Ein Leben zwischen Schach und Politik

Schachturnier in Löberitz, Sachsen-Anhalt, mittendrin eine lettische Ex-Ministerin. Egal ob in der Politik oder am Brett – Dana Reizniece-Ozola liebt das Spiel in diesen Männerwelten. Und den Sieg. Leise wie auf Filzsohlen rollt der Regionalexpress in den kleinen Bahnhof irgendwo bei Bitterfeld. Hinter dem Gleis parken Güterzüge, vor dem Bahnsteig döst die Bushaltestelle, langsam bricht die Sonne durch die dünne Wolkenmatte am Himmel dieses Maisonntags um 7.20 Uhr in der Früh. Ein Auto rollt heran. „Willkommen in Wolfen“ ruft Norman Schütze und stößt einladend die Autotür auf. „Wir müssen noch schnell Brötchen holen, die Mannschaft ist hungrig.“ Denn um 10 Uhr geht es los. Mit dem großen Schachturnier in Löberitz, zwei Dörfer weiter. Schütze gehört zum Kernteam der Schachgemeinschaft (SG) 1871 Löberitz, einem der ältesten Schachvereine Deutschlands. Vor zwanzig Jahren stand der Verein vor dem Aus, heute spielt er in der zweiten Bundesliga. Seit Langem dabei ist eine ungewöhnliche Frau: Dana Reizniece-Ozola, lettische Schachmeisterin, Jugendweltmeisterin, Welt- und Großmeisterin der Frauen – und bis vor Kurzem Finanz- und Wirtschaftsministerin von Lettland. Moment mal? Eine lettische Spitzenpolitikerin …

Wie sprechen wir über Städtenamen in Osteuropa?

Seit 2022 heißt es in deutschen Medien immer öfter: Kyjiw statt Kiew. Die Nutzung ukrainischer Schreibweisen soll der russischen Besatzung zumindest symbolisch entgegenwirken. Aber sind wir dadurch respektlos gegenüber dem großen Anteil russischsprachiger Ukrainier:innen? Und was heißt das für die Verwendung deutscher Städtenamen in der Westukraine oder in Polen? 2018 warb das ukrainische Außenministerium unter dem englischen Hashtag #KyivNotKievdafür, im Ausland die ukrainische Schreibweise der Landeshauptstadt anstatt der russischen zu etablieren. Der Hintergrund: Obwohl Russisch und Ukrainisch miteinander verwandt sind, handelt es sich um zwei unterschiedliche Sprachen. Da Wladimir Putin die nationale Identität der Ukraine leugnet, verwenden seit Beginn der russischen Invasion immer mehr Medien, auch enorm, die ukrainische Schreibweise, um sich symbolisch für eine unabhängige Ukraine auszusprechen: Kyjiw statt Kiew. Aber was ist mit dem großen Teil der ukrainischen Bevölkerung, der Russisch als erste Muttersprache spricht und daher ebenfalls russische Namen für ukrainische Städte verwendet? Übergeht man diesen Teil der ukrainischen Bevölkerung?   „Es stimmt, dass zum Beispiel die Einwohner:innen Charkiws zu großer Mehrheit Russisch sprechen und ihre Stadt daher Charkow nennen“, sagt Peter Oliver …

Im Osten geht die Zukunft auf

Autonomes Fahren, Cyber Security, Künstliche Intelligenz: Länder wie Ungarn, Rumänien und Polen sind Zentren für Hightech geworden. Viele Gründer:innen verfolgen dabei eine soziale Mission. Einige Beispiele für innovative Start-ups in Osteuropa. Slowenien: Sondermüll im Wäschesack Jede Woche spült ein Durchschnittshaushalt beim Waschen etwa eine Plastiktüte voller Mikroplastik ins Abwasser. Die slowenische Juristin Mojca Zupan hat mit PlanetCare einen anschraubbaren Filter für Waschmaschinen entwickelt, der 90 Prozent des Mikroplastiks abfängt. Inwiefern ist der Filter von PlanetCare kreislauffähig? Mojca Zupan: Wenn Kund:innen unsere Filter nach 20 Waschgängen entsorgen würden, landeten die Fasern auf der Mülldeponie und gelangten so in die Natur. Also bekommen sie ein vorfrankiertes Label, um die Kartuschen kostenlos an uns zurückschicken zu können. Wir reinigen und verschicken sie wieder. Nur das Filtermedium recyceln wir. Es macht fünf Prozent des Produkts aus. Daraus wollen wir Dämmmatten herstellen, zum Beispiel zur Gebäudeisolierung. Auch die Schalldämmung in Waschmaschinen ist eine Option. Aktuell sind das aber nur Pläne, denn fürs Recycling werden 1.000 Kilogramm Fasern benötigt; nach 20 Waschgängen sammeln sich gerade mal 20 Gramm im Filtermedium. Also …

Transkript: Good News enorm Podcast Folge 40

Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 40 von „Good News enorm“. Drei Jahrzehnte nach dem Zerfall der Sowjetunion blickt der Westen immer noch auf Osteuropa herab. Zeit, das zu ändern! Denn die Region strotzt nur so vor Social Start-ups, vielfältiger Kultur und dem politischen Willen nach einer gemeinsamen europäischen Zukunft. In dieser Good News enorm Podcastfolge sprechen wir über georgischen Wein, was Held:innenfilme aus Hollywood mit Ost-Klischees zu tun haben und in welcher osteuropäischen Stadt unsere Redakteur:innen am liebsten leben würden. Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. In dieser Folge sprechen Good-News-Redakteurin Bianca Kriel und Morgane Llanque, Redakteurin beim enorm Magazin, darüber, warum Osteuropa viel mehr kann als Krise.   Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News enorm – gute Nachrichten und konstruktive Gespräche. Ein Podcast von Good News und dem enorm Magazin. Heute gibt es viel Neues aus dem Osten. Aber erst einmal eine Ankündigung in eigener Sache: Das enorm Print Abo gibt es auch kostenlos – und zwar für alle, die es sich sonst nicht …