Und nun sitze ich im VW Bus und die erste Reise im Jahr 2021 beginnt. Ich fühle mich mulmig, denn irgendwie fühlt sich das Reisen noch nicht zu 100% richtig an, obwohl ich erst vor Abreise und tagesaktuell negativ auf COVID-19 getestet wurde, und wenngleich ich mich so sehr auf das Reisen gefreut habe, denn schließlich musste ich es all zu lange – zumindest für mein Empfinden – missen, und jetzt soll es also wieder losgehen, beziehungsweise es geht genau jetzt los, es hat begonnen, die erste Fahrt, zu einer Unterkunft, nur eine Autostunde von Berlin entfernt, in das kleine Städtchen Fürstenberg/Havel im Norden Brandenburgs. Umso näher ich an das Ziel gelange, umso mehr rutsche ich auf meinem Sitz hin und her und merke, wie die Vorfreude immer größer wird. Noch einmal abbiegen und dann sehe ich es vor mir, das imposante Gutshaus, das zum Gut Boltenhof gehört.

Der beeindruckende erste Eindruck vom Gut Boltenhof

Schnell parken, Gepäck mitnehmen und die lange gepflasterte Lindenallee entlang zum Treppenaufgang des Gutshaus laufen, Türe aufschließen und inmitten der schönen Eingangshalle stehen. Von der Eingangshalle geht es rechts zum eigenen modernem Restaurants namens GUTESS, links befindet sich das Büro, in dem mich Mitarbeiterin Jessica empfängt, und geradewegs weiter gelangt man über eine Treppe in das obere Stockwerk, in dem die sechs Hotelzimmer liegen. Der lange Flur trennt sie voneinander, die Zimmer, die erst kürzlich renoviert wurden und diese, die schon seit der Eröffnung des Gutshofs vermietet werden.

Der Eingangsbereich vom Gut Boltenhof
Das Glück isst unsere Wiese
Die Einrichtung ist stilvoll

Design trifft Nachhaltigkeit

Am Ende des Gangs befindet sich ein Gästezimmer namens Schneckenhaus, in dem ich nächtigen darf. Es ist in einem hellen Grün gestrichen, die alten Holzbalken sind noch zu sehen, ebenso wie naturnahe Materialien und gut ausgesuchte Möbel. Das bequeme Doppelbett lässt einen erholsamen Schlaf zu. Von den beiden Fenstern sind die weiten Ackerwiesen und eine Vielzahl an Bäumen zu sehen.

Zur Ruhe finden im grün gestrichenen Zimmer

Regionaler Hofladen

Doch der Tag ist noch jung und ich möchte mir das Gut Boltenhof genauer ansehen. Denn neben dem Gutshaus gehören ein ehemaliger Rinderstall, in dem sich heute ein Hofladen befindet, und elf Ferienwohnungen zum Gutsgeschehen. Vor dem Hofladen haben es sich andere Gäste gemütlich gemacht und lassen sich einen selbstgebackenen Obstkuchen und Kaffee schmecken. Der Hofladen bietet eine kleine Auswahl an biologischen und nachhaltigen Lebensmitteln an, wie Käse, Gemüse und Eier, die aus der Region stammen. Dort können ebenfalls ausgesuchte Reiseführer und Coffee Table Books sowie Tipps zu Brandenburg erworben werden.

Der Gut Boltenhof ist umgeben von Wasser, Kühen und Wäldern

Direkt am Gutshaus befindet sich auf dem Sonnenhof ein kleiner Springbrunnen, um den Stühle und Tische stehen, dort kann man es sich gemütlich machen; und auch die große saftig grüne Wiese lädt zum Verweilen in Gartenstühlen ein. Von dort aus führt ein schmaler Weg durch Büsche und Bäume, natürlich folge ich ihm und kann aufgrund des Geruchs und des Muhens erahnen, was ich wenige Augenblicke später selbst sehe: Kühe, die zum Bio-Landwirtschaftsbetrieb des Guts Boltenhofs gehören. Aber nicht nur die Kühe geben Geräusche von sich, auch die vielen Vögel, wie unter anderem der für die Region bekannte und unter Schutz gestellte Eisvogel, ebenso wie die ersten vorbei schwirrenden Insekten und Hummeln. Und plötzlich bemerke ich als Stadtmensch, wie selten mir die Geräusche der Tiere in meinem Alltag wirklich bewusst auffallen.

Glückliche Kühe auf dem Gut Boltenhof
Blick in den grün leuchtenden Wald

Auf dem Weg zurück zum Gutshaus sehe ich ein kleines, verstecktes Rondell, in dem während der Sommermonate Feiern und Veranstaltungen wie ein Open-Air-Kino stattfinden. Auf meinem Rundgang über den Gutshof begrüßt mich sehr freundlich der Gastgeber Jan-Uwe Riest und gibt mir ein paar Tipps für Ausflüge in der näheren Umgebung. Diese möchte ich natürlich entdecken und so geht es los zum ersten Tipp von Jan-Uwe, dem Capriolenhof. Die Fahrt dorthin kann als abenteuerlich beschrieben werden, denn es geht gute fünf Kilometer durch den Wald, über eine holprige Waldstraße, mein Bulli wippt und wackelt bei der Fahrt über Baumwurzeln. Doch die Fahrt lohnt sich, dort angekommen sehe ich einen kleinen Teil der 150 eigenen Ziegen, von denen die Besitzer des Hofs authentischen Ziegenkäse, -mlich und sogar Eis herstellen.

Kajak-Tour vorbei an Eisvögeln, Enten, Biber und Schwänen

Ein Stückchen weiter mit dem Auto, und diesmal auf richtigen Straßen, geht es bis nach Himmelpfort. Das Städtchen ist nicht nur schön anzusehen, es wird von vier miteinander verbundenen Seen umgeben: Sidowsee, Moderfitzsee, Haussee und Stolpsee. Jan-Uwe hat mir den Campingplatz Wilde Heimat empfohlen, als ich ihm verriet, dass ich gerne eine kleine Kajak-Tour machen würde. Die Besitzer des Campingplatzes Kristin und Martin sind herzlich und erlauben eine Tour, obwohl sie eigentlich schon schließen wollten. Nach kurzer Zeit paddle ich entlang der Siggelhavel, vorbei an Eisvögeln, Enten, Biber und Schwänen sowie jeder Menge Schilf und Uferpflanzen, durch Seerosen, bis hin zur Havel (Stolpsee).

Entspannung auf dem Wasser finden

Zurück auf dem Gutshof und in meinem Zimmer Schneckenhaus angekommen, falle ich in das weiche Bett und schlafe wunderbar, bis mich in den frühen Morgenstunden die blutrote Sonne bei ihrem Aufgang weckt. Ich habe natürlich nicht damit gerechnet, dass sie Sonne am Ende des Horizonts so hell leuchtet. Aber das Naturspektakel, das auf dem Land jeden Tag zu bewundern ist, möchte ich nicht verpassen und bleibe deshalb wach.

Bald schon ist es Zeit für das Frühstück, das ich im Hofladen einnehme. Mich erwarten regionale (Milch-)Produkte, die von befreundeten Höfen oder Betrieben stammen, dazu gibt es einen Cappuccino mit Hafermilch, Obst und Gemüse, eigens zubereitete Marmelade, Müsli und Aufstriche. Ich lasse mir Zeit und genieße die morgendliche Ruhe und beobachte die Gänse, die über den Hof laufen.

Einen atemberaubenden Sonnenaufgang genießen
Ein köstliches Frühstück auf dem Gut Boltenhof
Tierisches Glück
Blick in den Speiseraum

Ein Begegnungsort für viele

Nach dem Frühstück bin ich mit Andrea, der Gastgeberin und Frau von Jan-Uwe, verabredet. Gemeinsam mit Jessica führt sie mich durch das Gutshaus, die einzelnen Zimmer, das GUTESS mit den dazugehörigen drei Speiseräume und dem Wintergarten. Sie beantwortet mir meine vielen Fragen und weiht mich in die Pläne des Gut Boltenhofs ein. Denn das Hotel soll sich immer mehr dahingehend entwickeln, dass Paare oder auch Single-Reisende einen Aufenthalt buchen oder zum Co-Working mit Highspeed-Internet vorbeikommen. Nachwievor kann der Gutshof für Hochzeiten und andere Feierlichkeiten gebucht werden, Andrea freut sich auch schon auf den bevorstehenden Freilichtkino-Abend. Doch haben die Gastgeber nicht zuletzt durch die Pandemie gemerkt, dass sie sich freuen, wenn Menschen länger bleiben als nur für ein paar Nächte und sich aktiv mit auf dem Hof einbringen, auf verschiedenste Arten der Zusammenarbeit.

Apropos Zusammenarbeit, als mir die Hotelzimmer gezeigt werden, hat es mir besonders eines der individuell eingerichteten angetan: das Brandenburger Zimmer. Jedes einzelne Möbelstück, Accessoire, Bild oder noch so kleine Detail wurden hier in Kooperation mit der Produktdesignerin Bernadette Wüchner der Hochschule Potsdam entwickelt. Die Studentin kontaktierte für ihre Abschlussarbeit Manufakturen und Handwerker:innen aus der Region und so entstanden die Unikate, welches das Zimmer seit Juni 2019 zieren und ein Stückchen Brandenburg auf diese Weise für die Gäste erlebbar machen.

Blick ins Brandenburger Zimmer
Detail Nachttisch / Photocredits: Max Wosczyna Raphael di Biase

Harmonisches Zusammenleben von Mensch, Natur und Tier

Ich finde es bemerkenswert, wie Andrea und Jan-Uwe dem Gutshof erneut Leben eingehaucht haben, wie sie sich dort verwirklichen konnten und gleichzeitig anderen Menschen die Möglichkeit geben, im Gut Boltenhof ihre Heimat zu finden. Das harmonische Zusammenleben von Mensch, Natur und Tieren und die durchweg gelebte Nachhaltigkeit haben es mir angetan. Die verbleibende Zeit auf dem Gut Boltenhof genieße ich in vollen Zügen, mache Ausflüge und lasse es mir kulinarisch gut gehen.

Glücklich fahre ich nach Hause, denn das lange Wochenende in der Natur hat mir wirklich gut getan, die Landstille werde ich schnell vermissen, da bin ich mir sicher. Kurz nachdem ich in Berlin angekomme, höre ich kaum noch Vögel singen, dafür aber Autos und Gehupe, und freue mich bereits jetzt auf die nächste Auszeit in einem Gutshof, nicht weit entfernt von Berlin, doch soweit weg vom Lärm. In meinem Bett, höre ich bei geöffnetem Fenster das Zwitschern von Vögeln in meinem Hinterhof und schlafe erholt ein.

Mehr Informationen zum Gut Boltenhof

Photocredits: Cécile Meier

Die Landstille auf dem Gut Boltenhof genießen
Kreativ werden im Zimmer
Im Gutess