Ich durfte eine Woche lang die verschiedenen nachhaltigen Angebote auf Usedom erkunden. Die Insel an der Ostsee hat es sich zur Aufgabe gemacht, ganzheitlich nachhaltiger zu werden. Das beinhaltet zum einen das Thema Mobilität, wie die Anreise auf die Insel sowie vor Ort, das kulinarische Angebot, das mehr als nur Fisch bietet und unterschiedliche sozial-ökologische Unterkünfte. Natürlich durften auch der Besuch des 2021 eröffneten Baumwipfelpfades und eine Fahrt mit dem Elektroboot über das Achterwasser nicht fehlen. Aber nochmal ganz auf Anfang und zu der Frage: Wie kann eine Insel nachhaltig werden?

Cécile macht Pause am Strand
Vogelbeobachtung

Die Frage der Nachhaltigkeit

Die Frage, wie eine Insel nachhaltig werden kann, hat sich die östlichste Insel Deutschlands auch gestellt. Besser gesagt die Usedom Tourismus GmbH (UTG). Dabei geht es vor allem darum, die beliebte Urlaubsinsel so aufzustellen, dass der Tourismus keine negativen Auswirkungen auf die Landschaft, das Leben der Insulaner:innen, die Biodiversität und das regionale Klima hat. Zeitgleich soll die sogenannte Sonneninsel nicht weniger Besucher:innen aufnehmen, diese jedoch für genau diese wichtigen Zukunftsthemen sensibilisieren. Dabei möchte die UTG Anbieter und touristische Betriebe zu mehr Nachhaltigkeit inspirieren und individuelle Nachhaltigkeitsaktivitäten sichtbar machen.

Gemeinsam ans Ziel kommen

Und wie es so ist, wenn man sich einmal bewusst mit einem Thema – wie hier der Nachhaltigkeit – beschäftigt, wird schnell sichtbar, dass in diesem Bereich schon viel unternommen wird. Besucher:innen müssen nur wissen, wo sich die Anlaufstellen befinden, die es zu erkunden gibt. Beim Entdecken und Nachfragen wird deutlich, dass sich viele Bewohner:innen ambitionierte Klimaziele gesteckt haben und in jedem Bereich umgedacht wird. Aber natürlich sind auch die Gäste der Insel gefragt, sich umweltfreundlich zu verhalten, indem sie beispielsweise einen längeren Aufenthalt einplanen als sich nur für einen kurzen Trip auf den Weg zu machen. Auch die vielleicht für banal empfundene Mitnahme des eigenen Mülls ist ein wichtiger Bestandteil des umweltbewussten Aufenthalts auf der Insel.

Klimaschonende Anreise und (Fort-)Bewegung vor Ort

Um den eigenen ökologischen Fußabdruck bereits bei der An- und Abreise auf beziehungsweise von der Insel möglichst gering zu halten, bietet die Deutsche Bahn eine wunderbare Alternative zum Pkw. Mit dem Stadt-Land-Meer-Ticket sind Reisende zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Berlin oder dem nördlichen Brandenburg flexibel für 29 Euro (Hin- und Rückfahrt kosten 47,50 Euro) unterwegs. Die Fahrt mit dem Regionalexpress dauert ab dem Berliner Hauptbahnhof gut drei Stunden und leitet ein entschleunigtes Reisen ein, da die Bahn an zahlreichen Orten Halt macht und man so einen guten Eindruck von den Ortschaften entlang der Zielgeraden bekommt. In Züssow steigt man dann in die UBB, die Usedomer Bäderbahn, um und fährt weiter bis an sein Urlaubsziel. Wer doch mit dem eigenen Auto anreist, kann Bus und Bahn flexibel vor Ort nutzen, um die Umgebung zu erkunden, beispielsweise mit einem Wochenticket zu den Seebädern im Osten, in den Norden Richtung Peenemünde oder auch ins Achterland.

Mit E-Autos durch Usedom

E-Autos mit über 30 Ladestationen

„Die Weiterfahrer“ ist ein Projekt der Bürgerenergiegenossenschaft Inselwerke, welches das Ziel verfolgt, dass Urlauber:innen auch lange Strecken zurücklegen können, ohne dabei auf ihre Individualmobilität verzichten zu müssen. Bequem beginnt der Start des Carsharing-Angebotes via App am Bahnhof Anklam, der den Beginn der Insel Usedom darstellt. Aktuell stehen zwei E-Fahrzeuge sowie zwei Lastenräder mit kindgerechtem Vorbau und zwei E-Fahrräder zur Verfügung. Das Ladesäulennetz der Insel umfasst mittlerweile 37 Ladepunkte, die häufig von den Inselwerken selbst betrieben werden. Die Inselwerke planen, bauen und betreiben deutschlandweit Ladeinfrastruktur für E-Autos. Darüber hinaus stoßen sie immer wieder neue nachhaltige Projekte an, neben „Die Weiterfahrer“ waren sie dafür verantwortlich, dass die Straßenbeleuchtung im Dorf Stolpe mit LEDs ausgestattet wurde. Viele Hotels und Unterkünfte auf der Insel bieten Ladestationen für E-Pkws an.

Gemütlich auf zwei Rädern

Bequem ist man mit dem UsedomRad unterwegs, mit dem man über die Insel und das angrenzende Festland fahren kann. Es gibt über 100 Verleihstationen, die über die Insel verteilt sind, und zusammen circa 1.000 Leihräder anbieten. Die Fahrräder von UsedomRad können an jeder beliebigen Station wieder abgegeben werden, was beispielsweise den Umstieg von Fahrrad auf Bahn einfach gestaltet. Die sogenannten UsedomRad-PLUS-Stationen bieten verschiedene Serviceangebote wie eine persönliche Beratung mit dem Verleih von Zubehör sowie Kinderrädern an. Dort können auch Elektrofahrräder und Tandem-Räder ausgeliehen werden, Akkus aufgeladen oder ausgetauscht werden. Zudem gibt es weitere Anbieter wie beispielsweise den Fahrrad-Service Kruggel, den Usedom Fahrradverleih sowie das Mietrad Usedom. Einmal auf den zwei Rädern kann man im eigenen Tempo Europas längste Strandpromenade befahren, hier und da einen Halt einlegen und dabei die wohltuende Seeluft genießen.

Die grüne Insel

Als eine der sonnenreichsten Ostseeregionen überhaupt, vereint die Insel Usedom mit ihren langen Sandstränden, mächtigen Steilufern und ausgedehnten Dünenlandschaften sowie Moor- und Sumpfgebieten Fauna und Flora ganz Mecklenburg-Vorpommerns auf knapp 450 Quadratkilometern.

Die Schönheit der Natur

Umso wichtiger gilt es, die zerbrechliche Schönheit der Natur zu bewahren, insbesondere unter dem Einfluss des Tourismus, besonders während der deutschen Ferienzeiten. Besucher:innen der Insel Usedom sind eingeladen, die heimische Artenvielfalt und Pflanzenwelt unter dem Dach des Klaus-Bahlsen-Haus in der Stadt Usedom zu entdecken. Der Naturpark – unter Aufsicht des Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie – hat es sich zur Aufgabe gemacht, Jung wie auch Alt für die Erhaltung der natürlichen Umgebung zu sensibilisieren und weiterzubilden.

In Usedom

Tourismus und Natur können nicht mehr länger getrennt voneinander betrachtet werden, sondern müssen Hand in Hand gehen. Damit die Vielfalt der Naturregionen wie das Achterwasser, z. B. ein unter Ornitholog:innen weltbekanntes Gebiet zur Vogelbeobachtung, oder die ausgedehnten Kiefern- und Buchenwälder, auch in Zukunft Anziehungspunkt für einen nachhaltigen Tourismus bleiben.

Kein Müll ins Meer

Die junge Initiative “Kein MÜLL ins MEER” des Ostseebads Karlshagen im Usedomer Norden setzt sich dafür ein, dass der Strand weiterhin sauber bleibt, indem Müll aktiv aufgesammelt wird und nicht in das Meer gelangen kann. Am Strand von Karlshagen sind entsprechend gekennzeichnete Mülleimer sowie Plastiktüten zu finden, mit welchen der Abfall gesammelt und anschließend entsorgt werden kann. Von dort aus wird der Abfall dann getrennt und entsprechend recycelt. Die Initiative der Touristinformation Karlshagen setzt bei den Bewohner:innen der Insel an, wobei die Ansprache selbstverständlich auch den Gästen gilt. Die Initiative möchte mit der Sammelaktion auch junge Besucher:innen und einheimische Kinder ansprechen, in dem sie verschiedene Aktionen rund um das Thema der aktiven Müllentsorgung sowie des Umweltschutzes anbietet — mit anschließender Urkunde zum „Strandforscher und Müllpirat“.

Müllboxen
 Das ist die Ausbeute eines Spaziergangs am Meer

Bewahrung und Restaurierung

Eine andere Seite der Nachhaltigkeit durfte ich in den Kaiserbädern kennenlernen. Entlang der Küste reihen sich die traditionsreiche Seebäder Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck aneinander, die zahlreiche denkmalgeschützte, mondäne Villen zieren. Die meisten der aus Gründerzeit stammenden Villen wurden aufwendig und detailgetreu restauriert, sodass sie nach wie vor die imposante Bäderarchitektur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wiederspiegeln. Über die Touristinfo in Heringsdorf können Gäste übrigens an kostenfreien Führungen teilnehmen und vor Ort durch ein neues Virtual Reality-Angebot mehr zur Geschichte des Badewesens sowie der Seebäder erfahren und virtuell erleben.

Baudenkmal

Umdenken, um gemeinsam ans Ziel zu kommen

Wenn man bedenkt, dass die Nachhaltigkeit für viele Unternehmen, Verkehrsbetriebe und Hotels eine nachgelagerte Rolle spielt, wird deutlich, wie groß die Bemühungen sind und wie umfassend das Umdenken stattfinden musste und weiterhin muss, um Usedom Gästen auch in Zukunft in voller Pracht anbieten zu können.

Für die UTG und viele Unternehmen und Akteur:innen auf der Insel geht es also darum, die natürlichen aber auch die kulturellen Reichtümer Usedoms zu bewahren, durch viel Pflege und unter Einbezug umweltfreundlicher Alternativen. Das Engagement liegt dabei natürlich bei den Insulaner:innen selbst, die ihre eigenen Philosophien von Nachhaltigkeit umsetzen, wobei es ohne bewusste Urlauber:innen nicht gelingen kann.

In meinen nächsten Artikeln über meine Zeit auf Usedom wird es vor allem um die Themen nachhaltige Unterkünfte, naturnahe Unternehmungen und regionale Kulinarik gehen.

Weg zum Strand von Usedom
Die typischen Strandkörbe

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