Ein Roggen, der allen gehört

Wenige Konzerne beherrschen den weltweiten Handel mit Getreidesaatgut. Die Initiative Open Source Seeds will das ändern. Dieser Text erschien in der Ausgabe Juni/Juli 2022 des enorm Magazins. Du kannst sie bei GoodBuy versandkostenfrei und klimapositiv bestellen. „Da ist sie“, sagt Rebeka Catalina Trulsen mit einem liebevollen Blick und schiebt die üppigen Blätter der Zitronenmelisse beiseite: „Black Heart Chili“, eine zarte Pflanze, die in ein paar Monaten schwarze, am Ende rote Schoten tragen wird. Für die 39-Jährige ist nicht nur die Schönheit der Früchte aufregend, es sind vor allem die Gene, die in der Chili stecken. Das Beet im Gemeinschaftsgarten auf dem Tempelhofer Feld in Berlin ist nämlich nicht irgendein Beet. Alles, was hier wächst, ist aus samenfesten Sorten gezogen oder stammt aus „Open Source“-Saatgut wie die Chili oder die TUmate, eine stolze Tomatenpflanze, die Studierende der TU Berlin gezogen haben. Die Idee von Open-Source-Saatgut ist recht neu. Es ist ein praktischer Versuch, der Macht großer Chemie- und Saatgutkonzerne entgegenzuwirken, die immer mehr Pflanzen als ihre Erfindung deklarieren wollen. Dass die EU tatsächlich Patente auf Saatgut …