Mein Blut kann Leben retten

Seit Beginn der Pandemie sind Blutkonserven knapper denn je, Spender:innen werden händeringend gesucht. Unsere Autorin Theresa Lang hat sich überwunden. Nadeln, Spritzen, Blut – alles, was unter die Haut geht, ist mir nicht geheuer. Aber mein Blut kann Leben retten, dafür lohnt sich doch ein kleiner Pieks in die Armbeuge, oder? Das habe ich gedacht, als ich vor einer Woche meinen Termin beim DRK-Blutspendedienst vereinbart habe. Heute, auf dem Weg zum Spendezentrum im Leipziger Osten, bin ich mir nicht mehr so sicher. Schon am Empfang gibt es den ersten Pieks. Ein Blutstropfen aus meiner Fingerkuppe verrät der Mitarbeiterin meinen Hämoglobinwert. Liegt der zu niedrig, fällt es dem Körper schwerer, sich von dem Blutverlust zu erholen. Weiter geht es mit einem Fragebogen. Um die Empfänger:innen nicht zu gefährden, muss ich als potenzielle Spenderin einige Voraussetzungen erfüllen. Wer vor Kurzem tätowiert oder gepierct wurde oder bestimmte Medikamente einnimmt, kann vorübergehend kein Blut spenden. Aber auch ein „risikoreiches Sexualverhalten“ kann dazu führen, dass man von einer Spende ausgeschlossen wird. Das betrifft zum Beispiel Sexarbeiter:innen oder Menschen, die Sex …

Ein Hauch Amerikanischer Frühling

Die USA sind ein Land starker Protestbewegungen. Gegen Rassismus, LGBTIQ-Feindlichkeit, Waffenbesitz. Heute haben sie so viel Einfluss wie nie zuvor. Eine Analyse. Oktober 1969. Es ist ein Uhr morgens. Sylvia Rivera trinkt im Stonewall Inn in der Christopher Street in New York ein Bier, als die Polizei das Lokal stürmt. Vor allem junge homosexuelle und transsexuelle Prostituierte wie sie besuchen die Bar. Die meisten sind obdachlos, werden regelmäßig verhaftet, weil sie sich öffentlich küssen und Kleidung nicht so tragen, wie man das von ihrem Geschlecht erwartet. Ein Polizist greift nach der 18-jährigen transsexuellen Rivera und schlägt mit seinem Schlagstock nach ihr. Rivera wirft eine Flasche nach den Polizisten und eröffnet so den Widerstand. Es war ein gewaltsamer Tag, der als „Stonewall-Aufstand“ in die Geschichtsbücher einging. Gleichzeitig war es der Auftakt zu einer der größten Emanzipationsbewegungen für queere Menschen, die heute jedes Jahr als „Christopher Street Day“ (CSD) auf der ganzen Welt gefeiert wird. Viele Tote, weltweite Proteste Februar 2018. Jamie Guttenberg steckt ihr Mathebuch in den Rucksack und schaut im Sekundentakt auf die Uhr. Endlich …