Probewohnen in Görlitz – und dann bleiben

Görlitz schrumpft, die Jüngeren ziehen oft weg. Mit gratis Wohnen auf Probe stemmt sich die sächsische Grenzstadt dagegen. Eine polnische Kunsthistorikerin und ihre Familie hat das überzeugt. Grau und feucht klebt der Ton auf dem Leintuch. Marcelina Król-Kadłucka blickt konzentriert auf ihre Arbeitsplatte. Sie trägt die Haare hochgebunden, lockere schwarze Latzhose, darauf helle Tonflecken. Mit kräftigen Schüben rollt sie ein Nudelholz über die Masse bis diese rund und gleichmäßig flach ist. Sie formt eine Schüssel daraus, schneidet die Ränder zu. Zweimal gebrannt und dazwischen glasiert wird daraus handgefertigte Keramik. Die 37-Jährige steht in ihrem Atelier, dem studio m., etwa einen Kilometer südlich der Görlitzer Altstadt, ringsherum restaurierte Gründerzeit-Häuser und ein paar vernachlässigte Gebäude, die leer stehen. Görlitz liegt rund hundert Kilometer östlich von Dresden, direkt an der polnischen Grenze, in der sächsischen Lausitz. Viele Orte kämpfen hier damit, dass gerade junge Menschen wegziehen. Laut einer repräsentativen Befragung, dem Lausitz-Monitor, plant fast jede:r Zweite zwischen 18 und 29, innerhalb der nächsten zwei Jahre die Region zu verlassen. In Görlitz leben, Stand 2019, knapp 56.000 Menschen, 1991 …

Der Schatz der Frauen

Die Arbeit in Edelsteinbergwerken ist seit der Kolonialzeit in Simbabwe schwer, dreckig und elend. Anders in einer Mine im Norden des Landes. Hier schürfen nur Frauen – nachhaltig, ordentlich bezahlt und mit der Aussicht auf bessere Bildung. Als Rumbidzai Gwinji die Zimbaqua-Mine zum ersten Mal besucht, weiß sie sofort: „Ich will Teil davon sein.“ Sie sieht, wie Dutzende Frauen in einer Grube nach Aquamarinen schürfen. Andere kümmern sich um die Beete im anliegenden Garten. Eigentlich war Gwinji in den ländlichen Norden Simbabwes gereist, um die Arbeiterinnen der Mine zu schulen. Sicherheit und Nachhaltigkeit im Bergbau stehen auf dem Lehrplan. „Aber dann war ich diejenige, die in diesen Tagen in der Mine am meisten gelernt hat“, sagt Gwinji heute: über Zusammenhalt und den Wert von Unabhängigkeit als Frau und Mutter. Kurzerhand bewirbt sie sich um eine feste Stelle als Koordinatorin bei Zimbaqua. Sie bekommt sie. Seither zählt Gwinji zum Team der ersten Mine Afrikas, in der ausschließlich Frauen arbeiten. Rumbidzai Gwinji, die Koordinatorin der Zimbaqua-Mine im Norden Simbabwes, „wollte sofort Teil davon sein“ Bild: Iver Rosenkrantz / …

Neue Regeln für Crowdworking

„Arbeit 4.0 braucht auch einen Sozialstaat 4.0“

Auf sogenannten Crowdworking-Plattformen bieten Firmen übers Internet Mikrojobs an. Dafür wird oft nicht mal der Mindestlohn gezahlt. Nun haben Plattformbetreiber klare Regeln festgelegt. Vor einigen Jahren hatte die Designerin Ramona Herrmann eine Auftragsflaute. Um ihr Einkommen aufzustocken, suchte die Selbstständige im Internet nach Aufträgen – und landete bei der Crowdworking-Plattform Jovoto. Dort schreiben Unternehmen Projekte aus, für die sich Designer, Künstler und Marketing-Experten mit ihren Ideen bewerben können. Für die besten Ideen gibt es von den Firmen ein Honorar. Über die Website hat Herrmann schon Aufträge von großen Unternehmen bekommen, zum Beispiel von Greenpeace, der Deutschen Bank und dem Schweizer Messerhersteller Victorinox. „Das sind Kunden, die ich mit meiner kleinen Agentur nie bekommen würde“, sagt die 44-Jährige. Über die Plattform aber sammelt sie wichtige Referenzen und verdient sich etwas Geld dazu. Grafik- und Webdesigns erstellen, Texte übersetzen, Software testen, Marketing-Konzepte entwickeln oder Preise im Supermarkt abfotografieren – das sind typische Aufgaben, die über Online-Plattformen wie Jovoto vergeben werden. Die Idee: Unternehmen zerlegen Arbeiten in kleinere Projekte, die im Prinzip jeder mit einem Internetanschluss und einem Computer …