Sicherlich ging es vielen von euch so. Seit dem letzten Jahr fragen wir uns nicht nur zunehmend, wo ich hinreisen will, sondern auch wo ich dieses Jahr hinreisen kann? Natürlich spielt der Zwiespalt von nachhaltigem Tourismus und Wanderlust neben den aktuellen Möglichkeiten ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Da der gesamte Balkan für mich noch komplettes Neuland war, bot sich also die perfekte Gelegenheit dies in diesem Jahr zu ändern. Gemeinsam mit einer Freundin habe ich mir in Berlin einen ausgebauten Mercedes Vaneo (ein kleiner Kastenwagen) über eine Sharing-Plattform ausgeliehen. Ich finde das ein tolles Angebot, da es zum einen billiger ist als herkömmliche Autovermietungen, aber auch das Teilen von privaten Produkten stärkt.

Mit Zwischenstopp geht es ins Raduha in Slowenien

So begann unsere Reise nach Slowenien. Mit einem Zwischenstopp in München (von hier sind es noch circa vier Stunden mit dem Auto bis an die Grenze) erreichen wir das kleine Land mit gerade einmal zwei Millionen Einwohner:innen, welches zwischen Österreich und Italien im Nordwesten, sowie Kroatien und Ungarn im Südosten liegt. Schnell wird der Vorteil eines so kleinen Landes bemerkbar – die unglaublich kurzen Wege von einem Highlight zum nächsten. Meist fahren wir nicht mehr als 30 bis 45 Minuten bis zum nächsten Stopp.

Der Eingang zum Garten
Die Terrasse unter dem Heustadel am Abend

Bei Raduha zwischen Historie und Moderne übernachten

Nach einem Tag am Bled See sowie dem Bohinj See kommen wir am Abend im Raduha an. Das Haus Raduha hat ihre Türen bereits seit 1875 für Gäste geöffnet. Im slowenischen Dorf Luče wird die Unterkunft nun in vierter Generation vermietet. Heute ist das Haus im Besitz der Familie Breznik, wo die Gastgeberin Martina dafür sorgt, dass Traditionen der früheren Generationen noch heute erhalten werden. Gleichzeitig schafft sie einen modernen Charme: vom Essen bis hin zu der Inneneinrichtung.

Die letzten Sonnenstrahlen schaffen es gerade noch über die bewaldete Bergkette – die Ausläufer des Raduha Berges welcher Namensgeber für das Hotel ist – die direkt an das Gelände hinter dem Fluss angrenzt. Am Empfang im alten Steinhaus direkt an der Straße befindet sich die Rezeption. Wir werden freundlich empfangen und direkt in den Garten geführt, wo sich neben dem Baumhaus und dem alten Stall auch der Heustadel befindet, wo wir die Nacht verbringen dürfen. Das Gebäude besteht aus einem traditionellen slowenischen Gerüst, welches früher als Schuppen und zur Heutrocknung verwendet wurde. Mit viel Liebe zum Detail wurde der Stadel umgebaut. In der ersten Etage findet man einen rundum verglasten Raum, welcher über der komplett offenen Terrasse mit Hängematte und Whirlpool zu schweben scheint.

Handgeschnitzte Handläufe von einem Künstler aus dem Ort

Im Inneren ziehen sich die alten Balken durch das modern und mit edlem Holz verarbeitete Zimmer, sodass man immer gut auf seinen Kopf aufpassen muss. Über eine kleine Treppe gelangt man auf eine Hochebene, die in der kompletten Breite des Raumes mit einem Doppelbett ausgebaut ist. Zur rechten und linken Seite des Wohnraums finden sich zwei weitere erhöhte Einzelbetten sowie ein großes Netz, welches sich zwischen den Betten über den Raum spannt. Alles ist mit unglaublich viel Liebe zum Detail und vor allem sehr stilvoll eingerichtet. Die Handläufe zum Beispiel wurden von einem Künstler aus dem Ort aus Holz geschnitzt. Am nächsten Tag durften wir die übrigen Zimmer besichtigen und schnell wurden solche Elemente auch hier wieder sichtbar.

Das Leben des „guten Geschmacks“

Nachdem wir unsere Sachen abgelegt haben, ging es wieder in das alte Gebäude, wo der Tisch für unser Abendessen bereits gedeckt war. Da das Essen im Raduha ein wesentliches Element des Erlebens ganz nach dem Motto des „guten Geschmacks“ ist, wird für jeden Gast jeden Abend ein vier bis sechs Gänge Menü gezaubert, immer individuell abgestimmt auf die Wünsche der Gäste. Unseren Starter serviert uns die Hausherrin und Gastgeberin Martina persönlich. Passend dazu ist ihr Sohn Filip Sommelier, sodass auch die Getränkeauswahl perfekt abgestimmt ist. Da wir das Essen vorher nicht selbst auswählen, ist jeder Gang wieder eine Überraschung für sich. Und jedes Mal wieder staunen wir. Wann isst man schon Sellerie-Mango-Salat mit Hähnchen mit einem kleinen schwarzen Brot oder gebratene Forelle mit Bärlauch und Kohlrabi-Auflauf.

Insgesamt gibt es im Restaurant nur fünf Tische, entsprechend war es während des Essens ruhig und entspannt, fast schon andächtig, sodass man sich um so mehr die feinen Geschmäcker auf der Zunge zergehen lassen kann. Den Abend ließen wir danach entspannt im Whirlpool ausklingen.

Privates Frühstücksbuffet für Zwei
Das gute Essen spielt eine große Rolle im Raduha
Genuss beim Abendessen samt Mehrgängemenü

Das Raduha ist ein Projekt mit Herz und Seele

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück dürfen wir uns noch ein wenig auf dem Gelände umsehen, während uns Kristina und Martina mehr zur Geschichte und Entwicklung des Hauses Raduha erzählen. Mit Kristina haben wir Englisch gesprochen, während Martina mit uns Deutsch sprach. Stolz zeigt uns Martina im Eingang zur Küche eine Wand, auf der die Unterschriften ihrer Mutter, Großmutter und Urgroßmutter stehen, die das Hotel vor ihr geführt haben. Über ihrem Namen stehen drei Fragezeichen für die nächste Generation. Neben Kristina, die eigentlich in Ljublanja studiert, helfen auch der Sohn Filip sowie Martinas Mann Matjaž gleichermaßen mit. Wir merken sofort, dass sie für dieses Projekt, das Haus und das Essen leben.

Vor 15 Jahren begannen die Pläne für den Umbau und Ausbau des Hotels. In den folgenden Jahren wurde dann ab 2010 das freie Gelände direkt am Fluss mit den neuen Elementen dem Heustadel und dem Baumhaus bebaut. Zuletzt wurde der Speisesaal und die Küche im Jahr 2019 renoviert. Derweil laufen im Haupthaus die Umbauten der ersten Etage, welche Raum für vier großzügige Doppelzimmer bieten soll. Mit einer Solaranlage, Erdwärme, so wie ein Rekuperationssystem soll das Hotel zudem noch umweltfreundlicher werden.

Das Raduha ist eine echte Wohlfühloase
Martina entspannt sich auch selbst am liebsten im Garten

Auch hier spielt der regionale Bezug zu Architekt:innen und künstlerischen Elementen in der Gestaltung eine entscheidende Rolle. Alle Zimmer und Häuser sollen die Natur und Umgebung widerspiegeln. So ist das Baumhaus geformt wie die Felsen des Berges Raduha und die Holzschalen im Speisesaal erinnern an die Steine im Fluss. Natürlich haben Martina und ihr Mann noch weitere Pläne. So ist zum Beispiel eine offene Küche, die bereits umgesetzt wird, sowie ein Wellnessbereich in Planung. Und wer weiß, was danach noch alles kommt.

Viel Eigenanbau im hauseigenen Gemüsegarten

Direkt neben dem Parkplatz befindet sich der Gemüsegarten des Hotels. Hier baut die Familie einen Großteil der Lebensmittel selbst an. Entsprechend wird auch saisonal gekocht. So kann die Familie viele Produkte, die sie verarbeiten selbst erzeugen. Dabei ist die slowenische Küche in dieser Region sehr von der alpinen Küche geprägt. Dennoch, so sagt uns Martina, arbeitet sie ständig an neuen Ideen und lässt sich von ihrem Umfeld und den Wünschen der Gäste gerne inspirieren. Vor allem in Frankreich ist sie regelmäßig bei Freund:innen zu Besuch, um dort gemeinsam mit ihrem Mann, neue Gerichte und Weine auszuprobieren. Mit ihren innovativen Ideen hat sie es sogar bereits in ein slowenisches Kochbuch geschafft.

Tomaten aus dem hauseigenen Garten
Hier wird fast alles selbst angebaut, was in der Küche landet

Das Erlebnis liegt direkt vor der Tür

Von hier ging unsere Reise weiter. Namensgebend für den Ort Luče ist der Fluss Lucnica, der mitten hindurchfließt und in den Fluss Savinja mündet. Neben dem Wassersport wie Kayaking zieht die Region dadurch vor allem Angler:innen an. Viele Gäste des Raduha kommen extra dafür jedes Jahr wieder, oft für mehrere Wochen.

Auch in der Hauptreisezeit trifft man nur selten auf andere Menschen

Anschließend ging es ein Stück den Savinja Fluss entlang. So erreicht man, je nachdem ob man den direkten Weg nimmt, oder die Scenic Route, nach circa 20 Minuten das Logar Valley. Hier lassen sich etliche Wanderungen machen. Wir sind das Valley bis zum Ende gefahren. Von dort geht ein etwa zehnminütiger Weg bis zu einem Wasserfall. Auf dem Weg begegneten uns kaum andere Menschen. Selbst zur Hauptreisezeit findet man hier vor allem auf den längeren Wanderrouten durch die slowenischen Alpen noch größtenteils unberührte Natur.

Außerdem finden sich überall, eigentlich im ganzen Land Fahrrad- und Mountainbikewege, die überall ausgeschildert sind. Auf den Straßen wird extra auf Radfahrer:innen aufmerksam gemacht und es finden sich in touristischeren Ecken sogar E-Bike Lade- und Reparaturstationen. Übrigens, auch im Hotel Raduha könnt ihr euch direkt vor Ort E-Mountainbikes ausleihen.

Der Fluss Savinja kurz hinter Luce
Der Wasserfall im Logar Tal

Von hier aus ging unsere Reise weiter über die Alpen bis nach Ljubljana, die man auch in nur etwa einer Stunde Fahrtzeit erreicht. Am Ende besticht Slowenien für mich vor allem durch die unglaubliche Vielfältigkeit und die Liebe und Fürsorge zur Natur. Das zeigt sich im Hotel Raduha und der Familie im Kleinen, aber genau so überall anders.

Dieses Land ist einfach unglaublich grün, naturbelassen und abwechslungsreich. Was aber noch viel schöner ist, dass die Menschen hier wirklich verstanden haben, wieviel diese Natur wert ist und dass es sich lohnt, diese Vielfältigkeit zu schützen. Für alle mit einem „guten Geschmack“ also eine absolute Empfehlung und schaut auf jeden Fall beim Hotel Raduha vorbei, es lohnt sich!

Mehr Informationen zum Raduha findest du hier