Weggefegt von der Resonanz

Ostdeutsche würden jammern, seien ewig gestrig und demokratiefeindlich sowieso: Die alten Bilder halten sich beharrlich. Die Journalistin Melanie Stein macht mit ihrer Initiative „Wir sind der Osten“ Vielfalt und Stärke der Menschen sichtbar. Sie hat damit einen Nerv getroffen. Irgendwann, während der Europawahl 2019, hat Melanie Stein die Nase gestrichen voll. Gibt’s doch nicht. Wieso wird über Ostdeutschland fast nur negativ berichtet, unfassbar pauschalisierend zudem? Egal ob auf Social Media oder in vielen klassischen Medien, immer wieder springen ihr dieselben Bilder ins Gesicht: Rechtsextreme, Demokratiemuffel, ewig Gestrige, beschränkte Ossis. Oder: „Sachsen kannste abhaken.“ Wo, verdammt, bleibt der differenzierte Blick auf die ostdeutsche Mehrheit, fragt sich Stein und beschließt: Das muss sich ändern. Im Sommer 2019 gründet Melanie Stein die Initiative „Wir sind der Osten“. Der Wind treibt den Fieselregen waagerecht durch die Straßen Berlins, im Café Codos wartet Melanie Stein. Eine junge Frau, die blonden Haare im Nacken zusammengefasst, mit klarem Blick und freundlichem Lächeln. „Früher war das Common-ground hier drin, ein hippes Café, schon der Name passte super zu uns. Hier hat alles angefangen.“ …