Ein Partner erzählt: Ein Gastbeitrag von den Gastgebern der Villa La Rogaia.

Leben in einem Landhaus im Zentrum der „Pandemie“

Damals

„Es war im Jahr 1348, als in der herrlichen Stadt Florenz – unstreitig der schönsten in Italien – die Pest ausbrach, ein Schicksal, das entweder der Einfluß der himmlischen Körper oder vielmehr der gerechte Zorn Gottes unserer boshaften Handlungen und unserer Besserung wegen über die Sterblichen verhängte.“

So beginnt das „Decameron“ des italienischen Dichters Giovanni Boccaccio, geschrieben um das Jahr 1350 zur Zeit der Pest in Florenz.

Zehn junge Adlige flüchten sich in ein Landhaus vor den Toren der Stadt und versuchen sich gegenseitig durch Geschichtenerzählen zu unterhalten. So entstehen an zehn Tagen insgesamt hundert Geschichten, die in der Folgezeit für alle Novellen der abendländischen Literatur zum Vorbild wurden und – zumindest in Italien – zur Pflichtlektüre zählen.

Von dem Kunstwerk ließen sich die Gastgeber der Villa La Rogaia inspirieren

Heute

„Es war im Jahr 2020, als im herrlichen Land Italien – unstreitig einem der schönsten der Welt – das Corona-Virus ausbrach, ein Schicksal, das weder der Einfluß der himmlischen Körper noch der gerechte Zorn Gottes verhängte.“

Drei Frauen halten sich – wie 60 Millionen weitere ihrer MitbürgerInnen – an die Anordung, den Wohnsitz nur für das Nötigste zu verlassen (#iorestoincasa). Wir haben dafür angesichts der schrecklichen Lage in anderen Regionen und Ländern das vollste Verständnis und empfinden Mitleid und Hochachtung vor allen Helfern. Und natürlich sorgen wir uns auch um unsere eigene Zukunft. Aber wir versuchen, uns gegenseitig abzulenken, zum Beispiel durch Geschichtenerzählen.

Zugegebenermaßen sind nur zwei der Anwesenden jung und hübsch wie auf dem Bild von Waterhouse und auch fehlen die galanten Männer. Dafür gibt es als Gesellschaft eine Reihe von Katzen. Der Herr des Hauses weilt nämlich außerhalb der Schutzzone in einem „fernen Land“ nördlich der Alpen und wird wohl nur mit Mühe durch das Sperrgebiet hindurch wieder zu uns zurückkehren können.

Aber keine Sorge, wir alle erfreuen uns bester Gesundheit, die Vorratskammern sind gefüllt und ein zurückgezogenes Leben, zumindest in den Wintermonaten, sind wir alle gewohnt. Wir sind nicht „positiv“, sondern wir wollen nur eine positive Einstellung bewahren und das Beste aus der Lage machen!

Literarische Anspielungen

Schon in den letzten Wochen gab es bei uns so manche ironische bis sarkastische Anspielung auf berühmte Werke der Weltliteratur. Im Radio RAI3 wurde jeden Nachmittag ein Kapitel aus der „Pest“ von Albert Camus gelesen und angeblich war der Roman in Italien ausverkauft, wie in Deutschland „Klopapier und Nudeln“.

Angesichts der Absage des Karnevals von Venedig kam uns natürlich der „Tod in Venedig“ von Thomas Mann in den Sinn, und jetzt leben wir ein bisschen wie im „Zauberberg“, mit dem Unterschied, dass „die hier oben“ gesund und nicht krank sind. Darauf folgte die Erinnerung an „Neapel sehen und sterben“, ein Ausruf Goethes auf seiner italienischen Reise. Und für die Romantiker gab es „Liebe in Zeiten der Coronera“…

Und dann fiel uns das „Decameron“ von Boccaccio ein, in dem es vor allem um das Leben in allen seinen Facetten geht, und das fanden wir dann doch die beste aller literarischen Anregungen. In den nächsten Tagen (und Wochen?) werden wir also immer wieder mal was schicken: Erlebnisse, Schönes aus unserer Heimat Umbrien, und natürlich Rezepte und Bilder.

Wir hoffen, es wird Euch gefallen!

– Aurora, Amira und Annette

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