Eine Reise durch mein Wohnzimmer

In Corona-Zeiten wird Reisen zum Traum. Na und? Ein Selbstversuch in der eigenen Wohnung Wie groß und luftig mein Wohnzimmer von hier oben wirkt. Eine leere Weite, im Unterschied zu unten, wo Pflanzen, Deko und Möbel kuscheln. Unter ihnen das alte Küchenbüfett, auf dem ich gerade stehe, um einen radikalen Perspektivwechsel auf mein Reich und die Dinge darin hinzubekommen. Der Aufstieg hat sich gelohnt. So dicht unter der Zimmerdecke ist nichts, außer den bunten chinesischen Weihnachtskugeln, die ich vom Boden aus gar nicht mehr wahrgenommen habe. Wie viele Jahre hängen die schon dort über dem Regal mit den Wörterbüchern und der Grammatik aus dem Studium? Warum hebe ich letztere noch auf? Reine Nostalgie?  Viele Dinge in unseren Wohnungen erzählen Geschichten. Von Reisen, von unserer Vergangenheit oder von Fremden, die die Gegenstände hergestellt haben. Vor drei Monaten hatte ich online einen Sessel bestellt. Vorgestern wurde er geliefert. Ob die chinesischen Arbeiter, die ihn gebaut haben, wegen des Coronavirus’ wochenlang in ihren Wohnungen festsaßen wie wir jetzt? Leben sie überhaupt noch? Wie sieht ihr Alltag aus? Im …

Nachhaltig Reisen

„Die Kunden sollten Druck machen”

Mehr als die Hälfte der Urlauber will nachhaltig reisen, aber nur wenige entscheiden sich bei sonst vergleichbaren Angeboten für das nachhaltige. Warum? Wir haben bei Claudia Brözel, Professorin für Tourismusökonomie und digitale Transformation, nachgefragt. Prof. Brözel, warum reisen wir nicht nachhaltig? Die „Findus“-Studie des Instituts für Tourismusforschung (NIT) gibt einige Anhaltspunkte: Die meisten suchen erst gar nicht nach nachhaltigen Angeboten. Über Jahrzehnte hat uns die Branche beigebracht, nach anderen Kriterien vorzugehen, Preis und Destination. So sortiert sie ihre Produkte, danach richten wir uns. Und es gibt schlicht kaum Alternativen. Versuchen Sie mal nach „nachhaltigen Reisen“ zu suchen – da kommt fast nichts. Zudem ist nachhaltig Reisen immer noch wahnsinnig teuer. Eine Zugfahrt für vier Personen und einen Hund nach Schweden zu buchen kostet richtig viel Geld. Welche Familie kann sich das leisten? Und wir dürfen nicht vergessen: Bei solchen Umfragen geben viele sozial erwünschte Antworten. Wer sagt schon freiwillig, „Umweltschutz, faire Gehälter? Mir doch egal.“? Jeder muss bei sich anfangen, und das auch gern in kleinen Schritten, um nicht in Schockstarre zu verfallen. Claudia Brözel, …

GOOD NEWS

Fair vermieten mit Fairbnb, erstes Recycle-Einkaufszentrum, innovativer Energiespeicher

Um dem gegenwärtigen Gentrifizierungstrend in europäischen Großstädten entgegenzuwirken, hat der Amsterdamer Stadtplaner Sito Veracruz die Kooperative “Fairbnb” gegründet; die ReTuna Återbruksgalleria im schwedischen Eskilstuna ist das erste Einkaufszentrum der Welt, das ausschließlich wiederverwertete oder nachhaltig produzierte Produkte anbietet; und Forscher des MIT haben einen neuen Energiespeicher entwickelt, der das große Problem der Speicherung erneuerbarer Energien lösen und eine kleine Stadt mit Strom versorgen könnte: Das sind die Good News des Tages

Tech-Start-up Nightbank

Crowdfunding trifft Gastfreundschaft

Normalerweise heißt es ja: Jeden Tag eine gute Tat. Bei Nightbank ist es wohl eher mit jeder Nacht. Denn mit normalen Übernachtungen in privaten Unterkünften kann man über die Plattform soziale und ökologische Projekte unterstützen Nichts am eigenen Konsum ändern und trotzdem Gutes tun – immer mehr Social-Start-ups erkennen, dass es durchaus leichter sein kann, bestehende Geldströme anzuzapfen, statt komplett neue zu schaffen. Die Verbraucher zahlen meist nicht mehr, bekommen die gleiche Leistung und tun nebenbei noch etwas Gutes. Das haben auch Michael Hoffmann und das Team von Nightbank erkannt. Wie Hoffmann selbst sagt, kombiniert das Start-up dafür verschiedenste Aspekte: „Es ist eine Mischung aus Tech-Start-up und Entwicklungshilfeorganisation, aus Crowdfunding und Gastfreundschafts-Plattform.“ Etwas plastischer gesprochen: eine Kombination aus Airbnb und Kickstarter. Das Konzept von Nightbank ist dementsprechend auch recht schnell erklärt: Über die Plattform kann man Übernachtungen in privaten Unterkünften buchen. Ein Teil der Einnahmen fließt dann an soziale und ökologische Projekte auf der ganzen Welt. Dafür hat das Team um Hoffmann vor etwas mehr als einem Jahr die Plattform komplett neu entwickelt. Wer will, stellt auf …