Von der Urlaubsplanung über das Reiseerlebnis vor Ort bis zum In-Kontakt-Bleiben nach den Ferien – wer nachhaltig reisen möchte, kann entlang der gesamten „Customer Journey“ auf zahlreiche Dinge achten, um einen möglichst umweltverträglichen und sozialverantwortlichen Urlaub zu verbringen. Die Organisation „Tourism Watch bei Brot für die Welt“ hat nun mit ihren „One Planet Guide“ ein interaktives Online-Angebot geschaffen, das ein praktischer Reisebegleiter ist. Dabei zeigt das Tool, dass Rücksicht auf Umwelt und Soziales nicht Komfortverzicht bedeutet, sondern vielmehr eine neue Qualität des Reisens ermöglicht.

Zwischen Greenwashing und echtem nachhaltigen Engagement unterscheiden

Mit ansprechenden Illustrationen, inspirierenden Reisetipps und gut recherchiertem Wissen hilft der „One Planet Guide“, die Auswirkungen des eigenen Reiseverhaltens einzuordnen und sorgt gleichzeitig für den ein oder anderen Aha-Effekt. Er zeigt, wie man Greenwashing von echtem nachhaltigem Unternehmensengagement unterscheidet, gibt Tipps zum Ressourcensparen bei Anreise und vor Ort sowie Orientierung zum Umgang mit fliegenden Händler:innen oder beim Besuch spiritueller Orte. Insgesamt 24 Sharepics und eine intuitive Bedienbarkeit laden dazu ein, die gesammelten Tipps auf Social Media zu teilen. So kannst du das neu erlernte Wissen mit deinen Freund:innen teilen und trägst aktiv dazu bei, das Thema Nachhaltigkeit auf Reisen weiter zu verbreiten.

Antje Monshausen

Neben unseren 10 Tipps zum nachhaltigen Reisen, lassen wir uns immer wieder gerne von der Arbeit anderer Organisationen inspirieren und lernen dabei niemals aus. So sorgte auch der One Planet Guide für neue Impulse. Wir haben Antje Monshausen, Referentin für Tourismus und Entwicklung bei „Tourism Watch“, unsere drei Fragen gestellt.

1.     Was war bzw. ist deine Motivation hinter dem „One Planet Guide“?

Reisen sollte für Gäste und Gastgeber:innen eine tolle Erfahrung sein. Mit dem „One Planet Guide“ wollen wir einen Perspektivwechsel ermöglichen, der zeigt, welche positiven und negativen Auswirkungen unser Reiseverhalten ganz konkret auf Menschen und Umwelt in den Reiseregionen hat. Wir hoffen, dass die Sharepics und Tipps, die man sammeln kann, von vielen geteilt werden, damit immer mehr Menschen Lust bekommen, fair zu reisen.

2.     Was rätst du unseren Leser:innen: Was kann man konkret für eine bessere Zukunft tun?

Eine Reise besteht aus so vielen Schritten – kleinen und großen: Es geht bei der Reisevorbereitung, Buchung und Anreise los. Dann folgen all die Aktivitäten vor Ort – von der Auswahl des Hostels, dem Ausflug an einen bestimmten Ort, der Entscheidung, ob ich mit dem öffentlichen Bus oder einem Leihwagen reise bis zum Austausch mit Strandverkäufer:innen und Kellner:innen. Bei all diesen Schritten haben wir die Chance, einen Beitrag dafür zu leisten, dass es den Menschen vor Ort besser geht, sie nicht zu Statist:innen in unseren Traumreisen werden und wir schonend mit Ressourcen umgehen.

Meine Top 3 vor Ort sind: So wenige Plastikflaschen wie möglich kaufen, ohne Handy und Vergleichsportale den Urlaubsort zu erkunden und mindestens drei Nächte bei privaten Familien in Homestays zu übernachten. Das Schöne ist, dass dadurch auch das Reiseerlebnis für einen selbst besser wird – authentischer und viel intensiver.

3.     Wie passen Reisen und Nachhaltigkeit für dich zusammen?

Das Unterwegssein in einer neuen Umgebung, sei es in einer fremden Stadt oder natürlich in der Natur schärft die Sinne und macht einen empfänglicher für neue Sichtweisen und Erfahrungen. Meiner Meinung nach weckt Reisen damit die Sensibilität für die Umgebung, in der man selbst lebt und damit am Ende auch das eigene Nachhaltigkeitsbewusstsein.

Bei Flugreisen müssen wir aber ehrlich sein: Der Klimafußabdruck ist immens und übersteigt bei weitem das, was jedem Menschen auf der Welt pro Jahr zusteht. Jeder eingesparte Flug ist deshalb wichtig. Innerhalb Europas ist das möglich, bei Reisen nach Afrika, Asien oder Lateinamerika heißt es dann tatsächlich: Weniger ist mehr. Wenn man seltener reist, dafür länger bleiben und intensiver vor Ort eintauchen, ist das kein Verzicht, sondern ein Zugewinn – für mich und die Menschen, denen ich begegne. Eine Fernreise ist ein großes Privileg, das man sich nur alle fünf bis zehn Jahre gönnen sollte.

Hier geht’s zum One Planet Guide