Werkstätten dürfen Löhne nicht einfach kürzen

Seit über 30 Jahren informiert der Psychologe Horst Rudolph Menschen mit Beeinträchtigungen, die in Werkstätten arbeiten über ihre Rechte. Auch weil die entsprechenden Gesetze komplex und nicht leicht zu verstehen sind. Hier erklärt er, warum Transparenz und Mitbestimmung aufwendig aber wichtig sind – und wie Geschäftsführer:innen die aktuelle Situation verbessern könnten. Herr Rudolph, Sie sind Psychologe und geben Seminare für Werkstatträte, das sind die Interessensvertreter:innen der Beschäftigten in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM). Seit wann arbeiten sie in dem Bereich? Horst Rudolph: Mein erstes Seminar habe ich 1990 im Rahmen einer Fortbildung der Gewerkschaft für behinderte Beschäftigte aus Hamburger Werkstätten durchgeführt. 2001 wurde ich als erste externe Vertrauensperson für einen Werkstattrat in Hamburg gewählt und war seitdem für verschiedene Werkstatträte als Vertrauensperson tätig. Seit 1996 führe ich auch als selbstständiger Referent Seminare für Werkstatträte für den Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V. (bvkm) durch. Mein letztes Seminar habe ich im Mai diesen Jahres gehalten. Ich bin kein Jurist, deshalb berate ich die Werkstatträte nicht rechtlich. Aber ich biete ihnen meine Erfahrungen aus meiner …

Wir müssen Menschen mit Behinderungen endlich konsequent mitdenken

Pandemie, Ukraine-Krieg, Klimakatastrophe: Menschen mit Behinderungen und ihre Rechte werden in Krisenstrategien oft vergessen. Die EU-Abgeordnete Katrin Langensiepen von den Grünen kämpft dafür, genau das zu ändern. Ein Gespräch über eigentlich unstrittige Grundrechte, Sichtbarkeit und Vorbilder. Sie haben Mitte Juni an der jährlichen UN-Konferenz in New York teilgenommen, die die Umsetzung des 2008 in Kraft getretenen Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen überprüft. Wie fällt Ihr Fazit, insbesondere auch aus deutscher Sicht, aus? Katrin Langensiepen: Grundsätzlich war diese Konferenz eine Mahnung an die Welt, an die EU, dass wir immer noch daran scheitern, Menschenrechte aus der UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. Wir sind noch nicht da, wo wir sein müssen, wenn es darum geht, selbstbestimmtes gleichberechtigtes Leben zu fördern und individuelle Assistenzen zu stärken. Dabei ist der klare Appell, auch an Deutschland: Kein Geld mehr in Sondereinrichtungen fließen lassen, dafür in individuelle, inklusive Lösungen investieren. Deutschland ist mit 320.000 Beschäftigten in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM) das Land mit den meisten dort Beschäftigten EU-weit. In New York wurde ich auf diesen unhaltbaren Zustand immer wieder …

Softball hinter Gittern

In der Justizvollzugsanstalt Heinsberg trainieren Inhaftierte und Ehrenamtliche zusammen Softball. Was macht es mit den Gefangenen, wenn der Vereinssport zu ihnen kommt? Dieser Text erschien in der Ausgabe April/Mai 2022 des enorm Magazins mit dem Titel: „Der Sport gehört uns – Gemeinschaft statt Kommerz: Diese Initiativen und Athlet:innen holen sich das Spiel zurück.“ Die Ausgabe kannst du bei GoodBuy versandkostenfrei und klimapositiv nachbestellen. „Plöng.“ Der neongelbe Ball klirrt auf den Schläger und saust über das Softballfeld. Es ist so abgesteckt, dass es spitz zuläuft und an die Form eines Diamanten erinnert. An der Spitze steht der „Batter“, auf Deutsch Schlagmann. Kurz blickt er dem Ball hinterher, dann geht ein Ruck durch seinen Körper, er läuft los. Bis zur First Base, der ersten Station von vier, um einen Punkt zu holen. Kühl und grell strahlen die Flutlichter von hohen Metallmasten herab auf den Kunstrasen. Oben an den Masten sind Drahtseile mit orange-weißen Kugeln befestigt. Als Netz schirmen sie das Feld ab – gegen Hubschrauber. Eine Sicherheitsvorkehrung gegen Fluchtversuche aus der Luft. Denn der Platz liegt hinter …

Erfinden wir einfach das Gewinnen neu

Spiel und Wettkampf werden seit jeher kommerzialisiert: schwindelerregende Summen für Gehälter und Bauprojekte, miese Deals mit Autokratien. Doch es geht auch anders – inklusiv und fair. Bevor ich die Tür öffne, warte ich einen Moment. Dahinter wird gebrüllt, gelacht, geschnattert. Wohl fühle ich mich nicht. Denke mir, das war eine blöde Idee. Tür auf. Halbdunkel, durch ein staubiges Oberlicht fallen Sonnenstrahlen. Drinnen im braun gekachelten Schlauch tobt zwischen zwei Bänken eine Horde Jungs. Kurz ist es still. Alle gucken. Ich schwitze und verfluche meine Mutter, die mir erst kürzlich eine zwar besonders biegsam-robuste, aber knallbunte neue Brille verpasst hat. Ich presse mich in die Ecke rechts hinter der Tür. Der letzte freie Platz, dann fliegt mir die Tür auch schon entgegen. „So, nicht rumeiern, raus mit euch, auf’n Platz“, höre ich eine kräftige Stimme. Die erste Kohorte verlässt die Box. Mein Gefängnis öffnet sich wieder. Vor mir ein Rücken, auf dem der Vereinsname prangt. Der Typ dazu, getönte Sonnenbrille, Goldkette, Vokuhila, dreht sich um: „Wer hat die Brille ausgesucht? Geh zu den anderen, Lange. Du …

Good News

Forschende machen Spenderorgan universell transplantierbar, Powernaps können die Kreativität fördern, Seltenerdmetalle aus Kohleasche

Forschenden ist es erstmals gelungen, die Blutgruppe eines Spenderorgans so anzupassen, dass es universell transplantierbar ist; Powernaps können die Kreativität und das lösungsorientierte Denken fördern; und Forschende der Rice University haben ein Verfahren entwickelt, mit dem Seltenerdmetalle aus Kohleasche gewonnen werden können: Das sind die Good News des Tages