel inszeniert Plastikmüll im Meer auf Lanzarote – und hält so ihren Betrachtern den Spiegel vor. Wer sich mit dem Thema Plastikmüll auf künstlerische Weise auseinandersetzen möchte, kann ihre Werke ab dem 27.3. im Museum für Moderne Kunst Leipzig ansehen.
Foto: Swaantje Güntzel

Inzwischen ist das Thema „Plastikmüll“ im Mainstream angekommen. Auf einmal gibt es Antennen für die Botschaften in ihren Werken. Und damit auch für ihre künstlerischen Qualitäten, zum Beispiel die Ambivalenz aus Humor und Ernsthaftigkeit, die in ihnen steckt. Güntzel hält dem Betrachter einen Spiegel vor. Zum Beispiel in ungewöhnlichen Perfomances, in denen Müll „umgelagert“ wird: In einem theatralen Setting wirft die Künstlerin dabei feierlich Müll, den sie zuvor in der unmittelbaren Umgebung des Perfomance-Ortes gesammelt hat, an anderer Stelle wieder aus, zum Beispiel ins Meer.

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Das mag auf den ersten Blick widersinnig und befremdlich erscheinen – und ist doch nichts anderes als ein Symbol für das, was täglich auf unserem Planeten geschieht. Der Betrachter werde so auf einer anderen Ebene mit seinen Handlungen konfrontiert und reagiere, so Güntzel, oft mit Unverständnis und Aggression. Diese Reaktionen seien mittlerweile untrennbar mit ihren Arbeiten verbunden. Sie enthüllten, dass viele sich in ihnen erkannt fühlten. Aber der Blick unter die Oberfläche ist eben oft nicht angenehm.

Ausstellungen

„Zero Waste“, Museum für Moderne Kunst Leipzig, 27. 3. – 21 .6. 2020
„Wasser“, Freiraum in der Box, Berlin, ab 25. 4. 2020