Wie sich Frauen die Bierbranche zurückholen

Nicht nur Menschen, sondern auch bestimmten Konsumgütern wird ein Geschlecht zugeordnet. So gilt Bier noch immer als Männersache. Doch das ändert sich: Immer mehr Frauen werden Bier-Sommelière oder Brauerinnen – was früher ganz normal war. „Natürlich fand ich es als Kind schade, dass wir eine Bier- und keine Schokoladenfabrik hatten, aber heute ist es das spannendere Produkt für mich“, sagt Warsteiner-Chefin Catharina Cramer. Bier sei ein so vielseitiges Produkt, schwärmt die 44-Jährige, die das Familienunternehmen in neunter Generation leitet. Derselben Meinung ist auch die Bier-Sommelière Jutta Knoll aus Bonn. Geschmack und Genuss faszinieren sie: „Es kann süß, sauer, fruchtig oder malzig sein – Bier ist breiter gefächert im Aromen-Spektrum als Wein“, sagt die 49-Jährige voller Begeisterung. Aber klar, Bier habe schließlich auch mehr Zutaten als Wein, sagt die Expertin, die seit drei Jahren Seminare und Verkostungen rund um das Thema Bier anbietet. Auch Braumeisterin Schwester Doris, die seit über 40 Jahren in der Klosterbrauerei im bayerischen Mallersdorf am Braukessel steht, liebt ihre Tätigkeit – und das Produkt, das dabei entsteht. „Zum Abendbrot trinke ich immer …

Mütter der Wildtiere

Das Akashinga-Projekt schult marginalisierte Frauen als Rangerinnen. Der Kampf gegen Wilderei gibt ihnen die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben. In militärischen Uniformen streifen die Akashinga-Rangerinnen durch das hohe Gras der Savanne Simbawes. Sie tragen schwere Stiefel und Gewehre über den Schultern. Diese Bilder gehen um die Welt. Denn Akashinga ist Simbabwes erste Anti-Wilderei-Einheit, die nur aus Frauen besteht. Und noch etwas ist besonders: Alle Mahlzeiten der Rangerinnen sind vegan. Das khakigrüne Hemd ihrer Uniform hat Nyaradzo Hoto an diesem Nachmittag gegen ein sandfarbenes T-Shirt getauscht. Sie sitzt unter einem Baum im Schatten. Per Video erzählt sie mit Kopfhörern im Ohr von ihrer Arbeit als Rangerin im Sambesi-Tal im Norden Simbabwes. Trotz der wackeligen Internetverbindung erkennt man im Hintergrund den beigen Stoff der Zelte des Camps. Bei Akashinga hat Hoto ihre Liebe zu den Tieren entdeckt. „Wir müssen sie schützen“, sagt sie. „Wir sind die Mütter der Wildtiere.“ Das Wort Akashinga stammt aus der Bantusprache Shona und bedeutet „die Tapferen“. Damien Mander, ein Australier mit vielen Tattoos und breiten Schultern, gründete die Anti-Wilderei-Einheit 2017. Sie ist …

Erfolg zahlt sich für US-Fußballerinnen endlich aus

Die US-Fußballerinnen sind Olympiasiegerinnen und Weltmeisterinnen – und damit deutlich erfolgreicher als Ihre männlichen Kollegen. Die Herren aus dem Nationalteam werden aber vom Verband deutlich besser bezahlt. Bis jetzt. Angeführt von Starspielerin Megan Rapinoe haben die US-Fußballerinnen im Kampf um Gleichstellung einen historischen Sieg errungen. Nach jahrelangem Rechtsstreit erhalten die Fußballerinnen künftig vom US-Verband die gleiche Bezahlung wie die Männer. „Das ist ein großer Gewinn für alle Frauen. Ich denke, wir werden einmal auf diesen Tag zurückblicken und sagen, dass dies der Moment ist, in dem sich der US-Fußball zum Besseren verändert hat“, sagte Rapinoe am Dienstag in der US-Fernsehshow „Good Morning America“. Laut Vergleich wird der US Soccer den Spielerinnen 22 Millionen US-Dollar zahlen, zudem werden weitere zwei Millionen US-Dollar in einen Fonds fließen, der den Frauen- und Mädchenfußball unterstützt sowie die Spielerinnen nach ihrer Karriere fördert. „Wir freuen uns, mitteilen zu können, dass wir – vorbehaltlich der Aushandlung eines neuen Tarifvertrags – unseren langjährigen Streit um gleiches Entgelt beigelegt haben und stolz zusammenstehen, um uns gemeinsam für die Förderung der Gleichstellung im Fußball …

Inklusive Supermärkte für Menschen mit Behinderungen

Das Einkaufen im Supermarkt stellt ältere und behinderte Menschen oft vor Herausforderungen. Doch immer mehr Supermarktketten bieten barrierefreies und angenehmeres Einkaufen an: mit Stillen Stunden oder Plauderkassen. Das ist das Problem Viele Supermärkte sind nicht barrierefrei. Zwar liefern immer mehr Geschäfte und Dienstleister Lebensmittel an die Haustür. Vor Ort und damit meist günstiger einzukaufen, kann jedoch schwierig sein für Menschen mit Behinderungen, aber auch für ältere: Waren sind zu hoch platziert oder Preisschilder vom Rollstuhl aus nicht lesbar. Außerdem empfinden viele Kund:innen die Supermarktumgebung als stressig: grelles Licht, hoher Lärmpegel, viele Menschen. Personen aus dem autistischen Spektrum kann das vor Herausforderungen stellen, weil sie Umgebungsreize weniger filtern können. Auch auf enorm: Social Start-up „Das Geld hängt an den Bäumen”: Alte Äpfel, neue Arbeit, gelungene Inklusion Das ist der Impuls Die britische National Autistic Society hat 2017 eine einwöchige Kampagne zur „Autism Hour“ im Einzelhandel gestartet, um Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung das Einkaufen zu erleichtern: mit „Stillen Stunden“. Die Kampagne pausiert wegen der Pandemie, 2019 gab es jedoch in mehr als 4.000 Läden eine solche Aktionswoche, …

Mein Blut kann Leben retten

Seit Beginn der Pandemie sind Blutkonserven knapper denn je, Spender:innen werden händeringend gesucht. Unsere Autorin Theresa Lang hat sich überwunden. Nadeln, Spritzen, Blut – alles, was unter die Haut geht, ist mir nicht geheuer. Aber mein Blut kann Leben retten, dafür lohnt sich doch ein kleiner Pieks in die Armbeuge, oder? Das habe ich gedacht, als ich vor einer Woche meinen Termin beim DRK-Blutspendedienst vereinbart habe. Heute, auf dem Weg zum Spendezentrum im Leipziger Osten, bin ich mir nicht mehr so sicher. Schon am Empfang gibt es den ersten Pieks. Ein Blutstropfen aus meiner Fingerkuppe verrät der Mitarbeiterin meinen Hämoglobinwert. Liegt der zu niedrig, fällt es dem Körper schwerer, sich von dem Blutverlust zu erholen. Weiter geht es mit einem Fragebogen. Um die Empfänger:innen nicht zu gefährden, muss ich als potenzielle Spenderin einige Voraussetzungen erfüllen. Wer vor Kurzem tätowiert oder gepierct wurde oder bestimmte Medikamente einnimmt, kann vorübergehend kein Blut spenden. Aber auch ein „risikoreiches Sexualverhalten“ kann dazu führen, dass man von einer Spende ausgeschlossen wird. Das betrifft zum Beispiel Sexarbeiter:innen oder Menschen, die Sex …

Ein Hauch Amerikanischer Frühling

Die USA sind ein Land starker Protestbewegungen. Gegen Rassismus, LGBTIQ-Feindlichkeit, Waffenbesitz. Heute haben sie so viel Einfluss wie nie zuvor. Eine Analyse. Oktober 1969. Es ist ein Uhr morgens. Sylvia Rivera trinkt im Stonewall Inn in der Christopher Street in New York ein Bier, als die Polizei das Lokal stürmt. Vor allem junge homosexuelle und transsexuelle Prostituierte wie sie besuchen die Bar. Die meisten sind obdachlos, werden regelmäßig verhaftet, weil sie sich öffentlich küssen und Kleidung nicht so tragen, wie man das von ihrem Geschlecht erwartet. Ein Polizist greift nach der 18-jährigen transsexuellen Rivera und schlägt mit seinem Schlagstock nach ihr. Rivera wirft eine Flasche nach den Polizisten und eröffnet so den Widerstand. Es war ein gewaltsamer Tag, der als „Stonewall-Aufstand“ in die Geschichtsbücher einging. Gleichzeitig war es der Auftakt zu einer der größten Emanzipationsbewegungen für queere Menschen, die heute jedes Jahr als „Christopher Street Day“ (CSD) auf der ganzen Welt gefeiert wird. Viele Tote, weltweite Proteste Februar 2018. Jamie Guttenberg steckt ihr Mathebuch in den Rucksack und schaut im Sekundentakt auf die Uhr. Endlich …