Die Kritik am Alpentourismus ist nichts Neues. Bereits in den 1980er Jahren formierte sich eine erste Widerstandsbewegung gegen den aufkommenden Tourismus in der Alpenregion, der bis heute zu massiven Negativ-Eingriffen in den Naturhaushalt verantwortlich ist. Damals wurden viele Bergorte von dem aufkommenden Bauboom regelrecht überrollt. Alte Bauernhöfe und Einfamilienhäuser mussten Platz machen für große Hotels und Seilbahnen. Auch heute werden immer noch fortlaufend neue Regionen und Gletscher erschlossen, unter denen die empfindlichen, alpinen Ökosysteme sehr leiden. Ursprüngliche Naturlandschaften werden zerstört, damit Straßen, Parkplätze und Seilbahne Einzug erhalten können.

Bergsteigerdörfer haben dem Massentourismus abgeschworen

In den sogenannten „Bergsteigerdörfern“ positioniert man sich ganz bewusst gegen diese Form des Tourismus. Die Initiative vereint alpine Regionen, die ihre einzigartige Naturlandschaft als Kulturgut und Naturschatz wertschätzen und nutzen. Hier ist das Bewusstsein für ein harmonisches Leben in Einklang zwischen Menschen und Natur noch allgegenwärtig und die natürlichen Grenzen werden respektiert.

Lungiarue Viles / Foto: Hans Pescoller
Mallnitz Schusterkeusche Ankogel / Foto: Peter-Angermann

Nähe ohne Respektlosigkeit

Meist abseits großer Zentren oder versteckt in einem Talschluss gelegen, gelten viele der insgesamt 35 Bergsteigerdörfer unter Alpinist:innen noch als wahre Geheimtipps. Als Gast darf man sich also vor allem auf ursprüngliche Bergorte freuen, die zum Genießen und Verweilen einladen.

Über die Westalpen bis hin zum Mittelmeer

Die Initiative, die ihren Ursprung im Österreichischen Alpenverein hat, ist ein echtes Erfolgsprojekt. Mittlerweile finden sich die einzigartigen Dörfer in fünf verschiedenen Ländern, darunter Deutschland, Österreich, Slowenien, Italien und neu dabei: der Schweiz. Dank einer neuen Kooperation mit dem SAC, dem Schweizerischen Pendant zum Österreichischen Alpenverein, sind 2021 erstmalig auch zwei Schweizer Dörfer hinzugekommen, darunter Lavin, Guarda und Ardez im Unterengadin sowie St. Antönien im Rätikon.

Ginzling Futschaglhaus Hochfeiler; Hochgebirgs Naturpark Zillertaler / Foto: Andreas Kitschmer
Gschnitztaler Hüttentour © TVB-Wipptal

Die Devise lautet „Weniger, dafür besser“

Dabei erfolgt die Auswahl der Bergsteigerdörfer nicht zufällig. Vielmehr müssen die Dörfer neben landschaftlichen Reizen und alpinistisch interessanten Gebieten auch eine intakte und weitgehend unverbaute Kultur- und Naturlandschaft vorweisen können. Außerdem ist es wichtig, dass sich die lokale Bevölkerung ebenfalls für eine nachhaltige und naturverträgliche Entwicklung des Dorfes begeistern kann und aktiv dafür einsetzt.

Schließlich ist es auch zu guter Letzt das verantwortungsvolle Verhalten der Reisenden, die zum Erfolg der Initiative beiträgt. Indem man sich bewusst für den Besuch eines Bergsteigerdorfes entscheidet, kann man das nennenswerte Bestreben der Organisation ganz konkret unterstützen und fördern. Dafür erhält man im Gegenzug ein naturnahes Reiseerlebnis der besonderen Art, welches man nicht so schnell vergessen wird.

Wanderung zur Mödlinger Hütte / Foto: Barbara Reitler
Blick über die Gemeinde Kreuth / Foto: Gemeinde Kreuth
Lesachtal / Foto: Ulrich-Kirchmayr

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Foto Opener: Biosphärenpark Großes Walsertal