Warum die Agave das bessere Zuckerrohr ist

Brasilianisches Bioethanol aus Zuckerrohr-Abfällen gilt als Hoffnungsträger für nachhaltigen Treibstoff. Doch für den Anbau wird Regenwald gerodet, Menschen werden ausgebeutet. Ist die Tequila-Agave eine Alternative? Die Zukunft des Autos ist süß. Zumindest, wenn es nach VW-Markenchef Ralf Brandstätter geht, der im Juli 2021 verkündete, in Brasilien wolle Volkswagen mehr und mehr „grünen“ Treibstoff aus Bagasse beziehen: So nennt man die gemahlenen Überreste, die in der Zuckerproduktion nach dem Auspressen von Zuckerrohr zurückbleiben. Lässt man die Bagasse fermentieren, kann man daraus Bioethanol destillieren. Brasilien ist der größte Zuckerhersteller der Welt und nach den USA der zweitgrößte Produzent von Bioethanol. Zwischen 2007 und 2019 stieg die Produktion von 18 Milliarden Liter auf 34 Milliarden Liter, bis 2030 sollen es 54 Milliarden werden. Mittlerweile macht Zuckerrohr-Ethanol laut Daten des brasilianischen Energieministeriums fast 20 Prozent des brasilianischen Energiemixes aus und wird in großem Stil Benzin beigemischt. Aber das Geschäft ist mehr als schmutzig. Oft kriminelle Großlandbesitzer:innen kontrollieren in Brasilien den Zuckermarkt, sie roden gewaltige Flächen für den Anbau und vertreiben dabei Klein-Bäuer:innen und Indigene. Wurde im Jahr 2000 allein …

Kohle fürs Klima

Pflanzen speichern Kohlenstoff. Doch sobald sie verrotten, gelangt CO2 in die Atmosphäre. Mit einer Jahrtausende alten Technik lässt sich das verhindern – und sogar Energie gewinnen. Dieser Text erschien in der Ausgabe Februar/März 2022 des enorm Magazins mit dem Titel „Stoff für die Energiewende”. Pflanzen scheinen perfekt in Sachen Kreislaufökonomie: Sie fangen CO2 aus der Luft und binden es als Kohlenstoff. Sobald sie verrotten, geben sie das Kohlenstoffdioxid wieder frei. Doch es ist möglich, CO2 sogar langfristig der Atmosphäre zu entziehen: indem Pflanzen verkohlt und so zu festem Kohlenstoff werden. Lange schon machen Menschen aus Biomasse Holzkohle, um sie zu verheizen oder damit zu düngen. Terra Preta nennt sich die tiefschwarze, fruchtbare Erde, die indigene Menschen seit Jahrtausenden im Amazonasgebiet schaffen, wofür sie Pflanzenkohle unter anderem mit Dung vermengen. Die poröse Struktur macht Pflanzenkohle zum idealen Speicher für Mikroorganismen, Nährstoffe und Wasser. Heute entsteht Pflanzenkohle immer häufiger in effizienten Hightech-Anlagen. So kann das Material als Baustoff oder Kunststoffersatz verwendet werden und die Kompostierung von Bioabfällen verbessern. Bei der Herstellung von Pflanzenkohle lässt sich sogar nachhaltig …