Wie sich das Ökosystem von La Réunion erholt hat

Eine neue Arte-Dokumention zeigt auf, wie gut sich Ökosysteme und Meerestierbestände in nur zwei Jahrzehnten erholen können, wenn man sie unter Naturschutz stellt. Ti Bouchon erblickt das Licht der Welt, als seine Mutter ihn behutsam mit der Schnauze durch das tiefe Blau des Indischen Ozeans an die Wasseroberfläche stubst: hier wird der kleine Buckelwal seinen ersten Atemzug machen. In der 45-minütigen neuen Arte-Dokumentation „Wenn Wale uns den Weg weisen“ begleitet das Team um den französischen Regisseur Rémy Tézier die ersten Lebenswochen des Buckelwal-Babys Ti Bouchon, was auf französisch so viel bedeutet wie „kleiner Stöpsel.“ „Die Geburt des Jungen Wals ist ein Beweis dafür, dass sich die Natur ihre Rechte zurückholt“, erzählt die Stimme der französischen Umweltaktivistin und Schauspielerin Cécile de France aus dem Off. Ti Bouchon erblickt in den Gewässern des französischen Überseeterritoriums La Réunion, eine kleine Insel vor der Küste Madagaskars, das Licht der Welt. 42% der gesamten Inselfläche sind von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannt. Jedes Jahr im Südwinter der Insel tummeln sich hier über hundert Buckelwale, die den weiten Weg von der …

„Kolonialismus in grünem Gewand“

Die Sámi in Europa kämpfen gegen Diskriminierung und grünen Kolonialismus. Zwei Aktivistinnen erzählen. Warum sprecht ihr von grünem Kolonialismus? Eva Maria Fjellheim, 35, untersucht in ihrer Doktorarbeit an der Arctic University of Norway (UiT) den Konflikt der Hirten mit den Windpark-Investoren auf der Halbinsel Fosen: „Norwegen hat wie alle Länder zugestimmt, seine Emissionen zu reduzieren und Maßnahmen durchzuführen, die die Klimaerwärmung bremsen. Daher werden Investoren und Firmen großzügig subventioniert, die Windenergie-Vorhaben in Norwegen umsetzen wollen. Viele Windressourcen liegen in den Bergen, und die Berge sind traditionell wichtige Gebiete für die Rentiere und ihre Hirten. Das Weiden der Rentiere ist in den vergangenen Jahren im Winter immer schwieriger geworden, etwa durch unvorhersehbare Temperaturschwankungen, überdurchschnittlich starke Schneefälle und große Eisflächen auf den Weiden, die die Nahrungssuche für die Tiere unmöglich machen. Das sind alles Folgen des Klimawandels. Auch auf enorm: Indigener Umweltschutz weltweit. Die Pioniere der Nachhaltigkeit Zu diesen Schwierigkeiten für die Hirten kommen juristische Auseinandersetzungen über die Gebiete der Windenergie-Projekte. Zum Beispiel bei Europas größtem Festland-Windenergie-Projekt auf der Halbinsel Fosen, das Gegenstand eines Rechtsstreits zwischen Hirten und …

„Wir achten die Selbstbestimmtheit des Wassers”

Indigene Forscher*innen müssen mehr Gehör finden, fordert der Professor für indigene Klimagerechtigkeit Kyle Whyte. Im Gespräch erklärt er, wie das dem Umweltschutz dienen kann. Herr Whyte, worum geht es bei indigener Klima- und Umweltgerechtigkeit? Um Verbundenheit. Wir können auf die Klimakrise umso besser reagieren, je mehr Vertrauen wir herstellen – in unseren Beziehungen und in unserer Verantwortung für alles, mit dem wir uns die Umwelt teilen. Wir müssen uns fragen: Wie wollen wir unsere Verantwortung für unsere menschlichen und nichtmenschlichen Verwandten, wie ich das als indigener Forscher nenne, in einer komplexen Umwelt wahrnehmen, die sich permanent wandelt? Was heißt das konkret? Wir trennen nicht zwischen Mensch, Natur und Spiritualität. Wenn wir etwa eine Beziehung der Verbundenheit zum Wasser haben, achten wir das Einverständnis und die Selbstbestimmtheit des Wassers… …in westlichen Ohren klingt das seltsam… …aber es ist ein wichtiger Punkt. Denn es beschreibt eine Haltung, die handfeste Folgen hat: Wir verschmutzen Wasser nicht oder leiten es einfach um, nur weil wir uns irgendeinen Vorteil davon versprechen. Wenn wir uns mit Wasser verbunden fühlen, respektieren wir …

Indigene Perspektiven auf Nachhaltigkeit

Viele indigene Völker leben seit jeher nachhaltig. Doch anstelle von ihnen zu lernen, werden sie diskriminiert, verdrängt und ermordet. Auch in der aktuellen Coronakrise sind indigene Menschen besonders gefährdet. Indigene Rechte = Klimagerechtigkeit“, schrieb Greta Thunberg am 18. Februar 2020 auf Twitter. Damit machte die Aktivistin auf den Kampf von Angehörigen des indigenen Stammes der Wet’suwet’en in Kanada aufmerksam: Sie kämpfen gegen eine Pipeline in ihrem Territorium, die Erdgas ins Innere des Landes befördern soll. Im Februar 2020 blockierten die Demonstrant*innen – Stammesangehörige, aber auch Angehörige anderer indigener Gruppen und nicht-indigene Kanadier*innen,die sich mit ihnen solidarisierten – Straßen und Zugschienen im Bundesstaat British Columbia im Westen des Landes. Die Polizei nahm mehr als zwei Dutzend Menschen fest, um den Weg für die Bauarbeiten frei zu machen. Doch überall in Nordamerika gingen Menschen auf die Straße, um für die Rechte der Wet’suwet’en zu demonstrieren. Es geht den Wet’suwet’en bei ihrem Protest um zwei Dinge: Den Schutz der Natur vor weiterer Ausbeutung und den Schutz ihrer Lebensräume und ihrer Autonomie. Indigene Perspektiven: Umweltschutz als zentrales Thema Thunbergs …

Der Kampf gegen den Klimawandel muss auch jetzt weitergehen

Am Freitag startet der nächste globale Klimastreik der Fridays-for-Future-Bewegung: diesmal findet er digital statt. Warum wir auch im Kampf gegen die Coronakrise die Umwelt nicht vergessen dürfen und wie beides zusammenhängt, hat Sinnfluencerin Louisa Dellert für uns aufgeschrieben. Wir sitzen alle in einem Boot. Diese Redewendung benutzt man, wenn mehrere Menschen gleichermaßen von einer negativen oder unangenehmen Sache betroffen oder dafür verantwortlich sind. Vom Coronavirus sind wir alle betroffen. Damit meine ich die gesamte Menschheit. In diesen Tagen ist es egal, ob du viel oder wenig Geld hast. Ob du ein großes Auto fährst oder ein Fahrrad besitzt. Das Virus macht keinen Halt vor gesellschaftlichen Ungleichheiten. Und dann gibt es da noch etwas neben dem Virus. Etwas, von dem wir ebenso betroffen sind: den Klimawandel. Der Unterschied zum Virus: Vom Klimawandel sind wir nicht nur betroffen, sondern wir sind alle für ihn mitverantwortlich. Wir sehen aktuell in den Medien täglich herzzerreißende Bilder. Bilder, die veranschaulichen, wie plötzlich und unkontrolliert ein Virus Menschen aus dem Leben reißen kann. Wir nehmen die Gefahr wahr. Wir spüren sie. …

Podcasts

Nachhaltigkeit zum Anhören

Immer mehr Podcasts beschäftigen sich mit Nachhaltigkeit. Dabei geht es nicht nur um Umweltschutz und Klimawandel, sondern auch um Feminismus, alternatives Wirtschaften und soziale Gerechtigkeit. Wir haben auf Instagram gefragt, welche Podcasts ihr am liebsten hört. Zusätzlich dazu haben wir ein paar Hör-Empfehlungen zusammengestellt. Umweltschutz und Klimakrise SWR Aktuell Global Donnerstags geht es hier um Umwelt, Natur und Verbraucher-Themen. Das reicht von der UN-Klimakonferenz über Geoengineering bis hin zu Online-Shopping und Recycling. Umwelt und Verbraucher Die Sendung des Deutschlandfunks blickt von Montag bis Freitag auf die großen politischen Zusammenhänge, gibt aber auch konkrete Tipps für Verbraucher*innen im Bereich Umweltschutz. a mindful mess Die Aktivistin und Autorin Madeleine Darya Alizadeh, bekannt als DariaDaria, spricht über Nachhaltigkeit und Themen rund um Selbstfindung. Mach’s gut! Unterstütze unsere publizistische Unabhängigkeit Um möglichst viele Menschen zu erreichen, möchten wir die Inhalte auf enorm-magazin.de frei zugänglich halten und auf Bezahlschranken verzichten. Mit deinem Beitrag unterstützt Du uns dabei! Jetzt unterstützen! SWR Aktuell Klimazentrale ARD-Umweltexperte Werner Eckert und Umweltökonom Tobias Koch suchen jeden Freitag nach Antworten zu Klima- und Umweltfragen. Fairquatscht Die …

Aboriginals und die Buschfeuer

„Wir wissen am besten, wie man Australien beschützt”

Die Aboriginal People in Australien werden in die Bekämpfung der Buschfeuer nicht miteinbezogen. Dabei haben sie effektive Feuermanagement-Techniken, die sie seit Tausenden von Jahren anwenden. Sie fühlen sich von der Regierung ignoriert und im Stich gelassen. „Feuer ist nicht der Gegner. Feuer muss benutzt werden, um sich um ‘Land’ zu kümmern.” Oliver Costello klingt erschöpft, als er diesen Anruf entgegennimmt. Seit zwölf Stunden arbeitet er ununterbrochen in seinem Büro im australischen Bundesstaat New South Wales. Wenn Costello „Land” sagt, meint er nicht die Nation Australien. Er meint auch nicht Land im Sinne von Raum oder Boden. Das Wort „Land” wird von den Indigenen Australiens benutzt, um sowohl ein Ökosystem, als auch den spirituellen Raum, der mit diesem Ökosystem verflochten ist, zu beschreiben: Es geht um die Beziehung zwischen Mensch, Land, Tieren und Pflanzen. In diesem Verständnis hat der Mensch eine Verantwortung, sich um dieses sensible Ökosystem zu kümmern: Feuer spielt dabei eine zentrale Rolle. Als „Cultural Burning” werden die uralten Techniken der Aboriginals bezeichnet, kontrollierte Feuer zu legen, gefährliche Brände zu verhindern, mit Feuer so …

Deutsche Feuerwehrfrau in Australien

„Es regnete glühende Asche”

Juliane Hansen ist als Au-pair nach Australien gegangen. Schon in Deutschland war sie in der freiwilligen Feuerwehr aktiv. Als die Buschfeuer immer schlimmer wurden, war für sie klar, dass sie helfen will. Hier erzählt sie von ihrem Einsatz als Feuerwehrfrau in Australien. Ich heiße Juliane Hansen. Ich bin 20 Jahre alt und komme aus Norderstedt. Seit August vergangenen Jahres arbeite ich als Au-pair im Südwesten Australiens. Meine Gastfamilie lebt in der Nähe von Queanbeyan, 15 Autominuten von der Hauptstadt Canberra entfernt. Ich lebe also nicht weit von einer großen Stadt, konnte aber gleichzeitig auch das Leben auf einer kleinen Farm auf dem Land kennen lernen. Die zwei Kinder, für die ich verantwortlich bin, sind bereits etwas älter: neun und elf Jahre. Ich betreue die Kinder während der Zeit, in der ihre Eltern arbeiten. Ich helfe den beiden bei den Hausaufgaben und fahre sie auch zu ihren Freizeitaktivitäten. Deutsche Feuerwehrfrau in Australien: „Mein erster Einsatz war am 21. Dezember …” Juliane Hansen in ihrer Feuerwehr-Uniform. Sie hat bereits zwei Einsätze absolviert. BILD: Privat Feuerwehrdienst ist für …

Wald als Investment

Forst For Future

Heute säen, im nächsten Jahrhundert ernten – kaum ein Investment ist so sinnstiftend und so langfristig wie das in Wald. Gerade das kann dieses Segment attraktiv machen. Meint ein erfahrener Waldbesitzer. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts und bis 1945 bewirtschaftete die Familie von der Osten den Blumberger Wald im Norden Brandenburgs. Das Herz meines Großvaters Henning schlug so sehr für den Wald, dass er als promovierter Volljurist in Eberswalde noch Forstwirtschaft studierte. Ihm war bewusst, dass der Wald im Spannungsfeld zwischen sozialer und ökologischer Verantwortung sowie wirtschaftlicher Notwendigkeit steht. Er ließ ein Drittel des Blumberger Waldes unter Naturschutz stellen. Die Satzung, die er seinerzeit aufsetzte, diente nach der Wiedervereinigung als Vorbild für viele Naturschutzgebiete in ganz Brandenburg. 1997 kaufte die Familie einen großen Teil dieses Waldes vom Staat zurück. Heute bewirtschafte ich ihn. In diesen Herbsttagen gehe ich besonders gern, am liebsten unmittelbar nach dem Regen, durch unseren Wald. Dann duftet es intensiv nach feuchtem Laub. Es sind klitzekleine Schimmelpilze im Erdboden, die wohlriechende Öle hervorbringen, die nach dem Regen die Luft so wunderbar anreichern. …