Europe divided, Europe united

Es herrscht Krieg in der Ukraine und der ganze Kontinent ist in Aufruhr. In Deutschland wird stündlich über die Lieferung schwerer Waffen, Versorgungssicherheit und die Inflation diskutiert. Wie sieht es im Rest der EU aus? Was bewegt die Menschen? Hier kommen fünf Politiker:innen und Aktivist:innen zu Wort. Barcelona Nerea Blanqué-Catalina, 45, Europa- und Umwelt-Aktivistin: „Ich kann mich nicht erinnern, dass eine Krise das Land mal so aufgerüttelt hätte wie diese. Weder die Finanzkrise noch Syrien. Die Angst vor einem Atomkrieg ist groß. Selbst auf dem Schulhof ist der Krieg in der Ukraine Thema Nummer eins, mein Neffe will deshalb schon nicht mehr in die Schule gehen. Es gibt viele ukrainische Arbeiter:innen in Spanien. Mein Mann ist Unternehmer, er hat dort zwei Jahre lang gearbeitet. Wir haben seinem ehemaligen Geschäftspartner sofort angeboten, zu uns zu kommen. Aber er wollte in der Ukraine bleiben. Ich habe schon das Gefühl, dass Europa näher zusammenrückt. Aber die EU tut nicht genug, auch unsere Regierung nicht. Die Sanktionen werden nur halbherzig umgesetzt. Der Hafen von Barcelona ist voller dicker russischer …

„Feministische Außenpolitik setzt andere Prioritäten“

Die Aktivistin Kristina Lunz kämpft für Frieden durch eine feministische Außenpolitik. Im Angesicht des Krieges in der Ukraine erfährt sie Zuspruch, aber auch Hass. Wie geht sie damit um? Am Abend des 24. Februars sitzt Kristina Lunz auf einer Bühne in der historischen Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg, auf einem Barhocker, Beine überschlagen. Premierenlesung: Heute erscheint ihr erstes Buch. Es ist auch der Tag, an dem Wladimir Putin die ganze Ukraine angreift. Ihr Buchtitel klingt nach einer Antwort: Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch: Wie globale Krisen gelöst werden müssen. Darin fordert die Aktivistin Abrüstung. Auch jetzt sagt sie: „Feministische Außenpolitik setzt andere Prioritäten: Solidarität, Zusammenarbeit, Menschenrechte.“ Zeit für einen Paradigmenwechsel. Mittwochmorgen, einen Monat später. Der Krieg hat sich verschärft, politische Linien sind gesprengt. Rasch fährt Lunz mit ihrem Fahrrad auf das Café im Berliner Wedding zu, hier nimmt sie sich Zeit für ein Gespräch. Eine Stunde fand sich in ihrem vollen Kalender. Die Expertise der 32-Jährigen ist gefragt, sie ist Mitgründerin der Forschungs- und Beratungsorganisation Centre for Feminist Foreign Policy (CFFP). Gleich steht ein Interview …

Eine gelungene Energiewende ist Friedenspolitik

Mehr als 50 Prozent der deutschen Gas-Importe kommen aus Russland. Der Krieg in der Ukraine zeigt, wie wichtig es ist, sich schnellstmöglich von derartigen Rohstoffabhängigkeiten zu befreien. Für den Umbau der Versorgung gibt es keinen Masterplan, aber viele vielversprechende Innovationen und Lösungen. Sie müssen nun noch schneller und effizienter gefördert werden. Es braucht die Energiewende zwingend für eine lebenswerte Zukunft. Es gibt keine Alternative dazu. Weder gesellschaftlich, noch politisch. Der am 28. Februar vom Weltklimarat (IPCC) veröffentlichte Bericht zu den Folgen der Klimakrise ist diesbezüglich unmissverständlich – hier gibt’s die zentralen Aussagen auf Deutsch. Wie bei derartigen Analysen üblich, verbirgt sich die dynamische Dramatik hinter etwas hölzernen Formulierungen: Bis zu 3,6 Milliarden Menschen würden unter Bedingungen leben, die „sehr verwundbar gegenüber dem Klimawandel“ seien. Für einen Großteil der Arten auf der Erde gelte Ähnliches. Beides verstärkt einander: „Die Verwundbarkeit von Menschen und Ökosystemen sind voneinander abhängig.“ Und: „Die gegenwärtigen nicht-nachhaltigen Entwicklungsmuster erhöhen die Exposition von Ökosystemen und Menschen gegenüber Klimagefahren.“ Kurz: Was wir schon machen hilft, aber es ist viel, viel zu wenig. Eine Grundbedingung …