Jäger der verlorenen Reben

In Georgien wird seit 8.000 Jahren Naturwein In Ton-Amphoren hergestellt. Die Winzer:innen des Landes wollen ihren Wein im Westen berühmt machen – und der Abhängigkeit von Russland entkommen. Dieser Text erschien in der Ausgabe Dezember/Januar 2021 des enorm Magazins mit dem Titel „Im Osten viel Neues“. Irakli Cholobargia ist aufgeregt. Seine Augen leuchten hinter der Hornbrille, wieder und wieder fährt er sich mit der Hand durch den dichten Bart. „Wenn du in Georgien in der Pubertät steckst, sagen wir wörtlich, du wirst wie Wein“, erzählt er. „Erst fermentierst du: Alles verändert sich und wird wild. Dann setzt es sich, und irgendwann bist du reif.“ Cholobargia hat ein paar befreundete Winzer:innen in die kleine Weinboutique in der Eristavi-Khoshtaria-Straße in Tiflis eingeladen, um seinen ersten selbst gekelterten Wein zu verkosten. Getauft hat er den hellroten Tropfen The Wet Dog. Er war das prätentiöse Gehabe auf Weinlabels leid. Als seine Freund:innen die Flasche mit dem blöd dreinblickenden Hund auf dem Etikett sehen, kichern sie. Cholobargia ist zwar noch nicht lange Winzer, aber alle, die in Georgien irgendetwas mit Wein …