Könnte eine Pyrenäen-Pipeline die Lösung sein?

Lieferungen aus Spanien könnten Europa helfen, sich von Importen aus Russland unabhängig zu machen. So könnte erst algerisches und US-amerikanisches Erdgas über die Pyrenäen oder über die Alpen nach Deutschland gelangen – langfristig dann grüner Wasserstoff. Spanien hat, was Deutschland derzeit schmerzlich fehlt: Flüssiggas-Terminals und die dazugehörigen Speicher. Und zwar gleich sechs davon, das entspricht etwa 25 Prozent der gesamten europäischen Kapazitäten in diesem Bereich. Zudem strömt durch zwei Pipelines Erdgas aus Algerien in Nordafrika in das gut ausgebaute spanische Netz. Schade nur, dass es kaum Pipelines nach Norden gibt und Spanien zusammen mit Portugal bei Energie wie eine Insel ist. Das soll sich nun unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine schleunigst ändern, und zwar durch den Bau neuer Pipelines. Durch sie würde für die nächsten zehn bis fünfzehn Jahre noch Erdgas, langfristig dann aber grüner Wasserstoff fließen. „Diese Gasleitungen werden schon jetzt als Wasserstoffleitungen angepriesen, denn fossile Infrastruktur ist kaum noch durchsetzbar“, sagt der Energieexperte Ángel Saz vom Thinktank Esade in Madrid. „Dass es sich langfristig um Leitungen für Wasserstoff handelt, ist …

Warum die Agave das bessere Zuckerrohr ist

Brasilianisches Bioethanol aus Zuckerrohr-Abfällen gilt als Hoffnungsträger für nachhaltigen Treibstoff. Doch für den Anbau wird Regenwald gerodet, Menschen werden ausgebeutet. Ist die Tequila-Agave eine Alternative? Die Zukunft des Autos ist süß. Zumindest, wenn es nach VW-Markenchef Ralf Brandstätter geht, der im Juli 2021 verkündete, in Brasilien wolle Volkswagen mehr und mehr „grünen“ Treibstoff aus Bagasse beziehen: So nennt man die gemahlenen Überreste, die in der Zuckerproduktion nach dem Auspressen von Zuckerrohr zurückbleiben. Lässt man die Bagasse fermentieren, kann man daraus Bioethanol destillieren. Brasilien ist der größte Zuckerhersteller der Welt und nach den USA der zweitgrößte Produzent von Bioethanol. Zwischen 2007 und 2019 stieg die Produktion von 18 Milliarden Liter auf 34 Milliarden Liter, bis 2030 sollen es 54 Milliarden werden. Mittlerweile macht Zuckerrohr-Ethanol laut Daten des brasilianischen Energieministeriums fast 20 Prozent des brasilianischen Energiemixes aus und wird in großem Stil Benzin beigemischt. Aber das Geschäft ist mehr als schmutzig. Oft kriminelle Großlandbesitzer:innen kontrollieren in Brasilien den Zuckermarkt, sie roden gewaltige Flächen für den Anbau und vertreiben dabei Klein-Bäuer:innen und Indigene. Wurde im Jahr 2000 allein …

Transkript: Good News Podcast Folge 48

Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 48 von „Good News“. Bis 2030 müssen die Emissionen in Deutschland im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent sinken. Dafür braucht es nicht eine Lösung, nicht zwei, sondern jede Menge. Eisenpulver zum Beispiel ist ein Brennstoff, der kein CO₂ ausstößt und sogar wiederverwendbar ist. Und Pflanzenkohle ist ein Mittel, um das in Pflanzen gespeicherte CO₂ langfristig zu binden – und nebenbei Energie zu gewinnen. Die Energiewende ist nicht nur dringend notwendig, sondern vielfältig und spannend. In dieser Folge erfahrt ihr, warum! Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. In dieser Folge spricht Good-News-Redakteurin Bianca Kriel mit Miriam Petzold und Astrid Ehrenhauser, Redakteur:innen beim enorm Magazin, über Lösungen für die Energiewende. Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News, dem Podcast für gute Nachrichten und konstruktive Gespräche. Heute geht es um Stoff für die Energiewende. Aber erst einmal der Gute-Nachrichten-Überblick: Jahrelang haben die äußerst erfolgreichen US-Fußball-Nationalspielerinnen für eine gleiche Bezahlung gekämpft – und geklagt. Nun zahlt sich ihr Einsatz für mehr Gleichberechtigung aus: …

Aus der klimaneutralen Utopie muss jetzt eine Erfolgsstory werden

Bis 2030 müssen die Emissionen in Deutschland im Vergleich zu 1990 um 65 Prozent runter. Dafür werden die Pläne von Klimaminister Robert Habeck allein nicht reichen. Es braucht nicht nur ein paar, sondern viele smarte Lösungen, ein kluges Innovationsmanagement und einen fixen Staat, der pragmatisch fördert. Entscheidend ist aber auch eine glaubwürdige, überzeugende Erzählung, die uns allen erklärt, wie es gehen kann. Dieser Text erschien in der Ausgabe Februar/März 2022 des enorm Magazins mit dem Titel „Stoff für die Energiewende“. Robert Habeck reicht’s. „Ja, man kann darüber klagen, wie schwer alles ist und wie groß die Herausforderungen sind und wie sehr wir in Rückenlage anfangen. Ich will das nicht mehr tun.“ Er sieht die Chancen für die deutsche Wirtschaft. Für Wachstum und Klimaschutz. Der Weg hin zur Klimaneutralität, zur ökologisch-sozialen Marktwirtschaft ist verdammt schwierig, aber möglich. Noch. Deswegen beeilt sich der Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz am 13. Januar 2022 im Deutschen Bundestag. Seine Rede ist Teil der Regierungserklärung. Sie dauert weniger als zehn Minuten. Robert Habeck muss sich beeilen, weil wir keine Zeit mehr haben. …

Kohle fürs Klima

Pflanzen speichern Kohlenstoff. Doch sobald sie verrotten, gelangt CO2 in die Atmosphäre. Mit einer Jahrtausende alten Technik lässt sich das verhindern – und sogar Energie gewinnen. Dieser Text erschien in der Ausgabe Februar/März 2022 des enorm Magazins mit dem Titel „Stoff für die Energiewende”. Pflanzen scheinen perfekt in Sachen Kreislaufökonomie: Sie fangen CO2 aus der Luft und binden es als Kohlenstoff. Sobald sie verrotten, geben sie das Kohlenstoffdioxid wieder frei. Doch es ist möglich, CO2 sogar langfristig der Atmosphäre zu entziehen: indem Pflanzen verkohlt und so zu festem Kohlenstoff werden. Lange schon machen Menschen aus Biomasse Holzkohle, um sie zu verheizen oder damit zu düngen. Terra Preta nennt sich die tiefschwarze, fruchtbare Erde, die indigene Menschen seit Jahrtausenden im Amazonasgebiet schaffen, wofür sie Pflanzenkohle unter anderem mit Dung vermengen. Die poröse Struktur macht Pflanzenkohle zum idealen Speicher für Mikroorganismen, Nährstoffe und Wasser. Heute entsteht Pflanzenkohle immer häufiger in effizienten Hightech-Anlagen. So kann das Material als Baustoff oder Kunststoffersatz verwendet werden und die Kompostierung von Bioabfällen verbessern. Bei der Herstellung von Pflanzenkohle lässt sich sogar nachhaltig …

Pinkeln für Power

Mikrobielle Brennstoffzellen verwandeln Urin in elektrische Energie. Das nützt Orten ohne stabile Stromversorgung. Vor allem aber lässt sich die Technologie weltweit zur Wasserreinigung einsetzen. Dieser Text erschien in der Ausgabe Februar/März 2022 des enorm Magazins mit dem Titel „Stoff für die Energiewende”. Als Thomas Edison 1879 die Glühbirne erfand, konnte er kaum ahnen, dass sie eines Tages durch Harnflüssigkeit leuchten würde. Was skurril klingt, erforschte die Nasa bereits in den 1950er-Jahren. In der Stromerzeugung durch Urin sah sie großes Potenzial für eine autarke Versorgung ihrer Raumschiffe. Mittlerweile werden mikrobielle elektrochemische Technologien erforscht, um Urin dafür auch auf der Erde zu nutzen. Seit 2002 arbeitet Yannis Ieropoulos an der Universität von Westengland in Bristol mit seinem Team an der Stromgewinnung aus Urin. Er hat den Bedarf an autark funktionierenden Toiletten im Globalen Süden erkannt. Sein Projekt nennt sich „Pee Power“ und liefert Regionen Strom, die vom Elektrizitätsnetz abgeschnitten sind. Mit Unterstützung der internationalen Nichtregierungsorganisation Oxfam und der Bill and Melinda Gates Foundation kommt die Technologie seit 2017 in einem ersten Feldversuch in einem Mädcheninternat in Uganda zum …

Ist Eisenpulver eine gute Alternative für Kohle und Öl?

Eisen als Brennstoff ist CO2-frei, günstig und sogar endlos wiederverwendbar. Studierende in den Niederlanden tüfteln am Kraftwerk der Zukunft. Dieser Text erschien in der Ausgabe Februar/März 2022 des enorm Magazins mit dem Titel „Stoff für die Energiewende“. Ein junger Mann mit dichtem Bart öffnet die Luke. Er schüttet graues Pulver hinein, so fein, dass der Herbstwind es verwirbelt. Mit Sauerstoff vermengt wird es entzündet. Rot-gelbe Funken jagen durch das dicke Rohr neben der Luke, am Bullauge vorbei hinüber zum Boiler, wo der heiße Luftstrom in Dampf umgewandelt wird. Es rauscht. Mit dem Dampf wird nebenan Bier gebraut, ein paar 10.000 Flaschen, nicht viel, aber ein Beweis: Eisenpulver kann kontrolliert verbrannt werden, um Energie zu erzeugen. CO2-frei und kreislauffähig. Es ist der 29. Oktober 2020. Auf dem Fabrikgelände von Swinkels Family Brewers im niederländischen Örtchen Lieshout steht ein luftiges Gerüst aus Rohren, Maschinen und Kabeln. Drum herum: aufgeregte Studierende, Professor:innen, Reporter:innen. Die großen Kameras der Fernsehteams blinken rot, Action. Zum ersten Mal weltweit wird hier eine Eisenpulver-Anlage außerhalb des Labors getestet. Chan Botter läuft zwischen Medien …

Student erfindet Solartechnik aus Gemüse-Abfällen

Polarlichter inspirierten den philippinischen Elektrotechnik-Student Carvey Ehren Maigue dazu, Alltagsgegenstände in Solarkraftwerke zu verwandeln. Die Basis-Zutat: altes Gemüse. Im All weht ein rauer Wind, genauer gesagt Sonnenwind. Denn die Sonne schickt nicht nur Wärme und Licht gen Erde, sondern schleudert auch pausenlos Materie in unsere Richtung: elektrisch geladene Teilchen, hauptsächlich Protonen und Elektronen. Manchmal verwandelt sich dieser Sonnenwind in einen Sturm. Was wir davon mitbekommen, nennen wir Polarlichter. In grün, rot oder gelb offenbart sich extremes Weltraumwetter sanft am Nachthimmel. Bei einem Sonnensturm prallen die Teilchen mit Geschwindigkeiten von über 700 Kilometern pro Sekunde auf Atmosphäre und Magnetfeld der Erde. Die Magnetfeldlinien verformen sich und leiten die Energie weiter zum Nord- und Südpol. Dort kollidieren die Teilchen des Sonnenwindes mit erdeigenen Atomen, die sich auf- und sofort wieder entladen, was sie leuchten lässt. Wenn sie sich in 80 bis 150 Kilometern Höhe mit Sauerstoff verbinden, beginnt es grün zu flackern. In höheren Sphären strahlen sie rot, kombiniert mit Stickstoff violett. Eine Light Show, die mehr mit Poesie gemein hat als mit Quantenphysik. Im Norden tritt …

Good News

Neuer Reiseversicherung-Fonds schützt Pauschalreisende, Rettung einer baufälligen Synagoge in München, Suchmaschine für historische Zeitungen

Ein vom Bundesjustizministerium beaufsichtigter Reiseversicherung-Fond soll Verbraucher*innen besser schützen; die baufällige Synagoge in der Reichenbachstraße in München soll saniert werden; und die Deutsche Digitale Bibliothek Berlin hat 247 historische Zeitungen digitalisiert: Das sind die Good News des Tages.