Eine Reise durch mein Wohnzimmer

In Corona-Zeiten wird Reisen zum Traum. Na und? Ein Selbstversuch in der eigenen Wohnung Wie groß und luftig mein Wohnzimmer von hier oben wirkt. Eine leere Weite, im Unterschied zu unten, wo Pflanzen, Deko und Möbel kuscheln. Unter ihnen das alte Küchenbüfett, auf dem ich gerade stehe, um einen radikalen Perspektivwechsel auf mein Reich und die Dinge darin hinzubekommen. Der Aufstieg hat sich gelohnt. So dicht unter der Zimmerdecke ist nichts, außer den bunten chinesischen Weihnachtskugeln, die ich vom Boden aus gar nicht mehr wahrgenommen habe. Wie viele Jahre hängen die schon dort über dem Regal mit den Wörterbüchern und der Grammatik aus dem Studium? Warum hebe ich letztere noch auf? Reine Nostalgie?  Viele Dinge in unseren Wohnungen erzählen Geschichten. Von Reisen, von unserer Vergangenheit oder von Fremden, die die Gegenstände hergestellt haben. Vor drei Monaten hatte ich online einen Sessel bestellt. Vorgestern wurde er geliefert. Ob die chinesischen Arbeiter, die ihn gebaut haben, wegen des Coronavirus’ wochenlang in ihren Wohnungen festsaßen wie wir jetzt? Leben sie überhaupt noch? Wie sieht ihr Alltag aus? Im …

Ein nachdenklicher Abschied

Das Coronavirus legt den Alltag lahm. Langsam kehren wir zu etwas mehr Normalität zurück – doch normal ist alles noch lange nicht. Unser „Igel-Experte“ der enorm Kolumne Einigeln verabschiedet sich daher mit ein paar nachdenklichen Worten. enorm Kolumne Einigeln, Teil 15: Ein nachdenklicher Abschied Hey, ihr da draußen, ich verabschiede mich. Da draußen ist ja ganz passend, weil man (gefühlt) wieder mehr darf, auch im Freien. Und doch traue ich der ganzen Sache nicht so richtig. Ist man in Städten dieser Tage unterwegs, hat man das Gefühl, als wäre alles ganz normal, so wie immer – fast. Gut, die Sache mit den Masken. Aber, die sind so vielseitig und bunt, könnte somit auch als neuer Mode-Trend durchgehen, den alle Generationen gerade tierisch toll finden. Ok war jetzt ein bisschen zynisch. Doch der Gedanke ist gar nicht so abwegig, wenn man sich nach Normalität sehnt, oder? Nur ist genau das, die Normalität, die sichere Rückkehr zum alten Rhythmus eigentlich noch nicht möglich. Es gibt noch keinen Impfstoff, keine optimale Medikation, keine perfekte Therapie. Wir wissen trotz …

Eine Keller-Werkstatt bauen

Das Coronavirus legt den Alltag lahm. Um uns und andere zu schützen, dürfen wir kaum noch raus. Wie man dabei trotzdem fröhlich bleibt, erklärt dienstags und donnerstags unser „Igel-Experte“ in der enorm Kolumne Einigeln. enorm Kolumne Einigeln, Teil 14: Eine Keller-Werkstatt bauen Mein Igel-Bau ist eine beschauliche, aber leider auch platzbeschränkte 1,5 Zimmer Wohnung im Hinterhaus eines Berliner Altbaus. Zu meinem Glück darf ich auch noch die kleine Kellerkammer Nr. 21 im Vorderhaus dazu zählen. Viele Stadt-Igel besitzen ein solches Kabuff in ihrem Mietshaus, die meisten von uns pflegen jedoch eine eher ambivalente Beziehung zu ihrem Keller. Der rote Zettel an der Tür zu meinem warnt mich schon beim Betreten vor ausgelegtem Rattengift, was nicht unbedingt meine Vorfreude auf das leicht modrig riechende, spinnenbewebte Gemäuer im schummrigen Licht weckt. Auf der anderen Seite liebe ich dieses kleine, dunkle Kämmerlein dafür, dass es all meinen ausrangierten Krempel frisst. All diese Dinge, die zum wegschmeißen zu schade sind, aber in der frisch geschniegelten Wohnung keinen Platz mehr finden – erstmal in den Keller damit. Vielleicht brauche ich …

Nachhaltige Modebranche kämpft vereint ums Überleben

Corona stürzt die nachhaltige Modebranche in eine schwere Krise – jetzt heißt es mehr denn je: zusammenhalten. Mitte Januar konnte es jeder spüren: Green Fashion hat es aus ihrer Nische herausgeschafft. Nie waren so viele konventionelle Modehändler und -einkäufer auf der Neonyt, der Fachmesse für nachhaltige Mode in Berlin. Nicht mehr nur um zu schauen, was die „Ökos“ so treiben. Sondern auch um Gespräche zu führen, Ware zu ordern. „Die Stimmung war unglaublich“, so Show Director Thimo Schwenzfeier. „Alle haben sich auf die Sommersaison gefreut.“ Corona war da noch weit, weit weg. Heute, drei Monate später, sitzt Schwenzfeier in seinem Büro und plant die zweite Neonyt für 2020, „auch wenn wir natürlich nicht wissen, ob sie wie geplant Ende Juni starten wird, wie viele Labels wirklich dabei sein werden“. Wer kann sich nach der Krise einen Stand leisten? Wer rutscht in die Insolvenz? Wer ist schon weg? Manch kleines Label aus Spanien hat er schon seit Tagen nicht mehr erreicht. Nachhaltige Modebranche: Keine großen Rücklagen Corona ist für die nachhaltige Modebranche ein herber Schlag: nach …

Online-Training für die Psyche

Wenn die Stimmung sinkt und Schokolade nicht mehr hilft, nun, dann tut es vielleicht ein Online-Training für die Psyche. Gibt’s kostenfrei von der Krankenkasse. Ein Versuch. Manchmal hilft selbst der Griff zur Schokolade nicht mehr. Dann ist es da, das Stimmungstief. Schwere, graue Wolken vernebeln die Weltsicht und verhindern klare, positive Gedanken. Meine Seele hat leider manchmal eine Erkältung – unangenehm, aber es geht vorüber, das weiß ich mittlerweile. Dennoch interessiere ich mich für „Coping“-Strategien, wie die Bewältigung von Krisen jeglicher Art im psychologischen Jargon heißt. Das ist wie Sporttraining fürs Gemüt, auch wenn meine Disziplin manchmal zu wünschen übrig lässt. Ein Online-Programm des Get.On-Instituts, das meine Krankenkasse kostenfrei zur Verfügung stellt, soll mich nun gegen künftige Stimmungstiefs wappnen. Computer an und los – so einfach? Auch auf enorm: Mit Angst und Stress besser umgehen Das Versprechen des Programms: Es helfe mit praxisorientierten Übungen negative Denkspiralen zu durchbrechen, wenn der Stress überhandnehme. Es gelte, wieder schöne Routinen im Alltag einzubauen. Als ich mich anmelde, kündigen sich in Form der beginnenden Corona-Krise Stimmungstiefs ganz anderer Dimension …

Mit den Augen lächeln

Das Coronavirus legt den Alltag lahm. Um uns und andere zu schützen, dürfen wir kaum noch raus. Wie man dabei trotzdem fröhlich bleibt, erklärt dienstags und donnerstags unser „Igel-Experte“ in der enorm Kolumne Einigeln. enorm Kolumne Einigeln, Teil 13: Mit den Augen lächeln „Das Ohr ist stumm, der Mund ist taub; aber das Auge vernimmt und spricht. In ihm spiegelt sich von außen die Welt, von innen der Mensch.“, schrieb Goethe. Und auch die Wissenschaft gibt ihm Recht: Der größte Teil menschlicher Kommunikation findet nicht durch unsere Worte statt, sondern durch die sogenannte nonverbale Kommunikation: Das können Körperhaltung und Gesten sein, vor allem aber auch der Ausdruck in Gesicht und Augen. In Zeiten der Corona-Pandemie sind wir alle plötzlich gezwungen, der nonverbalen Kommunikation besondere Aufmerksamkeit zu schenken: Es herrscht Maskenpflicht, wenn wir in Supermärkte und Läden gehen. Als ich diese Woche das erste Mal vermummt an der Kasse stand, kam ich mir etwas verloren vor. Der Supermarkt war auf einmal zu einer Versammlung voller anonymer Gestalten ohne Alter und Persönlichkeit geworden. Es hatte etwas Bedrückendes …

GOOD NEWS

Vilnius verwandelt Altstadt in riesiges „Café“, Skateboard-Reifen und Uhrenarmbänder aus alten Matratzen

Vilnius verwandelt seine Innenstadt in ein riesiges „Café“, damit Menschen den notwendigen Sicherheitsabstand im öffentlichen Raum einhalten können; Forscher haben eine effektive Recycling-Methode für Polyurethan entwickelt; und ein Münchener Start-up erstellt hochauflösende Aufnahmen der urbanen Luftqualität: Das sind die Good News des Tages.

„Die Pest war eher ein Gleichmacher“

Der Medizinhistoriker und Arzt Professor Michael Stolberg ist ein Experte für die Geschichte der Seuchen. Im Interview spricht er darüber, warum Corona eine vergleichsweise harmlose Epidemie darstellt und warum die Menschen auch schon in Zeiten der Pest auf Balkonen musizierten. Herr Professor Stolberg, das Wort Seuche hört man in der Diskussion um Corona fast nie. Was ist der Unterschied zwischen einer Seuche und einer Epidemie? Der Begriff der „Seuche“ wird von Historikern noch häufig gebraucht. Er kommt von dem alten Wort siech, für krank. In der Umgangssprache ist das Wort „Seuche“ aber negativ konnotiert. „Epidemie“ klingt sauberer, unkörperlicher, unaufgeregter. „Seuche“ ist zudem der breitere Begriff. Epidemien kommen in Wellen, in Form von oft wiederkehrenden Seuchenausbrüchen. Eine Seuche kann dagegen die Bevölkerung auch dauerhaft befallen. Die Tuberkulose ist ein Beispiel. Gab es in der Vergangenheit vergleichbare Pandemien in der Dimension von Corona?  Auf jeden Fall. Schon die Pest war ein internationales Phänomen. Schon im 14. Jahrhundert wütete sie in zahlreichen Ländern. Die Cholera, die im 19. Jahrhundert von Asien kommend in immer neuen Wellen durch Europa …

Falafel und Tahin selber machen

Das Coronavirus legt den Alltag lahm. Um uns und andere zu schützen, dürfen wir kaum noch raus. Wie man dabei trotzdem fröhlich bleibt, erklärt dienstags und donnerstags unser „Igel-Experte“ in der enorm Kolumne Einigeln. enorm Kolumne Einigeln, Teil 11: Kochen ist in der Krise meine Lieblingsbeschäftigung. Wenn ich verschiedene Gewürze und Zutaten mische, dann entspannen mich die wunderbaren Aromen und das Kneten und Rühren mit den Händen. Nur Nudeln kann ich nicht mehr sehen! Deshalb mache ich heute selber Falafelteig und dazu Tahin, eine cremige Sesampaste. Diese orientalischen Köstlichkeiten sind nicht nur vegan und sehr gesund, sondern auch sehr schnell gezaubert! Fangen wir an mit dem Falafelteig, dafür benötigst du: 400-500 Gramm getrocknete Kichererbsen (die muss man über Nacht einweichen, bevor man sie verarbeiten kann, sie schmecken dann aber auch besser. Wenn es schnell gehen muss, nimm gekochte Kichererbsen aus der Dose) 1 kleine Zwiebel 3 Knoblauchzehen nach Belieben passen folgende Gewürze gut: Kreuzkümmel, Petersilie, Koriander und Chilli, in jedem Fall Salz eine Prise Backpulver Pflanzenöl Gieße das Wasser der aufgeweichten Kichererbsen ab und zerkleinere …

Wieder Kind sein

Das Coronavirus legt den Alltag lahm. Um uns und andere zu schützen, dürfen wir kaum noch raus. Wie man dabei trotzdem fröhlich bleibt, erklärt dienstags und donnerstags unser „Igel-Experte“ in der enorm Kolumne Einigeln. enorm Kolumne Einigeln, Teil 10: Diese seltsame Zeit erinnert mich manchmal stark an meine Kindheit: Wenn ich nach der Schule nach Hause kam, telefonierte ich oft stundenlang mit meinen Freund*innen und verbrachte den Rest des Abends mit stundenlangem Lesen von Fantasy-Romanen. Wer in Zeiten vor der Coronakrise als groß gewordener Igel seine Freizeit so gestaltete, der galt als unreifer, fauler Stubenhocker. Jetzt aber wird der Eskapismus in Fantasy- und Science-Fiction-Universen von allen Seiten empfohlen und praktiziert: Viele in meinem Freundeskreis graben gerade die Harry-Potter-Reihe wieder aus: Entweder lesen sie die sieben Romane hintereinander weg oder sie verabreden sich zu einem gemeinsamen Online-Binge-Watching der Verfilmungen. Es kann so gut tun, für einige Stunden loszulassen, und wieder in die fiktiven Welten seiner Kindheit einzutauchen – seien es die wandernden Treppen von Hogwarts oder die schwedischen Bauernhöfe Bullerbüs von Astrid Lindgren. Kolumne Einigeln: Jede …

Warum die Regierung gerade Sozialunternehmen helfen muss

Social Entrepreneurs wollen mit innovativen Ansätzen unsere Zukunft lebenswerter gestalten. Wie wir sie in der Coronakrise stärken können, schreiben Laura Haverkamp, Geschäftsführerin von Ashoka Deutschland, und Ashoka-Partner Odin Mühlenbein. Es ist schwer, Schritt zu halten in diesen Tagen, und wir sagen das durchaus anerkennend. Neue Regeln des Zusammenlebens, Rettungspakete, Soforthilfe. Die politische Botschaft: Wir retten. Wir stützen. Wir schaffen das. Wir arbeiten mit Gründerinnen und Gründern, die mit neuen Ansätzen an gesellschaftlichen Herausforderungen arbeiten – wir nennen sie Social Entrepreneurs, zu Deutsch: Sozialunternehmer*innen. Sozialunternehmer*innen sind wie eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung für unser Miteinander. Sie erproben Neues und das oft in widrigen Umständen. Sie inspirieren und zeigen uns, wie unsere Gesellschaft in Zukunft aussehen kann. Das dürfen wir nicht aufs Spiel setzen. Doch genau das riskieren wir zurzeit – denn die diversen Rettungspakete, die von Bund und Ländern auf den Weg gebracht werden, drohen für viele soziale Unternehmen nicht zu gelten. Gehen sie leer aus, gehen sie insolvent. Ashoka Ashoka ist ein weltweites Netzwerk für gesellschaftliche Gestalter*innen, die mit unternehmerischer Haltung und innovativen Ansätzen soziale Probleme …

Online-Yoga für alle

Das Coronavirus legt den Alltag lahm. Um uns und andere zu schützen, dürfen wir kaum noch raus. Wie man dabei trotzdem fröhlich bleibt, erklärt unser „Igel-Experte“ in der enorm Kolumne Einigeln. Diesmal: Online-Yoga für alle. enorm Kolumne Einigeln, Teil 9: Ich bin kein Yogi. Beim Bücken tut mir alles weh, und wenn ich „Om“ rufe, klingt es dünn. Und ehrlicherweise liege ich auch viel lieber herum. Aber neulich erklärte mir meine Nachbarin, dass ich dabei Yoga machen kann, und zwar heißt die Übung „Shavasana“, die Ruhestellung, die man ganz am Schluss einer Yogasession macht. Soweit ich erinnere, geht das so: Ihr legt Euch auf den Rücken. Schließt die Augen. Arme und Beine liegen im 45 Grad Winkel vom Körper weg. Das Wichtige ist nun, nach und nach alle Anspannung aus dem Körper weichen zu lassen. Die meisten fangen an den Zehen an und lassen mit jedem Atemzug einen Teil des Körpers entspannen. Online-Yoga: Immunsystem stärken, Geist entspannen So bin ich auf den Geschmack gekommen und mache nun einmal die Woche Online-Yoga, denn es stärkt mein …

Ostereier selbst färben

Das Coronavirus legt den Alltag lahm. Um uns und andere zu schützen, dürfen wir kaum noch raus. Wie man dabei trotzdem fröhlich bleibt, erklärt unser „Igel-Experte“ in der enorm Kolumne Einigeln. Heute in einer Sonder-Ausgabe zu Ostern. enorm Kolumne Einigeln, Teil 8: Ich liebe Ostern! Am allermeisten mag ich es, wenn ich ein buntes Osterei in meinen Pfoten halte. Das fühlt sich so schön glatt und geschmeidig an. Wenn ich mir ab und zu Eier kaufe, dann natürlich Bio und am liebsten regional. Davon habe ich auch noch ein paar im Kühlschrank. Leider sind die noch langweilig weiß. Aber ich habe ja auch noch Rote Beete. Und gerade hat mir eine Freundin ein Foto geschickt. Sie hat nämlich mit Roter Beete selbst Ostereier gefärbt, in einem feinen Rosarot. Das will ich auch ausprobieren! Ich nehme dafür nur die Schalen, die Rote Beete selbst gibt es anschließend zum Abendbrot. Ostereier mit Roter Beete färben Ich erhitze rund 600 ml Wasser in einem kleinen Topf und lasse darin die Schale von zwei großen Knollen Rote Beete (ungefähr …