Ein Partner erzählt: Ein Gastbeitrag von Angeli & Christian Wehrli, Betreiber des Albergo Casa Santo Stefano

Unsere Situation

Nachdem wir uns erst einmal durch einen Wust von bürokratischer Arbeit „gewühlt“ haben, berichten wir Ihnen jetzt gerne etwas aus unserem momentanen Alltag: Unser Hotel ist seit 14 Tagen wieder geschlossen, nachdem wir gerade eine Woche normalen Hotelbetrieb hatten. Offiziell dürfen wir es zwar offen behalten, aber kein Gast wagt zur Zeit Ferien zu machen.

Alle Kurse und Seminare sind seit Mitte März bis Anfang Mai storniert worden und wir stehen vor der Situation, dass wir und die Kursleiter von den Mai-, Juni- und Julikursen sich fragen, ob wohl diese Kurse zustande kommen oder auch noch abgesagt werden müssen? Und natürlich kommen zur Zeit auch keine Buchungen für diese Kurse rein.

Wir sehen uns einem Liquiditätsengpass konfrontiert

Da wir den Teilnehmern, von unseren annullierten Kursen die schon bezahlten Kursgebühren erstatten müssen, haben wir zur Zeit statt Einnahmen nur Ausgaben und bereits sehen wir uns mit einem Liquiditätsengpass konfrontiert. Hätten wir gewusst was in diesem Jahr 2020 auf uns zu kommt, hätten wir Anfang Jahr nicht so viel Geld in Neuanschaffungen, wie Matratzen, Bettwäsche und Frottierwäsche investiert.

Das Albergo Casa Santo Stefano im Schweizer Tessin

Positives und solidarisches Verhalten seitens der Gäste

Wir bekommen von staatlicher Seite einen Kredit von 10 Prozent unseres Umsatzes. Wie lange der reicht, hängt davon ab, wie lange noch diese Corona Ausnahmesituation dauert. Hier haben wir auch schon positive und solidarische Erfahrungen gemacht, indem einige Kurs-TeilnehmerInnen ihre Kursbeträge „stehen“ lassen und sich für später stattfindende Kurse angemeldet haben oder noch tun werden.

Zum Teil konnten wir auch stornierte Kurse in den Herbst verschieben, mit der Hoffnung, dass sich dafür dann auch noch die Teilnehmer wieder anmelden! Des Weiteren haben wir schon beschlossen die Saison zu verlängern in der Hoffnung vielleicht auch noch Weihnachten und Silvester als interessante Ferien im Tessin „verkaufen“ zu können.

Wenn die Flugzeuge nicht mehr fliegen und die Menschen wieder mehrheitlich in den eigenen Ländern Ferien machen, wird dieses Angebot vielleicht wieder genutzt? Dahin geht unsere Zuversicht, dass das Tessin, die wundervolle, verwunschene Natur des Malcantone (unsere Region) und unser Hotel sehr gefragt sein werden in den kommenden Jahren und wieder im Trend sein werden!

Das Gastgeberpaar der Casa Santo Stefano: Angeli & Christian Werli

Unser Personal können wir bis auf Weiteres mit staatlicher Unterstützung „halten“, indem sie bei der Kurzarbeit angemeldet sind. Wir beide, als Geschäftsführer und Inhaber, profitieren übrigens glücklicherweise auch davon, da wir eine Angestellten-Situation innerhalb unserer Aktiengesellschaft haben. Der versprochene Betrag ist zwar ein sogenannter Minimallohn, aber immerhin.

Wie es uns mit dieser ganzen Situation geht?  Tja, sie ist noch sehr gewöhnungsbedürftig. Keine Gäste, aber Zeit. Klar, diese Zeit brauchen wir sicher zu 75 Prozent, um uns auf dem Laufenden zu halten und eben die ganzen administrativen Hürden zu überwinden. Den Rest der Zeit schauen wir jetzt selber für das Hotel, mit Blumen gießen, über verschiedene Aufräum- und Unterhaltsarbeiten, etc. Endlich werden auch mal der Speicher und der Keller entrümpelt, etc.

Die restliche Zeit mit Wanderungen im Wald verbringen, welcher normalerweise von den Gästen ausgekundschaftet wird

Die andere Zeit verbringen wir, trotz der Warnungen im Haus zu bleiben damit, Wanderungen in den umliegenden Wäldern zu machen, die Gegend zu erkunden, die normalerweise eher unsere Gäste auskundschaften, und in den Flüssen und Seen zu baden, um unser Immunsystem zu stimulieren und die Glückshormone zu spüren, anstatt in die Depressivität zu rutschen. Sie haben richtig gelesen: Wir gehen auch in der kalten Jahreszeit schwimmen, aber nicht erst seit ein paar Wochen, sondern schon länger. Dies ist eine finnische Technik, „Sisu“, das sogenannte Winterschwimmen, wo man mit eiskalter Entschlossenheit das scheinbar Unmögliche möglich macht. Und es fühlt sich hinterher so genial an!

Positiv bleiben, aber dabei realistisch sein

Ansonsten probieren wir positiv zu bleiben und hoffen sehr, nach diesen Herausforderungen, mit unserem bisher gut gelaufenem Betrieb weiter machen zu können. Allerdings sehen wir die Lage nicht rosarot, sondern realistisch, indem wir vielleicht wieder einige Schritte zurück gehen müssen. Aber reicht dies? Kommen wir über die Mitte des Jahres hinaus ohne dass die Coronakrise für uns ein existentielles Problem wird? Wir wissen es nicht!

Das wunderschöne Tessin wird auch "danach" ein sehenswertes Reiseziel bleiben

Sicher ist es nicht, dass es weiter geht? Ein Kleinbetrieb, wie unserer, während über 20 Jahren kontinuierlich aufgebaut und gut funktionierend, aber finanziell dennoch  stets am Limit! Wir werden uns wahrscheinlich von zwei Mitarbeiterinnen trennen und wieder selber viele Arbeiten übernehmen müssen, die wir bisher an diese abgegeben haben. So wie damals, vor 25 Jahren, als wir noch alles selber gemacht haben!

Vielleicht ist diese ganze Situation aber auch wieder eine Chance für uns und alle Menschen, Dinge zu verändern? Bestimmt! Mutter Erde ist jedenfalls dankbar für Alles, was passiert und wir werden es vielleicht nach dieser grossen Veränderung auch sein. Darin besteht unsere Hoffnung und wir werden unseren Beitrag mit unserer Casa dazu leisten!

So, das ist unsere momentane  Situation und eine kleine Geschichte für Sie. Bleiben Sie gesund und wir grüssen Sie ganz herzlich aus dem sonnigen Tessin und gleich gehen wir wieder schwimmen und wandern.

– Angeli & Christian Wehrli

Mehr Informationen zur Casa Santo Stefano

Jetzt gilt es die verwunschene Natur des Malcantone zu entdecken