Ein Leben zwischen Schach und Politik

Schachturnier in Löberitz, Sachsen-Anhalt, mittendrin eine lettische Ex-Ministerin. Egal ob in der Politik oder am Brett – Dana Reizniece-Ozola liebt das Spiel in diesen Männerwelten. Und den Sieg. Leise wie auf Filzsohlen rollt der Regionalexpress in den kleinen Bahnhof irgendwo bei Bitterfeld. Hinter dem Gleis parken Güterzüge, vor dem Bahnsteig döst die Bushaltestelle, langsam bricht die Sonne durch die dünne Wolkenmatte am Himmel dieses Maisonntags um 7.20 Uhr in der Früh. Ein Auto rollt heran. „Willkommen in Wolfen“ ruft Norman Schütze und stößt einladend die Autotür auf. „Wir müssen noch schnell Brötchen holen, die Mannschaft ist hungrig.“ Denn um 10 Uhr geht es los. Mit dem großen Schachturnier in Löberitz, zwei Dörfer weiter. Schütze gehört zum Kernteam der Schachgemeinschaft (SG) 1871 Löberitz, einem der ältesten Schachvereine Deutschlands. Vor zwanzig Jahren stand der Verein vor dem Aus, heute spielt er in der zweiten Bundesliga. Seit Langem dabei ist eine ungewöhnliche Frau: Dana Reizniece-Ozola, lettische Schachmeisterin, Jugendweltmeisterin, Welt- und Großmeisterin der Frauen – und bis vor Kurzem Finanz- und Wirtschaftsministerin von Lettland. Moment mal? Eine lettische Spitzenpolitikerin …

Schwangere aus den USA werden in Lateinamerika abtreiben

Während in den Vereinigten Staaten das Recht auf Schwangerschaftsabbruch gekippt wurde, sehen wir südlich der US-Grenze einen historischen Gegentrend: Immer mehr Länder in Lateinamerika haben Abtreibung legalisiert – und wollen US-Amerikaner:innen Zugang dazu verschaffen. Seit vergangenem Freitag, dem 24. Juni, schwanken meine Eierstöcke und ich permanent zwischen lähmender Fassungslosigkeit und gleißender Wut. Mit dem Sturz des historischen Urteils Roe vs. Wade durch den US Supreme Court können die einzelnen Bundesstaaten Abtreibung ab sofort verbieten und unter Strafe stellen: auch in Fällen von Vergewaltigung, Inzest oder einer Bedrohung des Lebens der Mutter. In Oklahoma ist das Verbot bereits umgesetzt worden. Die Folgen: Reiche Schwangere werden in Highend-Hinterzimmern blütenweißer Privatpraxen für Tausende Dollar abtreiben oder für die Operation ins Ausland geflogen. Ärmere Frauen oder Trans-Personen, insbesondere solche, die nicht weiß sind (die meisten Menschen in den USA, die von Armut betroffen sind, sind of color), werden hingegen entweder gezwungen sein, ein ungewolltes Kind auf die Welt zu bringen oder ihr Leben bei einer illegalen Abtreibung zu gefährden. An den Folgen einer illegalen Abtreibung sterben laut Schätzungen der …

Neues Gerät absorbiert beim Aufladen CO2, Blutvergiftung zehn Mal schneller erkennen, fast ein Drittel der Regie weiblich im öffentlich-rechtlichen Fernsehen

An der Uni Cambridge haben Forscher*innen einen Superkondensator entwickelt, der beim Aufladen CO2 absorbieren kann; ein neues Testverfahren aus Österreich soll Blutvergiftungen zehn Mal schneller diagnostizieren können; und im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland sind inzwischen fast ein Drittel aller Regie-Personen weiblich: Das sind die Good News des Tages

Wie sich Frauen die Bierbranche zurückholen

Nicht nur Menschen, sondern auch bestimmten Konsumgütern wird ein Geschlecht zugeordnet. So gilt Bier noch immer als Männersache. Doch das ändert sich: Immer mehr Frauen werden Bier-Sommelière oder Brauerinnen – was früher ganz normal war. „Natürlich fand ich es als Kind schade, dass wir eine Bier- und keine Schokoladenfabrik hatten, aber heute ist es das spannendere Produkt für mich“, sagt Warsteiner-Chefin Catharina Cramer. Bier sei ein so vielseitiges Produkt, schwärmt die 44-Jährige, die das Familienunternehmen in neunter Generation leitet. Derselben Meinung ist auch die Bier-Sommelière Jutta Knoll aus Bonn. Geschmack und Genuss faszinieren sie: „Es kann süß, sauer, fruchtig oder malzig sein – Bier ist breiter gefächert im Aromen-Spektrum als Wein“, sagt die 49-Jährige voller Begeisterung. Aber klar, Bier habe schließlich auch mehr Zutaten als Wein, sagt die Expertin, die seit drei Jahren Seminare und Verkostungen rund um das Thema Bier anbietet. Auch Braumeisterin Schwester Doris, die seit über 40 Jahren in der Klosterbrauerei im bayerischen Mallersdorf am Braukessel steht, liebt ihre Tätigkeit – und das Produkt, das dabei entsteht. „Zum Abendbrot trinke ich immer …

„Feministische Außenpolitik setzt andere Prioritäten“

Die Aktivistin Kristina Lunz kämpft für Frieden durch eine feministische Außenpolitik. Im Angesicht des Krieges in der Ukraine erfährt sie Zuspruch, aber auch Hass. Wie geht sie damit um? Am Abend des 24. Februars sitzt Kristina Lunz auf einer Bühne in der historischen Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg, auf einem Barhocker, Beine überschlagen. Premierenlesung: Heute erscheint ihr erstes Buch. Es ist auch der Tag, an dem Wladimir Putin die ganze Ukraine angreift. Ihr Buchtitel klingt nach einer Antwort: Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch: Wie globale Krisen gelöst werden müssen. Darin fordert die Aktivistin Abrüstung. Auch jetzt sagt sie: „Feministische Außenpolitik setzt andere Prioritäten: Solidarität, Zusammenarbeit, Menschenrechte.“ Zeit für einen Paradigmenwechsel. Mittwochmorgen, einen Monat später. Der Krieg hat sich verschärft, politische Linien sind gesprengt. Rasch fährt Lunz mit ihrem Fahrrad auf das Café im Berliner Wedding zu, hier nimmt sie sich Zeit für ein Gespräch. Eine Stunde fand sich in ihrem vollen Kalender. Die Expertise der 32-Jährigen ist gefragt, sie ist Mitgründerin der Forschungs- und Beratungsorganisation Centre for Feminist Foreign Policy (CFFP). Gleich steht ein Interview …

Good News

Podcast: Wie feministische Außenpolitik Frieden schaffen möchte, Pille für den Mann erfolgreich getestet, Toronto will Beziehung zur indigenen Bevölkerung verbessern

In unserem Good News-Podcast sprechen wir mit Kristina Lunz darüber, wie eine feministische Außenpolitik langfristig Frieden schaffen kann; Forschende der University of Minnesota haben eine hormonfreie Pille für den Mann entwickelt; und die kanadische Stadt Toronto will ihre Beziehung zur indigenen Bevölkerung verbessern: Das sind die Good News des Tagesahhc

Mütter der Wildtiere

Das Akashinga-Projekt schult marginalisierte Frauen als Rangerinnen. Der Kampf gegen Wilderei gibt ihnen die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. In militärischen Uniformen streifen die Akashinga-Rangerinnen durch das hohe Gras der Savanne Simbawes. Sie tragen schwere Stiefel und Gewehre über den Schultern. Diese Bilder gehen um die Welt. Denn Akashinga ist Simbabwes erste Anti-Wilderei-Einheit, die nur aus Frauen besteht. Und noch etwas ist besonders: Alle Mahlzeiten der Rangerinnen sind vegan. Das khakigrüne Hemd ihrer Uniform hat Nyaradzo Hoto an diesem Nachmittag gegen ein sandfarbenes T-Shirt getauscht. Sie sitzt unter einem Baum im Schatten. Per Video erzählt sie mit Kopfhörern im Ohr von ihrer Arbeit als Rangerin im Sambesi-Tal im Norden Simbabwes. Trotz der wackeligen Internetverbindung erkennt man im Hintergrund den beigen Stoff der Zelte des Camps. Bei Akashinga hat Hoto ihre Liebe zu den Tieren entdeckt. „Wir müssen sie schützen“, sagt sie. „Wir sind die Mütter der Wildtiere.“ Das Wort Akashinga stammt aus der Bantusprache Shona und bedeutet „die Tapferen“. Damien Mander, ein Australier mit vielen Tattoos und breiten Schultern, gründete die Anti-Wilderei-Einheit 2017. Sie ist …

Die Geschichte des weiblichen Begehrens

Viele Menschen glauben, feministische Pornographie gibt es erst seit den 1960er Jahren. Aber schon seit der Antike schaffen Frauen mit Erotika einen Raum für Selbstbestimmung. In den vorchristlichen Mythologien wimmelt es nur so von sexpositiven Göttinnen. Meine Lieblingsgeschichte ist die der Inka-Göttin Mama Kuka. Einst war sie eine Sterbliche und hatte so viel Sex, dass sie sich eines Tages in zwei Hälften teilte. Aus diesen Hälften spross die erste Kokapflanze. Ein Mann durfte diese Pflanze nur dann verzehren, wenn er vorher eine Frau zum Orgasmus gebracht hatte. In Griechenland war unterdessen der Gott Hephaistos regelmäßig mit den Nerven am Ende, weil seine Frau Aphrodite, Göttin der Liebe, ihre Zwangsehe nicht akzeptierte und schlief, mit wem sie wollte. Bis heute kann man an den Wänden der Hinduistisch-jainaistischen Khajuraho Tempel in Indien riesige Reliefs und Statuen bestaunen, auf denen Männer und Frauen sich in Orgien gegenseitig befriedigen. Sex und Lebensfreude – personifiziert durch die Gottheiten Kama und Parvati – galten als heilig. Feministische Pornographie: Die Macht der sexuellen Vorstellungskraft Spricht man heute von Pornographie, so kommen den …

Transkript: Good News Podcast Folge 49

Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 49 von „Good News“. Am 8. März ist Internationaler Frauentag! Deshalb feiern wir in dieser Folge gute medizinische, rechtliche und zivilgesellschaftliche Entwicklungen und Entscheidungen, die mehr Gleichberechtigung für Frauen* ermöglichen sollen. Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. In dieser Folge feiern wir den Internationalen Frauentag vom 8. März 2022 mit guten Nachrichten für mehr Gendergerechtigkeit von unserer Good-News-Redakteurin Bianca Kriel.  Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News, dem Podcast, gute Nachrichten und konstruktive Gespräche. Heute feiern wir den Internationalen Frauentag vom 8. März 2022. Wir wollen euch gute Entwicklungen, Ideen und Menschen vorstellen, die in diesem Jahr, also jetzt im Jahr 2022, schon Gutes bewirkt haben. Für mehr Gendergerechtigkeit und vor allem für Frauen – und mit Frauen meinen wir Frauen*. Hier also der Gute-Nachrichten-Überblick zum Internationalen Frauentag: Neuer Test erkennt das Risiko für Eierstock und Brustkrebs frühzeitig: Forschende aus Innsbruck haben einen Test entwickelt, der das Eierstock- und Brustkrebsrisiko bei Frauen früh erkennen kann. Dabei werden Zellproben analysiert, die …

Erfolg zahlt sich für US-Fußballerinnen endlich aus

Die US-Fußballerinnen sind Olympiasiegerinnen und Weltmeisterinnen – und damit deutlich erfolgreicher als Ihre männlichen Kollegen. Die Herren aus dem Nationalteam werden aber vom Verband deutlich besser bezahlt. Bis jetzt. Angeführt von Starspielerin Megan Rapinoe haben die US-Fußballerinnen im Kampf um Gleichstellung einen historischen Sieg errungen. Nach jahrelangem Rechtsstreit erhalten die Fußballerinnen künftig vom US-Verband die gleiche Bezahlung wie die Männer. „Das ist ein großer Gewinn für alle Frauen. Ich denke, wir werden einmal auf diesen Tag zurückblicken und sagen, dass dies der Moment ist, in dem sich der US-Fußball zum Besseren verändert hat“, sagte Rapinoe am Dienstag in der US-Fernsehshow „Good Morning America“. Laut Vergleich wird der US Soccer den Spielerinnen 22 Millionen US-Dollar zahlen, zudem werden weitere zwei Millionen US-Dollar in einen Fonds fließen, der den Frauen- und Mädchenfußball unterstützt sowie die Spielerinnen nach ihrer Karriere fördert. „Wir freuen uns, mitteilen zu können, dass wir – vorbehaltlich der Aushandlung eines neuen Tarifvertrags – unseren langjährigen Streit um gleiches Entgelt beigelegt haben und stolz zusammenstehen, um uns gemeinsam für die Förderung der Gleichstellung im Fußball …

„Frauen gründen anders – weil sie anders gründen müssen“

Frauen gründen besonders oft Social Start-ups. Warum ist das so? Und was kann unsere gesamte Wirtschaft davon lernen? https://enorm-magazin.de/wp-content/uploads/2020/11/Episode-7-Gleichberechtigung.mp3 Diesen Artikel kannst du dir auch vorlesen lassen! Den enorm Podcast „Zukunft hörst Du hier an“ findest du auf Spotify, Apple Podcasts und überall da, wo es Podcasts gibt, sowie über den RSS-Feed. Fünf Männer, eine Frau – das ist statistisch gesehen das Verhältnis von Start-up-Gründer:innen in Deutschland. Laut dem Deutschen Startup Monitor 2021 des Bundesverbands Deutsche Startups werden gerade einmal 17,7 Prozent der Start-ups von Frauen gegründet. Besser sieht es bei allgemeinen Existenzgründungen aus: Laut KfW-Gründungsmonitor der KfW Bankengruppe sind dort immerhin 38 Prozent der Gründer:innen weiblich. Wo allerdings beinahe Gleichberechtigung herrscht, sind Social Businesses: Frauen gründen mehr als die Hälfte der Sozialunternehmen, nämlich 52,7 Prozent, wie es im aktuellen „Deutschen Social Entrepreneurship Monitor“ (DSEM) des Vereins Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND) heißt. Auch der Bericht des Global Entrepreneurship Monitor über Social Entrepreneurship, eine weltweite Vergleichsstudie, stellte bereits 2015 fest: 45 Prozent der Sozialunternehmer:innen in Westeuropa sind weiblich – bei anderen Gründungen sind es mit 33 Prozent deutlich weniger. Noch stärker …