Eine Reise Richtung Süden ist immer gut, vor allem wenn es in den Süden von Frankreich geht. Doch falsch gedacht, meine Reise ging nicht an die Côte d’Azur – viel besser noch, wie ich feststellen durfte, die Reise ging für mich in das in Deutschland noch recht unbekannte Dordogne-Tal. Um genau zu sein in den 15 Häuser Ort Plagne. Eingeladen haben mich Martina und Achim Schriever, die bezaubernden Gastgeber des malerischen Château Plagne.

Ich verbrachte dort eine ganze Woche. Und was soll ich sagen, die Zeit war unvergesslich toll! Vom morgendlichen Croissant mit hausgemachter Pfirsichmarmelade, der Erkundung kleiner pittoresker Dörfer im Dordogne-Tal bis hin zu entspannten Nachmittagen am Salzwasserpool. Gewohnt habe ich in einem ehemaligen und renovierten Taubenturm, ohne Strom und Internet – eine ganz neue Erfahrung. Dabei haben mich Martina und Achim liebevoll umsorgt und auch kulinarisch verwöhnt. Wie sagt man so schön: Ich habe wie die Göttin in Frankreich gelebt! Aber nochmal ganz zum Anfang meiner Reise …

… bienvenue à Château Plagne

Willkommen im Château Plagne. Château, zu Deutsch Schloss, trifft es wirklich angemessen. Das Anwesen war ein Weingut, wurde zwischen 1600 und 1720 erbaut und gehörte den Bonnevals, einem entfernten Zweig des Hauses Navarra, dem auch König Henry lV, König von Frankreich (1589 – 1610) entstammte.

Das Hauptgebäude bildet das Château Plagne, in dem zwei Gästezimmer vermietet werden, die direkt vom Speisesaal mit Kamin und mit großer, gut ausgesuchter Bibliothek abgehen. In den Gemäuern leben auch Martina und Achim. Darin befindet sich zudem die Schlossküche, um die es später noch gehen wird.

An das Hauptgebäude schließt sich das zweistöckige „Maison Bonneval” an, einst als Scheune des Anwesens verwendet. Nach einer geschmackvollen Restaurierung genießen die Gäste dort einen offenen Wohnbereich zum Kochen, Lesen und Entspannen. Daneben besteht das Anwesen des Château Plagne aus weiteren vier Ferienhäusern, zwei davon befinden sich in ehemaligen Taubentürmen.

Insgesamt bietet das Château Plagne mit Haupthaus und den angrenzenden Häusern Platz für bis zu 22 Gäste. Das Angenehme dabei ist, dass das Anwesen weitläufig ist und die einzelnen Ferienhäuser und -zimmer nicht Haus an Haus stehen und dazwischen ein großer Garten mit Bäumen, Pflanzen und Blumen blüht.

Château Plagne
 
Aussicht aus einem Ferienzimmer
Zimmer im Château Plagne

Bonjour aus dem Taubenturm

Meine Unterkunft während der Woche war der ehemalige Taubenturm, auch Le Truffier genannt. Er befindet sich nur circa fünf Fußminuten vom Hauptgebäude des Châteaus entfernt. Und liegt inmitten der Natur. Der dreistöckige Turm steht frei und ist umgeben von Bäumen und Wiesen, einer Trüffelplantage und einem Weinberg sowie Waldflächen. Der einzige Nachbar, obwohl er sich mehrere hundert Meter entfernt auf seiner Koppel befindet, ist das Pferd der Gastgeber. Die kaum befahrene Straße ist aufgrund der vielen blühenden Büsche und Bäume kaum zu erahnen, geschweige denn zu hören. Der Taubenturm war somit die perfekte Ruheoase zum Abschalten und Ankommen.

Der Turm bietet auf drei Etagen und 12 Quadratmetern alles, was man zum entspannten Urlauben braucht: Im Erdgeschoss steht eine gut ausgestattete Küchenzeile mit Sitzgelegenheit zur Verfügung, im ersten Stock befindet sich das Badezimmer, das dank Sonnenkollektoren Warmwasser bietet, sowie ein Sofa und im Dachgeschoss direkt unter der Turmspitze finden die Gäste ein gemütliches Doppelbett vor. Bei gutem Wetter spielt sich das Leben in der Natur ab: in den Hängematten oder Liegestühlen und den verschiedenen Sitzgelegenheiten, je nach Sonneneinfall oder Schatten-Bedürfnis.

Was mich ehrlich erstaunt hat, ist die Tatsache, dass Tauben bis der Weinbau durch die Reblausplage zum erliegen kam 19. Jahrhundert gern gesehene Gäste im Dordogne-Tal waren, ganz im Gegenteil zu vielerorts heute, denn ihr Kot wurde als Dünger eingesetzt. Man mag es kaum glauben, aber für diese Produktion wurden extra Türme errichtet, in denen sie ungestört hausen konnten. Glücklicherweise sind die Tauben mittlerweile ausgezogen und die Türme meist noch originalgetreu erhalten, sodass man bei Fahrten durch das Dordogne-Tal immer wieder welche zu sehen bekommt. Viele sind heute als kleine Ferienhäuser, den sogenannten Gîtes, mit besonderem Charakter umgebaut und -funktioniert – zur Freude der Reisenden.

Taubenturm
Hängematte in der Natur
Essen im Freien

Liebe auf den ersten Blick

Nicht nur ich habe mich beim ersten Blick auf das Château Plagne darin verliebt, genauso erging es Martina und Achim, als sie das Anwesen im frühen Frühling 1998 zum ersten Mal zufällig während eines Urlaubs zwischen der Dordogne und dem Lot sahen. Während ihres Urlaubs regnete es Tag und Nacht – erschwerte Bedingungen, sich bei einem solchen Wetter in die Landschaft und Gegend zu verlieben, aber bei Martina und Achim hat es direkt gefunkt. Sie haben die Flusslandschaft und die gute Luft förmlich aufgesaugt und den Reichtum der Region entdeckt. Schnell war klar, dass sie ihre Heimat im Rhein-Neckar-Kreis, mit ihren alten Jobs, teilweise in Berlin, und Mitarbeiter:innen aufgeben wollen, um in Plagne neu zu beginnen.

Zu diesem Zeitpunkt stand das Haus 30 Jahre lang unbewohnt. Doch die beiden schreckten vor den Umbau- und Sanierungsmaßnahmen nicht zurück und nahmen die Herausforderung an: In den nächsten neun Jahren verwandelten sie das Château mit Herzblut, jeder Menge Schweiß und Liebe zum Detail, zu dem Ort, den die Gäste heute vorfinden. Dabei wurden sie zu Allround-Talenten, ob handwerklich, technisch oder kreativ. Martinas Französisch steckte in den Kinderschuhen, wobei Achim sich bereits gut verständigen konnte, denn es war ihnen wichtig, ihre Nachbar:innen kennenzulernen. Sie waren von Anfang an interessiert, gute Beziehungen aufzubauen und die französischen Einwohner:innen des Ortes mit in ihre Umbauarbeiten einzubeziehen und sich Rat bei ihnen einzuholen.

Eine ganze Zeit pendelten Martina und Achim von Deutschland nach Frankreich, verbrachten dort ihre Urlaube oder nur die Wochenenden, um das Schloss soweit auf Vordermann zu bringen, dass sie zumindest in einem Zimmer mit Kamin in kalten Winternächten übernachten und eine rostige Dusche mit Toilette verwenden konnten. Zu diesem Zeitpunkt, nach Weihnachten 2004, packten sie ihre sieben Sachen, wobei es deutlich mehr waren, und begannen ihr neues Leben in Südfrankreich. Sie arbeiteten sich Stück für Stück, Zimmer für Zimmer und Raum für Raum voran. Die Wände waren zugegipst, die Küche war vergilbt. Mit vollem Einsatz machten sie sich an die Arbeit und strahlten unter anderem den Kalkstein ab. All die Mühe und körperliche Anstrengung hat sich gelohnt: Seit 2007 steht das geschmackvoll restaurierte Château Plagne Gästen zur Verfügung.

Chateau Plagne

Die guten Seelen des Château Plagne

Wann man Diamant von Fragonard riecht, weiß man ohne hinzusehen, dass Martina sich in direkter Nähe befindet. Der angenehme Duft ihres Parfüms aus Frankreich spiegelt ihre Wohlfühlatmosphäre wider. Obwohl sie volle Tage hat und dabei zwischen den verschiedenen Aufgaben als Gastgeberin jongliert, nimmt sie sich immer wieder Zeit für ihre Gäste, fragt nach dem Befinden, serviert eine Tasse Kaffee oder schaut beim Pool für ein Pläuschchen vorbei. Dabei ist sie interessiert und unkompliziert, bucht Tische für das Abendessen auswärts, empfiehlt Ausflugsziele oder nimmt einen direkt mit und zeigt ihre Lieblingsorte.

Achim, der seit 1995 an Martinas Seite ist, ist schon seit er ein junger Erwachsener ist, ein großer Fan Frankreichs. Als begeisterter Reiter war es sein Wunsch, ein eigenes Pferd auf der Koppel des Châteaus zu haben. Bevor er nach Frankreich zog, leitete er einen Onlineshop für verschiedene biologische Produkte, von Käse bis zur einer Auswahl an Weinen, Kinderkleidung sowie -spielzeug, zudem führte er ein Unternehmen für Bio-Catering. Man sieht Achim täglich in verschiedenen Outfits – je nach anstehender Arbeit – ob er auf dem Weg zum Großmarkt/Supermarkt oder Lebensmittelläden seines Vertrauen ist, er sich gerade mit Rechen und Schaufel zum eigenen Permakulturgarten aufmacht oder aber bereit ist, ein köstliches Dinner zu zaubern. Egal in welchem Outfit, Achim trägt stets ein Lächeln auf den Lippen.

Martina und Achim

Urlaub wie bei Freund:innen

Das Motto von Martina und Achim lautet: Urlauben wie bei Freund:innen. Und genau das ist ihnen gelungen. Auch wenn sie sich selbst die Gäste nicht aussuchen, da diese sich einbuchen, kommt jedes Mal eine tolle Truppe zusammen, die gemeinsam eine Woche im Château Plagne verbringt. Gebucht werden können die verschiedenen Ferienhäuser und -zimmer nämlich wochenweise. In einer Woche hat man genügend Zeit, um sich etwas in der Umgebung anzusehen und gleichzeitig die besondere Unterkunft inmitten der Natur zu genießen.

Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass ganz unkompliziert nette Gespräche mit den anderen Gästen zustande kommen, wenn man denn möchte. Gemeinsam sind wir ein paar mal ausgeflogen, haben uns anderer Dörfer angesehen und zusammen außerhalb zu Abend gegessen. Dabei waren die Gespräche so intensiv und voller gegenseitiger Interesse, sodass ich selbst jetzt, obwohl ich schon seit ein paar Wochen zurück in Berlin bin, immer wieder daran denken muss.

Entspannung pur

Zum Château Plagne gehört ein Salzwasserpool, der sich im Garten des Schlosses befindet sowie ein weiterer Salzwasserpool für die Gäste des der Ferienhäuser „Maison Rose” und „Maison Soleil”. Ob auf den Liegen um den Pool mit zwei dominanten Zypressen oder im prächtigen Garten unter einem schattigen Baum: Das Leben findet entspannt statt. Bei einem guten Buch, einem kühlen Getränk oder in der Stille der Natur. Ein Wasserbrunnen plätschert gemütlich vor sich hin, die Vögel zwitschern munter, – so kann man wirklich abschalten.

Salzwasserpool genießen
Der blühende, entspannende Schlossgarten
Sitzecke am Salzwasserpool

Genussvoll verwöhnt werden

Der Mann hinter dem Herd ist Achim, die Schlossküche ist sein Revier. Dort bereitet er morgens das Frühstück vor, das aus, wie sollte es anders sein, frischen Croissants und Baguette besteht, die mit Marmelade und Butter serviert werden. Dazu gibt es frisches Obst und Joghurt. Je nachdem, ob gerade eine Kurswoche ist oder nicht, kocht Achim täglich oder an zwei bis drei Abenden, je nach Absprache/Buchung. Wobei ehrlich gesagt das Verb „kochen“ Achims mehrgängigen Menüs nicht gerecht wird: Die Gäste werden einen ganzen Abend lang kulinarisch verwöhnt. Zu den zubereiteten qualitativ hochwertigen Lebensmitteln zählen saisonales Obst und Gemüse, das aus dem eigenen Permakulturgarten, von benachbarten Bauern, wie beispielsweise Safran, kommt, sowie Fisch, Muschel- und Krustentiere oder Fleisch.

Im Alter von 13 Jahren entdeckte Achim die Kochkunst für sich und probierte seitdem immer wieder viel in verschiedenen Küchen aus. Als Gastgeber war es ihm wichtig, Gerichte aus der Region zu übernehmen, wobei er ihnen seine eigenen Note und Interpretation verleiht. Freundinnen aus der Nachbarschaft helfen ihm, wenn er zum 5-Gänge-Menü am Abend einlädt. Dabei sitzen die Gäste an der langen Tafel im Außenbereich, mit Lampions und der untergehenden Sonne.

Mein vegetarisches Menü bestand aus folgenden Köstlichkeiten, die in Weinbegleitung kamen: Das Amuse-Bouche bestand aus dreierlei Buttersorten: Trüffel, Kräuter und Limette, die mit frischem Brot serviert wurden. Als Entrée gab es einen Zengarten mit Avocado, beim Plat Principal (Hauptgericht) wurde ein Kartoffelgratin auf einem Mosaik von Gemüse serviert. Im Anschluss gab es eine große Auswahl an Käse, wobei der Nachtisch aus einem fruchtigen Zitronen-Zauber bestand. Was für ein gelungener Abend!

Achim zaubert ein 5-Gänge-Menü
Leckerer Nachtisch
Permakultur

Koch- und Körperkurse

Wer mag, kann auf Nachfrage einen Kochkurs bei Achim buchen. Zur Auswahl stehen je nach Saison: Fisch-, Gemüse oder Trüffelkochkurse, die gemeinsam in der Schlossküche zubereitet und anschließend in Gemeinschaft verzehrt werden.

Das tolle am Dordogne-Tal ist, dass in der Region allerlei köstliche Lebensmittel angebaut werden können, teilweise mit drei Erntezeiten pro Jahr, da die Region so reichhaltig an Wärme und Wasser ist: von Walnüssen bis hin zu Trüffel, verschiedenste Gemüsesorten, unter anderem auch Artischocken und Spargel, aber auch zahlreiche Obstsorten wie Kirschen, Aprikosen und viele mehr. Nicht umsonst wird das Dordogne-Tal als „Bauch Frankreichs” bezeichnet, von deren Erzeugnisse das ganze Land zehren kann.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, nach Terminvereinbarung, eine Shiatsubehandlung oder eine Aromamassage zu buchen. Dafür lädt das Château ausgebildete Therapeut:innen ein, um Gäste mit den angenehmen Behandlungen zu verwöhnen.

Kreative Wochen bei abwechslungsreichen Kursen

Seit 2007 werden über die Sommermonate bin in den Herbst verschiedene begehrte und schnell ausgebuchte Kurswochen angeboten. Dabei könnten die Kurse, die meist in der freien Natur stattfinden, nicht abwechslungsreicher sein: von Yoga, Zeichnen, (Aquarell-)Malen, Sketchen bis hin zum Bildhauen, Musizieren oder Fotografieren. Abgerundet wird das Angebot durch Wein- sowie Rhetorikseminare. Dabei sucht Martina die Künstler:innen aus, die während der Kurswochen das kreative Zepter führen und die Kursteilnehmenden anleiten.

Eine dieser Künstlerinnen durfte ich kennenlernen, die begnadete Illustratorin Nicola Maier-Reimer. In wenigen Minuten kann sie Szenen nachzeichnen und mit ein wenig Farbe verleiht sie den Bildern leben. Da kann man nur gebannt zusehen oder entscheidet sich für einen Kurs und lernt von ihr. Und wenn man gar nicht damit rechnet und einfach am Pool verweilt, hat Nicola schon ein paar Skizzen dazu festgehalten: Wie toll!

Cécile duscht - eine Illustration

Ich durfte also einen „Traum von Urlaub” im wunderschönen Château Plagne erleben, eben in Wirklichkeit, bei dem es nie langweilig, aber zum Glück auch nie stressig war. Die Woche in Plagne bei Martina und Achim sowie den anderen lieben Menschen wird unvergessen bleiben! In diesem Sinne: Merci beaucoup et à bientôt.

 

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