Warum finden wir weibliche Körperhaare eklig?

Das Stigma der Körperbehaarung hat eine lange Geschichte – und ist für alle Geschlechter belastend. Langsam, aber sicher wachsen mir Schnurrhaare. Meinem anfänglichen Schock entgegneten freundliche Kommentator:innen, das Stigma weiblicher Körper- und Gesichtsbehaarung sei ein koloniales und patriarchales Erbe. Allein durch die Zurschaustellung von ein paar Haaren schien ich also gleich gegen zwei Systeme zu rebellieren, die ich verachte. Not bad. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt schnell: Das Entfernen von Körperhaaren ist kein reines Erbe aus dem europäischen 20. Jahrhundert, sondern zieht sich durch alle Epochen und Kontinente. Meist ging es dabei um Hygiene: Im alten Ägypten schoren sich Männer wie Frauen Körper und Schädel, um Läuse zu vermeiden, und kreierten so ein neues Schönheitsideal. Während ein Rauschebart im antiken Mesopotamien und Griechenland das absolute Must-have für Männer war, galt in Rom das genaue Gegenteil. Einigen Quellen zufolge enthaarten griechische Männer und der römische Kaiser Augustus auch ihren restlichen Körper mithilfe spitzer Muscheln. Es gab jedoch auch einige Völker, bei denen dichte Behaarung als sexy galt. So erzählte die kanadische Haar-Aktivistin Esther Calixte-Béa, …

Spritzen ist politisch

Auch Frauen können beim Sex ejakulieren. Darüber spricht jedoch kaum jemand. Ein neues Buch zeigt, wie das Wissen um spritzende Vulven immer wieder vergessen wurde – und macht klar: Wir brauchen eine zweite sexuelle Revolution. Nass spritzt es aus der Vulva einer Frau. Ein durchsichtiger Schwall ergießt sich auf ihren Schenkeln, durchfeuchtet das Bettlaken. Die Frau squirtet. Der unabhängig produzierte Film Female Ejaculation & other Mysteries of the Universe (2020) von Julia Ostertag zeigt hier zwar eine intime, private Szene im Schlafzimmer, doch was hier geschieht ist politisch. Denn es zeigt einen Aspekt weiblicher Sexualität, der für viele ein Tabu ist. Auch für die Kulturwissenschaftlerin Stephanie Haerdle ist es ein politischer Akt, weibliches Spritzen sichtbar zu machen, also diejenige Flüssigkeit, die bei sexueller Stimulation meist kurz vor oder während des Orgasmus und oft in größerer Menge als „normale” Lubrikation auftritt. Medizinisch kann zwischen weiblicher Ejakulation (aus der Prostata) und dem Squirting (aus der Blase) unterschieden werden, die auch unmittelbar nacheinander oder gleichzeitig auftreten können. In ihrem Buch bezieht sich Haerdle hauptsächlich auf die Ejakulation, thematisiert …