Neue Regeln für Crowdworking

„Arbeit 4.0 braucht auch einen Sozialstaat 4.0“

Auf sogenannten Crowdworking-Plattformen bieten Firmen übers Internet Mikrojobs an. Dafür wird oft nicht mal der Mindestlohn gezahlt. Nun haben Plattformbetreiber klare Regeln festgelegt. Vor einigen Jahren hatte die Designerin Ramona Herrmann eine Auftragsflaute. Um ihr Einkommen aufzustocken, suchte die Selbstständige im Internet nach Aufträgen – und landete bei der Crowdworking-Plattform Jovoto. Dort schreiben Unternehmen Projekte aus, für die sich Designer, Künstler und Marketing-Experten mit ihren Ideen bewerben können. Für die besten Ideen gibt es von den Firmen ein Honorar. Über die Website hat Herrmann schon Aufträge von großen Unternehmen bekommen, zum Beispiel von Greenpeace, der Deutschen Bank und dem Schweizer Messerhersteller Victorinox. „Das sind Kunden, die ich mit meiner kleinen Agentur nie bekommen würde“, sagt die 44-Jährige. Über die Plattform aber sammelt sie wichtige Referenzen und verdient sich etwas Geld dazu. Grafik- und Webdesigns erstellen, Texte übersetzen, Software testen, Marketing-Konzepte entwickeln oder Preise im Supermarkt abfotografieren – das sind typische Aufgaben, die über Online-Plattformen wie Jovoto vergeben werden. Die Idee: Unternehmen zerlegen Arbeiten in kleinere Projekte, die im Prinzip jeder mit einem Internetanschluss und einem Computer …

Sabbatical

Auszeit

Ein Jahr bezahlter Urlaub? – So planst du dein Sabbatical

Auch wenn dir dein Job Spaß macht, ist es nicht ein schöner Gedanke, ein ganzes Jahr lang nur zu tun, worauf du Lust hast? Das geht – mit einem Sabbatical! Was das Arbeitsmodell alles kann und wie auch du in den Genuss eines Sabbatjahrs kommen kannst, erfährst du hier. Zeit für eine Auszeit! Das Sabbatical ist ein Arbeitszeitmodell, das dir eine berufliche Auszeit ermöglicht. Es dauert üblicherweise zwischen drei und zwölf Monate, doch auch eine längere Sabbatphase ist nach Absprache mit deinem Unternehmen möglich. Während dieser Zeit bist du im Normalfall weiter bei deinem Arbeitgeber beschäftigt und bekommst einen Teil deines Gehalts. Ursprünglich wurde das Konzept für Professor*innen und wissenschaftliche Mitarbeiter*innen ins Leben gerufen, um ihnen Zeit für ihre Forschungen außerhalb des Universitätsbetriebs zu ermöglichen. Mittlerweile ist das Konzept auch im öffentlichen Dienst angekommen. Lehrer, Beamte und andere Tarifbeschäftigte genießen sogar einen Anspruch auf ein Sabbatjahr – Tarifvertrag sei Dank. Aber auch immer mehr Arbeitgeber*innen der freien Wirtschaft sind offen für das Arbeitszeitmodell. Gammeln, Weltreise oder Fortbildung? Ein Sabbatjahr macht man in der Regel nur …

Kommunikation

New Work

Nachhaltigkeit braucht kluge Kommunikation

„Nachhaltigkeit“ und „New Work“ in einem Satz? Da explodiert das Bullshit-Bingo der Trendbegriffe. Kommt dann noch „Kommunikation“ dazu, sind wir kurz vor der Keyword-Kernschmelze. Dabei gibt es gute Gründe, alle drei Termini tatsächlich in einem Satz zu nennen, und noch viel mehr gute Gründe, über ihr Zusammenspiel und Verhältnis zueinander nachzudenken. Bullshit-Bingo-Dichte hin oder her. Kommunikation ist ein Grundbedürfnis Grund Nummer eins: Nachhaltigkeit ist mit Blick auf unsere natürlichen Ressourcen das zentrale Thema. Sollen möglichst viele Menschen langfristig auf diesem Planeten (über)leben können, gibt es gar keinen Grund, sich nicht mit Nachhaltigkeit befassen zu wollen. 
Zweitens: Die Digitalisierung hat die Art, wie wir Privates und Öffentliches denken, wie wir zusammen leben und arbeiten, gründlich verändert – zusammengefasst oft in dem unscheinbar daherkommenden Begriff New Work. 
Darüber hinaus – und somit Grund Nummer drei – ist Kommunikation, völlig egal wie und wo, essenziell für uns Menschen, als Teil der sozialen Beziehungen stellt sie ein Grundbedürfnis dar. Spätestens dank des Kommunikationswissenschafts-Klassikers von Paul Watzlawick wissen wir, dass wir „nicht nicht kommunizieren“ können, was jeder tagtäglich in einfachsten …

Leadership

Was achtsame (Selbst-) Führung mit einem zufriedenen Team zu tun hat

Führungsansätze werden oft als Instrument für die zwischenmenschliche Kommunikation, Management und Organisation von Mitarbeiter*innen verstanden. Gute Führung bedeutet jedoch vor allem Selbstführung. Was ist Selbstführung und wie wirkt sich diese auf die Stimmung im Team aus? Arbeitsanforderungen an die Führungskraft Selbstführung und persönliches Wohlbefinden sind eng mit dem Wohlergehen der Organisation verbunden. Unsere digitale Geschäftswelt ist gekennzeichnet von den sogenannten „VUCA“ Faktoren – volatile, uncertain, complex und ambiguous. Unsere Arbeit ist also geprägt von Unbeständigkeit, Unbestimmtheit, Komplexität und Ambivalenz. Aus diesen Faktoren ergeben sich bestimme Arbeitsanforderungen. Mentale und emotionale Anforderungen korrelieren mit der Arbeitsbelastung der Führungskraft. Zusammen mit den zwischenmenschlichen und Rollenkonflikten sind diese die einflussreichsten Arbeitsanforderungen. Die Stimmung im Team ist dabei eine der wichtigsten Ressourcen. Der Führungsstil bestimmt die Teamdynamik Jeder 6. Mitarbeiter in Deutschland zeigt innere Resignation aufgrund von fehlendem Interesse der Führungskraft, aufgrund wenig individueller Betreuung, fehlendem und wenig konstruktivem Feedback. Die Qualität und „Gesundheit“ der Führung kann nur vollkommen beurteilt werden, wenn auch das Team und die Leistung der Organisation berücksichtigt werden. Um Jobzufriedenheit, Erfüllung, Wohlbefinden und bewusste Entscheidungsprozesse zu fördern, …

Flexible Arbeit

Papa, leg’ das Handy weg!

Julia Oertel wollte den Gründern und Kreativen im Hamburger Coworking-Space Betahaus eine flexible Kinderbetreuung anbieten. Ihr Projekt hat sie schnell mangels Interesse eingestellt. Und daraus gelernt: Auch die neue Arbeitswelt braucht feste Regeln Eigentlich fand Julia Oertel, 33, ihre Idee ziemlich gut. Neben flexiblen Arbeitsplätzen, schnellem WLAN und trendigen Limonaden wollte sie im Betahaus eine eigene Kita-Gruppe für die Kinder ihrer kreativen Mieter gründen. Zwei Tagesmütter sollten in der Hebammenpraxis nebenan eine feste Runde von Kleinkindern betreuen, Babysitter sich zusätzlich um spontane Gäste kümmern – so der Plan. „Wir wollten vor allem Eltern ansprechen, für die normale Kita-Öffnungszeiten nicht ausreichen oder die während stressiger Projektphasen zusätzliche Betreuung brauchen“, sagt Oertel, die selbst Mutter eines kleinen Sohnes ist. An Vorbildern für ihre Idee mangelt es nicht; in Leipzig, Hannover oder Berlin funktioniert die Verbindung zwischen Coworking-Space und Kinderbetreuung gut. Auch viele große Unternehmen setzen auf Betriebskindergärten mit flexiblen Öffnungszeiten. Die räumliche Nähe von Schreibtisch und Kitagruppe spart Fahrwege und gibt den Eltern das Gefühl, zumindest in der Nähe ihrer Sprößlinge zu sein. Flexibles Arbeiten stört das …

New Work

Bedingungsloses Praktikum: weniger Sorgen, mehr Wertschätzung

Die Initiative „Mein Grundeinkommen“ hat ein Experiment gestartet, bei dem Praktikanten tun, was und wie viel sie wollen. Dafür bekommen sie monatlich 1000 Euro. Warum sie trotzdem arbeiten und motiviert sind Die Praktikumszeit gilt als finanziell schwierig: Das können viele Praktikanten bestätigen, die prekär oder gar nicht bezahlt werden. Immer noch können Unternehmen auf die Auszahlung des Mindestlohns verzichten, wenn das Praktikum im Studium vorgeschrieben ist. Bei der Initiative „Mein Grundeinkommen“ dagegen endet nun schon zum zweiten Mal ein Experiment, bei dem die eigenen Praktikanten 1000 Euro im Monat erhalten – ohne irgendwelche Bedingungen erfüllen zu müssen. Das klingt zunächst nach einem Traumpraktikum. Aber wie wirken sich die fehlenden Verpflichtungen auf die Teilnehmer aus? Und führt es nicht dazu, dass die Praktikanten dann gar keine Aufgaben mehr übernehmen? Wertschätzung motiviert mehr als Leistungsdruck Das Projekt „Mein Grundeinkommen“ verlost seit 2014 einjährige, crowdfundingfinanzierte Grundeinkommen in Höhe von 12 000 Euro. Damit nimmt es den Gewinnern nicht nur für ein Jahr den Druck der Geldsorgen, sondern gibt ihnen auch die Möglichkeit, grundlegende Bedürfnisse und wichtige Projekte besser zu verwirklichen. …