Air Canada will bald mit E-Flugzeugen starten, Gleicher Lohn für Spaniens Schiedsrichterinnen, Kliniken in Amsterdam unterstützen mit Spenden ihre Angestellten

Wir starten in die neue Woche mit guten Nachrichten aus aller Welt: Die Fluggesellschaft Air Canada will ab 2028 mit 30 elektrischen Flugzeugen durchstarten. In Spanien haben sich die Schiedsrichterinnen im Fußball der Frauen einen gerechten Lohn erkämpft. Und in Amsterdam sammeln Klinikangestellte Geld für Kolleg*innen, die ihre Kosten nicht mehr decken können. Wir wünschen einen gute Woche voller guten Nachrichten!

Deutschland: Fast die Hälfte des Stroms ist öko, Waldbrand: Frühwarnsystem aus dem All, Österreich: Ab 2040 Vollspaltenböden in der Schweinehaltung verboten

Die Hälfte des Stroms in Deutschland wird aus erneuerbaren Energien gewonnen; das Münchner Start-up „Ororatech“ entwickelt ein Frühwarnsystem für Wald- und Buschfeuer aus dem All; und in Österreich sind Vollspaltenböden in der Schweinehaltung ab 2040 verboten: Das sind die Good News des Tages

Friedenskonzert sammelt 12 Mio. Euro für die Ukraine, 10-Punkte-Plan für weniger Ölverbrauch; Discounter bietet „Rettertüten“ an

In Berlin hat das Friedenskonzert „Sound for Peace“ über 12 Millionen Euro für die Ukraine gesammelt; die Internationale Energieagentur zeigt, wie die Ölnachfrage in den nächsten vier Monaten drastisch gesenkt werden könnte; und Lidl bietet ab Mai sogenannte „Rettertüten“ an: Das sind die Good News des Tages

Eine gelungene Energiewende ist Friedenspolitik

Mehr als 50 Prozent der deutschen Gas-Importe kommen aus Russland. Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie wichtig es ist, sich schnellstmöglich von derartigen Rohstoffabhängigkeiten zu befreien. Für den Umbau der Versorgung gibt es keinen Masterplan, aber viele vielversprechende Innovationen und Lösungen. Sie müssen nun noch schneller und effizienter gefördert werden. Es braucht die Energiewende zwingend für eine lebenswerte Zukunft. Es gibt keine Alternative dazu. Weder gesellschaftlich, noch politisch. Der am 28. Februar vom Weltklimarat (IPCC) veröffentlichte Bericht zu den Folgen der Klimakrise ist diesbezüglich unmissverständlich – hier gibt’s die zentralen Aussagen auf Deutsch. Wie bei derartigen Analysen üblich, verbirgt sich die dynamische Dramatik hinter etwas hölzernen Formulierungen: Bis zu 3,6 Milliarden Menschen würden unter Bedingungen leben, die „sehr verwundbar gegenüber dem Klimawandel“ seien. Für einen Großteil der Arten auf der Erde gelte Ähnliches. Beides verstärkt einander: „Die Verwundbarkeit von Menschen und Ökosystemen sind voneinander abhängig.“ Und: „Die gegenwärtigen nicht-nachhaltigen Entwicklungsmuster erhöhen die Exposition von Ökosystemen und Menschen gegenüber Klimagefahren.“ Kurz: Was wir schon machen hilft, aber es ist viel, viel zu wenig. Eine Grundbedingung …

Transkript: Good News Podcast Folge 48

Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 48 von „Good News“. Bis 2030 müssen die Emissionen in Deutschland im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent sinken. Dafür braucht es nicht eine Lösung, nicht zwei, sondern jede Menge. Eisenpulver zum Beispiel ist ein Brennstoff, der kein CO₂ ausstößt und sogar wiederverwendbar ist. Und Pflanzenkohle ist ein Mittel, um das in Pflanzen gespeicherte CO₂ langfristig zu binden – und nebenbei Energie zu gewinnen. Die Energiewende ist nicht nur dringend notwendig, sondern vielfältig und spannend. In dieser Folge erfahrt ihr, warum! Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. In dieser Folge spricht Good-News-Redakteurin Bianca Kriel mit Miriam Petzold und Astrid Ehrenhauser, Redakteur:innen beim enorm Magazin, über Lösungen für die Energiewende. Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News, dem Podcast für gute Nachrichten und konstruktive Gespräche. Heute geht es um Stoff für die Energiewende. Aber erst einmal der Gute-Nachrichten-Überblick: Jahrelang haben die äußerst erfolgreichen US-Fußball-Nationalspielerinnen für eine gleiche Bezahlung gekämpft – und geklagt. Nun zahlt sich ihr Einsatz für mehr Gleichberechtigung aus: …

Aus der klimaneutralen Utopie muss jetzt eine Erfolgsstory werden

Bis 2030 müssen die Emissionen in Deutschland im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent runter. Dafür werden die Pläne von Klimaminister Robert Habeck allein nicht reichen. Es braucht nicht nur ein paar, sondern viele smarte Lösungen, ein kluges Innovationsmanagement und einen fixen Staat, der pragmatisch fördert. Entscheidend ist aber auch eine glaubwürdige, überzeugende Erzählung, die uns allen erklärt, wie es gehen kann. Dieser Text erschien in der Ausgabe Februar/März 2022 des enorm Magazins mit dem Titel „Stoff für die Energiewende“. Robert Habeck reicht’s. „Ja, man kann darüber klagen, wie schwer alles ist und wie groß die Herausforderungen sind und wie sehr wir in Rückenlage anfangen. Ich will das nicht mehr tun.“ Er sieht die Chancen für die deutsche Wirtschaft. Für Wachstum und Klimaschutz. Der Weg hin zur Klimaneutralität, zur ökologisch-sozialen Marktwirtschaft ist verdammt schwierig, aber möglich. Noch. Deswegen beeilt sich der Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz am 13. Januar 2022 im Deutschen Bundestag. Seine Rede ist Teil der Regierungserklärung. Sie dauert weniger als zehn Minuten. Robert Habeck muss sich beeilen, weil wir keine Zeit mehr haben. …

Kohle fürs Klima

Pflanzen speichern Kohlenstoff. Doch sobald sie verrotten, gelangt CO2 in die Atmosphäre. Mit einer Jahrtausende alten Technik lässt sich das verhindern – und sogar Energie gewinnen. Dieser Text erschien in der Ausgabe Februar/März 2022 des enorm Magazins mit dem Titel „Stoff für die Energiewende”. Pflanzen scheinen perfekt in Sachen Kreislaufökonomie: Sie fangen CO2 aus der Luft und binden es als Kohlenstoff. Sobald sie verrotten, geben sie das Kohlenstoffdioxid wieder frei. Doch es ist möglich, CO2 sogar langfristig der Atmosphäre zu entziehen: indem Pflanzen verkohlt und so zu festem Kohlenstoff werden. Lange schon machen Menschen aus Biomasse Holzkohle, um sie zu verheizen oder damit zu düngen. Terra Preta nennt sich die tiefschwarze, fruchtbare Erde, die indigene Menschen seit Jahrtausenden im Amazonasgebiet schaffen, wofür sie Pflanzenkohle unter anderem mit Dung vermengen. Die poröse Struktur macht Pflanzenkohle zum idealen Speicher für Mikroorganismen, Nährstoffe und Wasser. Heute entsteht Pflanzenkohle immer häufiger in effizienten Hightech-Anlagen. So kann das Material als Baustoff oder Kunststoffersatz verwendet werden und die Kompostierung von Bioabfällen verbessern. Bei der Herstellung von Pflanzenkohle lässt sich sogar nachhaltig …

Pinkeln für Power

Mikrobielle Brennstoffzellen verwandeln Urin in elektrische Energie. Das nützt Orten ohne stabile Stromversorgung. Vor allem aber lässt sich die Technologie weltweit zur Wasserreinigung einsetzen. Dieser Text erschien in der Ausgabe Februar/März 2022 des enorm Magazins mit dem Titel „Stoff für die Energiewende”. Als Thomas Edison 1879 die Glühbirne erfand, konnte er kaum ahnen, dass sie eines Tages durch Harnflüssigkeit leuchten würde. Was skurril klingt, erforschte die Nasa bereits in den 1950er-Jahren. In der Stromerzeugung durch Urin sah sie großes Potenzial für eine autarke Versorgung ihrer Raumschiffe. Mittlerweile werden mikrobielle elektrochemische Technologien erforscht, um Urin dafür auch auf der Erde zu nutzen. Seit 2002 arbeitet Yannis Ieropoulos an der Universität von Westengland in Bristol mit seinem Team an der Stromgewinnung aus Urin. Er hat den Bedarf an autark funktionierenden Toiletten im Globalen Süden erkannt. Sein Projekt nennt sich „Pee Power“ und liefert Regionen Strom, die vom Elektrizitätsnetz abgeschnitten sind. Mit Unterstützung der internationalen Nichtregierungsorganisation Oxfam und der Bill and Melinda Gates Foundation kommt die Technologie seit 2017 in einem ersten Feldversuch in einem Mädcheninternat in Uganda zum …

Ist Eisenpulver eine gute Alternative für Kohle und Öl?

Eisen als Brennstoff ist CO2-frei, günstig und sogar endlos wiederverwendbar. Studierende in den Niederlanden tüfteln am Kraftwerk der Zukunft. Dieser Text erschien in der Ausgabe Februar/März 2022 des enorm Magazins mit dem Titel „Stoff für die Energiewende“. Ein junger Mann mit dichtem Bart öffnet die Luke. Er schüttet graues Pulver hinein, so fein, dass der Herbstwind es verwirbelt. Mit Sauerstoff vermengt wird es entzündet. Rot-gelbe Funken jagen durch das dicke Rohr neben der Luke, am Bullauge vorbei hinüber zum Boiler, wo der heiße Luftstrom in Dampf umgewandelt wird. Es rauscht. Mit dem Dampf wird nebenan Bier gebraut, ein paar 10.000 Flaschen, nicht viel, aber ein Beweis: Eisenpulver kann kontrolliert verbrannt werden, um Energie zu erzeugen. CO2-frei und kreislauffähig. Es ist der 29. Oktober 2020. Auf dem Fabrikgelände von Swinkels Family Brewers im niederländischen Örtchen Lieshout steht ein luftiges Gerüst aus Rohren, Maschinen und Kabeln. Drum herum: aufgeregte Studierende, Professor:innen, Reporter:innen. Die großen Kameras der Fernsehteams blinken rot, Action. Zum ersten Mal weltweit wird hier eine Eisenpulver-Anlage außerhalb des Labors getestet. Chan Botter läuft zwischen Medien …