Die Wächterinnen des Saatguts

Vor allem Frauen kämpfen für Ernährungssicherheit im südlichen Afrika. Ihr Ziel ist gerechtes und gesundes Essen für alle. Gelingen soll das auch mit Hilfe von ökologischer Landwirtschaft. Dieser Text erschien in der Ausgabe August/September 2022 des enorm Magazins. Du kannst sie bei GoodBuy versandkostenfrei und klimapositiv bestellen. Üppig und grün gedeiht das Gemüse in Refiloe Molefes neuem Garten. Im Pflanztunnel sprießen Kohl und Spinat. Sie sind fast erntereif. Die Bäuerin steht stolz vor ihren Beeten in der goldenen Wintersonne Jonhannesburgs, das Gras unter ihren Füßen noch gelblich von der Trockenheit der vergangenen Monate. Sie blickt zufrieden auf die bevorstehende Ernte ihres Bio-Gemüses. Damit versorgt die 62-jährige Simbabwerin die Nachbarschaft, lokale Unternehmen und Kinderkrippen. „In einer Suppenküche im Township Soweto haben wir letzten Monat 1.000 Menschen ernährt.“ Um ihren Kopf trägt sie ein traditionelles Tuch, dazu T-Shirt und einen langen bunten Rock. „Im August legen wir dann richtig los: Wir pflanzen Kürbis, Rote Bete, Salat und erneut Spinat.“ Täglich um fünf Uhr früh geht es für Mam’ Refiloe, wie Molefe respekt- und liebevoll genannt wird, aufs …

Wie schaffen wir eine Zukunft, in der alle satt werden?

Klimakrise, Krieg und fragile Lieferketten: Millionen Menschen droht Hunger, gerade auf dem afrikanischen Kontinent. Doch wir können das ändern. Etwa indem wir neue Ernährungsweisen suchen, unseren Speisezettel verbreitern und innovative Herstellungsmethoden entwickeln. Dieser Text erschien in der Ausgabe August/September 2022 des enorm Magazins. Du kannst sie bei GoodBuy versandkostenfrei und klimapositiv bestellen. Speiseöl und Weizen – die Preise für diese Lebensmittel sind in den letzten Monaten explodiert. Millionen von Menschen wissen nicht, ob sie täglich satt werden. Wie unsicher ihre Ernährung auch zuvor schon war, das hat der russische Angriffskrieg auf die Ukraine schlaglichtartig gezeigt. Der Konflikt liegt zwar geografisch in Europa, verschärft aber bestehende Ernährungskrisen auf der ganzen Welt. Bis Februar dieses Jahres produzierten die Ukraine und Russland zusammen zwei Drittel des weltweit exportierten Speiseöls und ein Drittel des weltweit exportierten Weizens. Mais, in vielen Ländern ebenfalls ein wichtiges Grundnahrungsmittel, stammte zu 15 Prozent aus der Ukraine und Russland. Der Krieg erschwert den Export dieser Lebensmittel aus der Ukraine deutlich, wegen der Kämpfe ist absehbar: Auch in Zukunft werden manche Ernten ausfallen. Lebensmittel sind also …

Regionale und pestizidfreie Blumen-Geschenke

Rosen mitten im frostigen deutschen Winter? Das geht nicht, daher stammen die meisten Blumen zum Valentinstag aus fernen Ländern. Das ist nicht gut für die Umwelt. Aber es gibt auch nachhaltige Alternativen. Rosen und Valentinstag gehören für viele Liebenden zusammen. Für Corinna Hölzel nicht. „Wenn ich im Laden die Sträuße mit den riesigen roten Rosen sehe, gelingt es mir nicht, Freude zu empfinden“, sagt die Pestizid-Expertin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Die Gründe dafür liegen unter anderem in den langen Transportwegen, dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und den schlechten Arbeitsbedingungen. „Die Rosen werden aus afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern kurzfristig eingeflogen, um den enormen Bedarf zu decken“, sagt Hölzel. Bei der Produktion auf den Plantagen werde ein Cocktail an Pestiziden eingesetzt, von dem sich bei Tests regelmäßig Rückstände in den Schnittrosen finden ließen. Aber es gibt noch mehr gute Gründe gegen die Blume der Liebe als Geschenk am Valentinstag: „Die Arbeiter wissen meist nichts von den Gefahren, haben keine Schutzkleidung, keine geregelten Arbeitszeiten. Die Menschenrechtslage ist in der Regel katastrophal, wenn der Betrieb nicht …

„Ich hole mir meine Nahrungsfreiheit zurück“

Pommes, Toast und Würstchen haben die traditionelle Ernährung in Südafrika verdrängt. Menschen wie die Köchin Nonhlanhla Godole versuchen, die alte Esskultur wiederzubeleben. Nonhlanhla Godole fastet. Ein Monat Rohkost ist ihr Opfer für die Vorfahren. Doch ihre selbst auferlegte Reinigung hält die Köchin nicht davon ab, schon vormittags an Pfannen und Töpfen zu stehen, in denen es zischt und blubbert und duftet. Auf der Anrichte liegen die Überbleibsel vom Sorghum-Brot, das sie am frühen Morgen für eine Kundin gebacken hat. Dazu Salat und hausgemachte Paprikapaste. Godole brutzelt in der Küche ihres Hofes nahe der südafrikanischen Metropole Johannesburg. Sie kocht auf vier Gasherden gleichzeitig, schnippelt und holt zwischendurch etwas aus dem Kühlschrank. Es ist Sonntag. Am Nachmittag hat sie einen weiteren Auftrag abzuarbeiten: Smudge, ein von ihr geschnürtes Bündel aus verschiedenen indigenen Kräutern; und Chai, ihre selbst zusammengestellte Teemischung. Vorbereitung im Wohnzimmer: Godole schnürt ein Bündel aus indigenen Kräutern, den Smudge. Bild: Victoria Schneider Essen ist für die 35-jährige Südafrikanerin mehr als guter Geschmack und Sattwerden. „Nahrung ist Leben“, sagt sie. „Sie hat heilende Kräfte und ist …

Auf dem Acker mit Benedikt Bösel

Wie ein Landwirt mit seinem Team ein Brandenburger Gut auf kargem Boden erblühen lässt. Mit einer neuen Methode: Beyond Farming. https://enorm-magazin.de/wp-content/uploads/Episode_26_Ortsbesuch-Benedikt-Boesel.mp3 Diesen Artikel kannst du dir auch vorlesen lassen! Den enorm Podcast „Zukunft hörst Du hier an“ findest du auf Spotify, Apple Podcasts und überall da, wo es Podcasts gibt, sowie über den RSS-Feed. Der Kinderwagen stockt kurz auf dem unebenen Ackerboden. Mit einem Ruck manövriert ihn Benedikt Bösel weiter. Immer wieder lupft der Wind das hellgrüne Baumwolltuch, es schützt Bösels acht Wochen alte Tochter vor der Mittagssonne. Geduldig zupft es der Landwirt zurecht, tippt zwischendurch auf seinem Handy, nimmt einen Anruf entgegen. Neben ihm auf dem Acker mäht eine der Praktikant:innen mit dem Einachser. Eine Mitarbeiterin, die gerade neue Schilder für die Pflanzreihen angebracht hat, kommt auf Bösel zu. „Ich habe gestern einen Hirschkäfer gesehen.“ „Warum hast du das nicht auf Insta gespostet? Das müssen wir direkt machen“, erwidert Bösel. Die Öko-Landwirtschaft Gut & Bösel ist erst seit Kurzem auf Instagram mit Storys vom Mähen oder vom lachenden Bösel mit seiner grauen Kappe, die er verkehrt herum trägt, oder Fotos …