Architektur mit heilender Wirkung

Zukunftsbegriff* „Healing Architecture“: Dem Designkonzept zufolge können Heilungsprozesse und Wohlbefinden durch eine entsprechende Planung und Gestaltung von Gesundheitsbauten unterstützt werden. *„Zukunftsbegriff“ heißt eine Rubrik des enorm Magazins. Wir stellen Begriffe vor, die für den ökosozialen Wandel schon heute eine Rolle spielen, sicher aber morgen. Doch woher kommt das Wort – und wo will es hin? Das Erscheinungsbild von Gesundheitsbauten spielte lange Zeit keine Rolle. Dunkle Flure, sterile Plastikböden – Hauptsache funktional. Dabei trägt die Umgebung maßgeblich zum psychischen und physischen Wohlbefinden des Menschen bei. Healing Architecture fokussiert die Bedeutung der Umgebung für den Heilungsprozess. „Healing“ kommt vom altenglischen „hǣlan“ was soviel bedeutet wie „wieder gesund machen“. „Architecture“ leitet sich vom altgriechischen Wort „arkhitekton“ ab, was übersetzt „Baumeister“ bedeutet („arkhi“ = Meister, „tekton“ = Bauer). Auch auf enorm: Zukunftsbegriff „Die Schwammstadt“ Ziel von Healing Architecture ist es, Richtlinien für eine neurowissenschaftlich begründete Planung von Gesundheitsbauten zu entwickeln. Schon das Wort Gesundheitsbau statt Krankenhaus macht deutlich, worum es dabei geht. Faktoren wie Licht, Akustik, einfache Orientierung, die Gestaltung von Wänden und Böden, Mobiliar oder Zugang zur Natur …

Deshalb sollten wir Perfektionismus nicht verharmlosen

Das andauernde Streben nach Perfektion ist ein Symptom unserer Leistungsgesellschaft. Im System „Selbstoptimierung“ wird Perfektionismus als harmloser Charakterzug betrachtet. Problematisch dabei ist: Bei manchen Menschen kann Perfektionismus zu ernsten klinischen Erkrankungen führen. Nach den Stärken werden die Schwächen abgefragt, und das Bewerbungsgespräch wird spätestens durch die Antwort zum Klischee: „Ich verliere mich schon mal in Aufgaben, kann erst aufhören, wenn das Ergebnis perfekt ist.“ 2018 sagte der Psychologe Thomas Curran in einem TED Talk: „Perfectionism is everyone’s favorite flaw“ – unser aller Lieblingsschwäche. Ein Jahr zuvor stellte er in der Studie „Perfectionism is increasing over time“ fest: Die Mittzwanziger:innen von heute stellen höhere Ansprüche an sich selbst und verspüren mehr Druck von außen. Zwischen 1989 und 2016 stiegen die Werte für sozial auferlegten Perfektionismus um 33 Prozent, für selbstbezogenen um 10 Prozent und für „fremdbezogenen“, also auf Mitmenschen projizierten Perfektionismus, um 16 Prozent. Mögliche Gründe nennt der Bildungswissenschaftler Jaap van der Stel: die neoliberale Überzeugung, dass Erfolg und Glück reine Motivationssache seien, mehr Konkurrenz in einer globalisierten, „kleineren“ Welt und ständige Vergleichsmöglichkeiten, etwa durch Social …

Online-Training für die Psyche

Wenn die Stimmung sinkt und Schokolade nicht mehr hilft, nun, dann tut es vielleicht ein Online-Training für die Psyche. Gibt’s kostenfrei von der Krankenkasse. Ein Versuch. Manchmal hilft selbst der Griff zur Schokolade nicht mehr. Dann ist es da, das Stimmungstief. Schwere, graue Wolken vernebeln die Weltsicht und verhindern klare, positive Gedanken. Meine Seele hat leider manchmal eine Erkältung – unangenehm, aber es geht vorüber, das weiß ich mittlerweile. Dennoch interessiere ich mich für „Coping“-Strategien, wie die Bewältigung von Krisen jeglicher Art im psychologischen Jargon heißt. Das ist wie Sporttraining fürs Gemüt, auch wenn meine Disziplin manchmal zu wünschen übrig lässt. Ein Online-Programm des Get.On-Instituts, das meine Krankenkasse kostenfrei zur Verfügung stellt, soll mich nun gegen künftige Stimmungstiefs wappnen. Computer an und los – so einfach? Auch auf enorm: Mit Angst und Stress besser umgehen Das Versprechen des Programms: Es helfe mit praxisorientierten Übungen negative Denkspiralen zu durchbrechen, wenn der Stress überhandnehme. Es gelte, wieder schöne Routinen im Alltag einzubauen. Als ich mich anmelde, kündigen sich in Form der beginnenden Corona-Krise Stimmungstiefs ganz anderer Dimension …

Mit Angst und Stress besser umgehen

Die Corona-Krise kann die psychische Gesundheit belasten und stellt psychisch erkrankte Menschen vor besondere Herausforderungen. Doch es gibt Wege, um es gut durch diese Zeit zu schaffen.  Alleine zuhause, jeden Tag, vielleicht voller Sorgen um Familie, Freund*innen oder den Job: Die meisten Menschen belastet die Corona-Krise. Viele haben ältere, mitunter geschwächte Menschen in ihrem Umfeld, gehören vielleicht selbst einer Risikogruppe an. Und wie sollen jetzt die kleinen Kinder betreut werden? Solche Fragen können Stress oder Angst auslösen – gar zu einer depressive Episode führen. Für psychisch erkrankte Menschen bedeutet diese Situation mitunter eine besondere Belastung. Doch es gibt Wege, um mit der Krise besser umzugehen. Struktur schaffen Monika Lederer, Fachärztin für psychotherapeutische Medizin in München, sagt: „Wir müssen uns klar machen, dass es eine Zeit danach geben wird und dass die Lebenslust dann dreifach zurückkommen wird. Aber sich das als Ufer, an das man sich retten muss, ständig vor die Nase zu halten, fände ich fatal, weil die Situation, wie sie jetzt ist, dann umso frustrierender wäre.” Man solle stattdessen versuchen, auch die aktuellen Tage …