Zwölf Fragen an Sarah-Lee Heinrich

Sarah-Lee Heinrich, geb. 2001, ist seit Oktober 2021 Bundessprecherin der Grünen Jugend und Mitglied im Landesverband Nordrhein-Westfalen. Zudem studiert sie Politikwissenschaften und Soziologie. Themen ihrer politischen Arbeit sind vor allem Soziales, Arbeit, Wirtschaft, Antirassismus und Feminismus. Wer möchtest du sein, wenn du groß bist? Ein glücklicher Mensch, der dazu beigetragen hat, die Gesellschaft zu einem gerechteren Ort zu machen. Welches Tabu würdest du am liebsten sofort enttabuisieren? Dass wir nicht offen über prekäre Arbeit, Geld und Armut sprechen. Wir lösen die Klimakrise, indem … … wir für einen Schulterschluss von Klimabewegungen und Arbeiter:innen kämpfen und gemeinsam jene in die Verantwortung ziehen, die mit der Zerstörung unserer Lebensgrundlage Profite machen. Wovor bist du schon mal weggerannt? Davor, einen Streit mit einem gutem Freund zu schlichten, vor langer Zeit. In welche Zeit würdest du gerne reisen? Zum 31.12.1999, nur um auch dabei gewesen zu sein. Jahrtausendwenden gibt es ja nicht so oft. Was möchtest du lernen? Rollschuh und Schlittschuh fahren, davor habe ich etwas Angst. Was glaubt dir kein Mensch? Dass es mir wirklich egal ist, wie …

Osteuropa kann mehr als Krise

Drei Jahrzehnte nach dem Zerfall der Sowjetunion blickt der Westen immer noch auf Osteuropa herab. Zeit, das zu ändern. Denn die Region strotzt nur so vor sozialen Start-ups, vielfältiger Kultur und dem politischen Willen nach einer gemeinsamen europäischen Zukunft. Was meint der Westen, wenn er vom Osten spricht? Im neuen Asterix und Obelix-Band verschlägt es die Gallier dorthin. Er wird als dunkler, nebelverhangener Fleck an der Grenze zu Deutschland dargestellt und „Barbaricum“ genannt. Im Laufe der Geschichte tauchen langbeinige Schönheiten mit Namen wie „Kalaschnikova“ auf, die Sonne scheint niemals und das Essen ist fettig und ranzig. Die deutsch-polnische Journalistin und Osteuropaexpertin Alice Bota begründet in ihrem neuen Buch Die Frauen von Belarus das geringe westeuropäische Interesse an den Protesten gegen die grausame Diktatur in Belarus mit einer gedanklichen Distanz, die den Osten Europas als weit weg, irrelevant und rückständig erscheinen lässt. Sie zitiert Konrad Adenauer, der sogar gesagt haben soll, für ihn beginne „die asiatische Steppe gleich hinter Braunschweig“. Alles jenseits dieser Grenze erscheint als ominöse Einheit. Bota schreibt: „Der Osten, das war damals die …

Mit Superheld:innen für die Wissenschaft begeistern

Ein Bildungsprojekt in Südafrika möchte junge Menschen mit Sammelkarten im Superheld:innenstyle für die Wissenschaft begeistern. https://enorm-magazin.de/wp-content/uploads/Episode_31_Superscientists.mp3 Diesen Artikel kannst du dir auch vorlesen lassen! Den enorm Podcast „Zukunft hörst Du hier an“ findest du auf Spotify, Apple Podcasts und überall da, wo es Podcasts gibt, sowie über den RSS-Feed. Ihre Hände greifen in die Wellen, wirbeln das Wasser nach oben: Nitro! So heißt die Superheldin im grau-goldenen Anzug. In der Zeichnung auf der kleinen rechteckigen Sammelkarte lächelt sie, auf ihrer Brust prangt 15N, die Bezeichnung für Stickstoff-15. Dieses Isotop beschäftigt Kolisa Yola Sinyanya in ihrer Doktorarbeit, die sie am Institut für Ozeanforschung der Universität Kapstadt schreibt. Und deshalb gibt es Nitro. Vor gut einem Jahr wurde Sinyanya zur Super-Wissenschaftlerin – SuperScientist. Das gleichnamige südafrikanische Projekt inszeniert afrikanische Forscher:innen als Comic-Superheld:innen, um junge Menschen für Naturwissenschaften zu begeistern. Denn in Südafrika ist das Bildungssystem noch immer von rassistischen Strukturen geprägt: Nur 9 Prozent der Schwarzen machen einen weiterführenden Abschluss, etwa an der Uni, nur 8 Prozent der „Coloureds“ (Selbstbezeichnung einer südafrikanischen Ethnie). Bei weißen Südafrikaner:innen sind es hingegen 38 Prozent. Die Sammelkarte …

Transkript: Good News enorm Podcast Folge 35

Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 35 von „Good News enorm“. Im Gefängnis werden die Insass:innen auf ein Leben in Freiheit ohne Straftaten vorbereitet. Soweit die Theorie. In der Realität wird jede:r dritte Gefangene in Deutschland drei Jahre nach der Entlassung wieder straffällig. In Haft leben sie abgeschottet von der Gesellschaft, oft in überbelegten Einrichtungen ohne Perspektiven. In dieser Folge sprechen wir über humane, wirksame Maßnahmen zur Resozialisierung straffälliger Menschen. Die Basis heißt Vertrauen – das norwegische Gefängnissystem macht’s vor. Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. In dieser Folge sprechen Good-News-Redakteurin Bianca Kriel und Miriam Petzold, Redakteurin beim enorm Magazin, über humanen Strafvollzug.  Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News enorm – gute Nachrichten und konstruktive Gespräche! Ein Podcast von Good News und dem enorm Magazin. Heute geht es um Gefängnisse. Aber erst einmal: Der gute Nachrichten Überblick. Auf der Weltklimakonferenz in Glasgow haben sich 24 Staaten und sechs große Autohersteller darauf verständigt, bis spätestens 2040 keine Verbrennungsmotoren mehr verkaufen zu wollen. In den führenden Märkten …

„Wir sollten die Taten verurteilen, nicht die Menschen“

Viele Inhaftierte werden nach ihrer Entlassung wieder straffällig. Machen Gefängnisse die Gesellschaft wirklich sicherer? Ideen für einen humanen und wirksamen Strafvollzug. „Die Werte einer Gesellschaft zeigen sich in ihrem Umgang mit Straffälligen.“ Diese Haltung können sich nur wenige Staaten leisten, Norwegen etwa. Hat ein Vergewaltiger das Recht auf ein helles Zimmer mit Fußbodenheizung, Flat-Screen und Spielekonsole? Klar. Sollten Mörder:innen die Schlüssel zu ihrer Zelle haben und beim gemeinsamen Kochen mit scharfen Messern hantieren? Warum nicht. Aufnahmen der Gefängnisse „Halden“ und „Bastøy“ gehen wie Postkarten einer Justiz-Utopie um die Welt. Ausländische Presse und Politiker:innen kommen, staunen, sind neidisch. Denn Norwegen hat eine der weltweit niedrigsten Rückfallraten: Nur 20 Prozent der Entlassenen werden wieder straffällig. Noch dazu sei das System günstiger. Die hohen Kosten jeder Inhaftierung werden laut Manudeep Bhuller, Ökonom an der Universität Oslo, mehr als zweifach ausgeglichen, weil Ex-Häftlinge seltener rückfällig werden und schneller Jobs finden. Norwegens Lösung – eine für alle? „Jedes Haftsystem ist eingebettet in einen Kontext“, sagt Frans Douw. Als eines der reichsten Länder der Welt mit einem starken Sozialwesen, einer dünnen …

Zwölf Fragen an Felix Lobrecht

Kürzlich wurde der Deutsche Comedypreis 2021 verliehen. Felix Lobrecht, geb. 1988, durfte sich gleich zweimal freuen: Er wurde als bester Comedian ausgezeichnet und gewann zusammen mit Tommi Schmitt den Preis für den „Besten Comedy Podcast“ für das gemeinsame Erfolgsformat „Gemischtes Hack“. 12 besondere Fragen an den Berliner Entertainer Wer möchtest du sein, wenn du groß bist? Ein genügsamer Typ, der glücklich und zufrieden ist mit dem, was er hat, umgeben von Menschen, die ihm wichtig sind. Nicht mehr so rastlos und on the run. Bisschen spießig, aber nicht zu sehr. Welches Tabu würdest du am liebsten sofort enttabuisieren? Psychotherapie. Wir lösen die Klimakrise, indem … Don’t know. Vermutlich, indem wir auf die Expertinnen und Experten hören. Und mit „wir“ meine ich sowohl die normalen Menschen als auch die in politischer Verantwortung. Wovor bist du schon mal weggerannt? Früher vor Gleichaltrigen, die mich boxen wollten (Neukölln represent), heute meistens vor mir selbst und meinen Problemen. Ich arbeite aber dran. In welche Zeit würdest du gerne reisen? 2036 würde ich mir gerne anschauen, um zu wissen, was …

Ost und West

Warum wir unsere Vielfalt feiern sollten

Nach 30 Jahren Einheit scheint Deutschland gespalten wie nie zuvor. Stimmt das? Was unterscheidet Ost und West heute noch? Der Sozialwissenschaftler Daniel Kubiak hat sich auf die Suche gemacht. Im 30. Jahr der Einheit läuft noch ein Graben zwischen Ost und West, oder? Einspruch. Das Narrativ stimmt aus sozialwissenschaftlicher Perspektive nicht. Der Osten steht zwar schlechter da bei den Einkommen, bei Eigentumsverteilung, Rentenhöhe, in der Zahl der Krankenhäuser oder beim öffentlichen Nahverkehr. Aber erstens gibt es ähnlich große Unterschiede etwa zwischen dem Ruhrgebiet und München. Zweitens hängt die Bewertung von der Perspektive ab. So liegt das Wirtschaftsniveau im Osten bei 75 Prozent des Westniveaus. Man kann also sagen: Der Osten hinkt hinterher. Man kann aber auch sagen: Der Osten ist sehr erfolgreich. Denn das Wirtschaftsniveau ist im Osten seit 1990 von 43 Prozent auf 75 Prozent angestiegen. Und in der politischen Haltung? Mach’s gut! Unterstütze unsere publizistische Unabhängigkeit Um möglichst viele Menschen zu erreichen, möchten wir die Inhalte auf enorm-magazin.de frei zugänglich halten und auf Bezahlschranken verzichten. Mit deinem Beitrag unterstützt Du uns dabei! Jetzt …