Müssen wir die Natur bepreisen, um sie zu schützen?

Müssen wir der Natur einen Preis geben, um sie schützen zu können? Umweltökonom Bernd Hansjürgens und Christiane Röttger, Expertin für Artenschutz- und Diversitätspolitik, im Streitgespräch über die Pro und Contra einer Naturbepreisung. Die Zerstörung der Natur nimmt drastisch zu, viele Ökosysteme stehen vor dem Kollaps. Und doch machen Wirtschaft und Gesellschaft weiter wie bisher. Herr Hansjürgens, Sie wollen die Natur bepreisen, um das zu ändern. Warum? Bernd Hansjürgens: Weil wir nicht länger mit einem falschen wirtschaftlichen Kompass durch die Welt laufen dürfen. Bislang gibt es Naturleistungen kostenlos. Daher spielt ihr Verbrauch keine Rolle für die Entscheidungen von Unternehmen, Konsumenten oder Kommunen. Um das zu ändern, müssen wir den Wert der Natur systematisch erfassen und in die Entscheidungsarchitekturen unserer Gesellschaft einbauen. Sie waren von 2013 bis 2018 Studienleiter der deutschen TEEB*-Gruppe, die Beispiele für die Bepreisung von Naturleistungen für Deutschland zusammengetragen hat. Wie funktioniert das? Hansjürgens: Wir sprechen in der Ökonomie lieber von Inwertsetzung. Es geht nicht darum, an jede Naturleistung ein Preisschild zu kleben. Und nicht jede Naturleistung lässt sich monetär darstellen, der Wert von …