„Mitbestimmung ist im modernen Sportunterricht ganz wichtig“

Immer noch schneller, höher, weiter? Nein, Sport hat sich als Schulfach längst weiterentwickelt. Es geht nicht nur um Leistung, sondern auch um Perspektivenvielfalt und ein tieferes Verständnis von Bewegung. Ein Gespräch mit der Sportdidaktikerin Julia Hapke, Juniorprofessorin an der Universität Tübingen, über engagierte Lehrer:innen und Kinder mit Gestaltungsfreiheit. Bestenauswahl, Wettkampfstress und schon wieder als letztes Kind in die Mannschaft gewählt – auch heute noch ist Sportunterricht für viele Schüler Horror. Warum ändert sich das Fach so wenig? Julia Hapke: In den vergangenen Jahren hat sich durchaus einiges getan. Die meisten Sportpädagog:innen haben längst Abschied genommen von einer reinen Leistungs- und Wettkampffokussierung und dem alten Kanondenken im Sport – Leichtathletik, Turnen, Fußball. Auch weil sich Sport in unserer Gesellschaft ständig verändert, zum Beispiel durch die Fitnesskultur und informelle Bewegungsangebote. Slackline im Park, Fitness-Yoga auf Youtube, Parkour in der Stadt. Ein Kanon von Sportarten im Unterricht würde dieser Vielfalt gar nicht mehr gerecht. Was sollen Schüler:innen denn heute im Sportunterricht lernen? Zum einen sollen sie die Kultur des Miteinanders im Sport und in unserer Gesellschaft verstehen lernen. …

Softball hinter Gittern

In der Justizvollzugsanstalt Heinsberg trainieren Inhaftierte und Ehrenamtliche zusammen Softball. Was macht es mit den Gefangenen, wenn der Vereinssport zu ihnen kommt? Dieser Text erschien in der Ausgabe April/Mai 2022 des enorm Magazins mit dem Titel: „Der Sport gehört uns – Gemeinschaft statt Kommerz: Diese Initiativen und Athlet:innen holen sich das Spiel zurück.“ Die Ausgabe kannst du bei GoodBuy versandkostenfrei und klimapositiv nachbestellen. „Plöng.“ Der neongelbe Ball klirrt auf den Schläger und saust über das Softballfeld. Es ist so abgesteckt, dass es spitz zuläuft und an die Form eines Diamanten erinnert. An der Spitze steht der „Batter“, auf Deutsch Schlagmann. Kurz blickt er dem Ball hinterher, dann geht ein Ruck durch seinen Körper, er läuft los. Bis zur First Base, der ersten Station von vier, um einen Punkt zu holen. Kühl und grell strahlen die Flutlichter von hohen Metallmasten herab auf den Kunstrasen. Oben an den Masten sind Drahtseile mit orange-weißen Kugeln befestigt. Als Netz schirmen sie das Feld ab – gegen Hubschrauber. Eine Sicherheitsvorkehrung gegen Fluchtversuche aus der Luft. Denn der Platz liegt hinter …

Sportvereine können mehr

Sportvereine können mehr als Turniere und Bierfest. Modernisieren sie sich, sind sie Stützpfeiler der Demokratie, sozialer Kitt und Jugendclub. Als Angela Verse-Aprile mit zehn Jahren in den „Turnverein von 1861“ einsteigt, hängt noch der Muff alter Zeiten im ehemaligen Männerturnclub des niedersächsischen 30.000-Einwohner:innen-Städtchens Verden. Doch Verse-Aprile liebt das Turnen. Mit fünfzehn schafft sie es zur Trainerin, ein Novum im Verein. Kämpft in den 1980er-Jahren, als die Fitnesswelle durchs Land schwappt, für eine moderne Nutzung der geplanten neuen Vereinshalle, Aerobic, Steptraining, Bauch-Beine-Po-Kurse – Spiegelwand und Musikanlage inklusive. „Wir sind doch keine Disco!“, „Wo bleibt unser Turnsport?“, schimpfen die Alteingesessenen. „Die Welt dreht sich weiter“, entgegnen die Modernisierer:innen. Und gewinnen. Zwei Jahre nach Hallenneubau und Konzeptwechsel hat sich die Mitgliederzahl des Vereins verdoppelt. Das Sich-immer-wieder-neu-Erfinden ist seitdem Teil seiner DNA. Verse-Aprile: „Das macht uns stark.“ Seit 2002 ist sie hauptamtliche Geschäftsführerin des „Turnvereins von 1861“. Mit mehr als 1.000 Mitgliedern ist er heute der größte in der Region. Das Vereinswesen gehört zu Deutschland wie die Bratwurst und das Schützenfest. Vor knapp 200 Jahren von der Obrigkeit erdacht, …

Erfinden wir einfach das Gewinnen neu

Spiel und Wettkampf werden seit jeher kommerzialisiert: schwindelerregende Summen für Gehälter und Bauprojekte, miese Deals mit Autokratien. Doch es geht auch anders – inklusiv und fair. Bevor ich die Tür öffne, warte ich einen Moment. Dahinter wird gebrüllt, gelacht, geschnattert. Wohl fühle ich mich nicht. Denke mir, das war eine blöde Idee. Tür auf. Halbdunkel, durch ein staubiges Oberlicht fallen Sonnenstrahlen. Drinnen im braun gekachelten Schlauch tobt zwischen zwei Bänken eine Horde Jungs. Kurz ist es still. Alle gucken. Ich schwitze und verfluche meine Mutter, die mir erst kürzlich eine zwar besonders biegsam-robuste, aber knallbunte neue Brille verpasst hat. Ich presse mich in die Ecke rechts hinter der Tür. Der letzte freie Platz, dann fliegt mir die Tür auch schon entgegen. „So, nicht rumeiern, raus mit euch, auf’n Platz“, höre ich eine kräftige Stimme. Die erste Kohorte verlässt die Box. Mein Gefängnis öffnet sich wieder. Vor mir ein Rücken, auf dem der Vereinsname prangt. Der Typ dazu, getönte Sonnenbrille, Goldkette, Vokuhila, dreht sich um: „Wer hat die Brille ausgesucht? Geh zu den anderen, Lange. Du …

Good News

„Zentrum für Safe Sport“ soll Athlet*innen vor sexueller Gewalt schützen; wie die Umlegung von Anbauflächen das Klima schützen könnte; selbstfahrende E-Lkws, die nachhaltig Strom erzeugen

Das „Zentrum für Safe Sport“ soll Sportler*innen in Deutschland künftig besser vor sexueller Gewalt schützen; wie die Umlegung von Anbauflächen das Klima besser schützen kann; und Forschende wollen mit selbstfahrenden Elektro-Lkws nachhaltigen Strom in Gebirgen erzeugen: Das sind die Good News des Tages

Erfolg zahlt sich für US-Fußballerinnen endlich aus

Die US-Fußballerinnen sind Olympiasiegerinnen und Weltmeisterinnen – und damit deutlich erfolgreicher als Ihre männlichen Kollegen. Die Herren aus dem Nationalteam werden aber vom Verband deutlich besser bezahlt. Bis jetzt. Angeführt von Starspielerin Megan Rapinoe haben die US-Fußballerinnen im Kampf um Gleichstellung einen historischen Sieg errungen. Nach jahrelangem Rechtsstreit erhalten die Fußballerinnen künftig vom US-Verband die gleiche Bezahlung wie die Männer. „Das ist ein großer Gewinn für alle Frauen. Ich denke, wir werden einmal auf diesen Tag zurückblicken und sagen, dass dies der Moment ist, in dem sich der US-Fußball zum Besseren verändert hat“, sagte Rapinoe am Dienstag in der US-Fernsehshow „Good Morning America“. Laut Vergleich wird der US Soccer den Spielerinnen 22 Millionen US-Dollar zahlen, zudem werden weitere zwei Millionen US-Dollar in einen Fonds fließen, der den Frauen- und Mädchenfußball unterstützt sowie die Spielerinnen nach ihrer Karriere fördert. „Wir freuen uns, mitteilen zu können, dass wir – vorbehaltlich der Aushandlung eines neuen Tarifvertrags – unseren langjährigen Streit um gleiches Entgelt beigelegt haben und stolz zusammenstehen, um uns gemeinsam für die Förderung der Gleichstellung im Fußball …

Good News

Podcast: Wir feiern Jubiläum – und blicken hinter die Kulissen, Co-Mutterschaft für verheiratete Frauenpaare in Deutschland, Emoji eines schwangeren Mannes für mehr Diversität

Zu unserem Good News enorm Podcast Jubiläum blicken wir hinter die Kulissen und beantworten Fragen aus unserer Community; Justizminister Marco Buschmann will Co-Mutterschaft für verheiratete Frauenpaare anerkennen; neuer Emoji eines schwangeren Mannes bricht mit Geschlechtergrenzen: Das sind die Good News des Tages

Good News

Eine Dachbeschichtung, die heizt und kühlt, Durchbruch in der Optogenetik, wo Kälber bei ihren Müttern aufwachsen dürfen

Forschende haben ein Beschichtungsmaterial für Dächer entwickelt, das sowohl als Klimaanalage, wie auch als Heizung fungieren kann; ein Forschungsteam hat mithilfe von Optogentik die Sehkraft eines blinden Probanden teilweise wiederhergestellt; und „De Öko Melkburen“ lässt Kälber bei ihren Mutterkühen aufwachsen: Das sind die Good News des Tages