Wir müssen Menschen mit Behinderungen endlich konsequent mitdenken

Pandemie, Ukraine-Krieg, Klimakatastrophe: Menschen mit Behinderungen und ihre Rechte werden in Krisenstrategien oft vergessen. Die EU-Abgeordnete Katrin Langensiepen von den Grünen kämpft dafür, genau das zu ändern. Ein Gespräch über eigentlich unstrittige Grundrechte, Sichtbarkeit und Vorbilder. Sie haben Mitte Juni an der jährlichen UN-Konferenz in New York teilgenommen, die die Umsetzung des 2008 in Kraft getretenen Übereinkommens über die Rechte von Menschen mit Behinderungen überprüft. Wie fällt Ihr Fazit, insbesondere auch aus deutscher Sicht, aus? Katrin Langensiepen: Grundsätzlich war diese Konferenz eine Mahnung an die Welt, an die EU, dass wir immer noch daran scheitern, Menschenrechte aus der UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. Wir sind noch nicht da, wo wir sein müssen, wenn es darum geht, selbstbestimmtes gleichberechtigtes Leben zu fördern und individuelle Assistenzen zu stärken. Dabei ist der klare Appell, auch an Deutschland: Kein Geld mehr in Sondereinrichtungen fließen lassen, dafür in individuelle, inklusive Lösungen investieren. Deutschland ist mit 320.000 Beschäftigten in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM) das Land mit den meisten dort Beschäftigten EU-weit. In New York wurde ich auf diesen unhaltbaren Zustand immer wieder …