Transkript: Good News enorm Podcast Folge 38

Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 38 von „Good News enorm“. Die neue Regierung will „Mehr Fortschritt wagen“ – doch was heißt das genau? In dieser Folge sprechen wir über ein paar vielversprechende Vorhaben der Ampel-Koalition. Denn einiges soll besser werden für Social Entrepreneurs, die reproduktive Selbstbestimmung und selbst gewählte Familien.  Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. In dieser Folge sprechen Good-News-Redakteurin Bianca Kriel und Jan Scheper, Redaktionsleiter beim enorm Magazin, über den Koalitionsvertrag der neuen Ampel-Regierung. Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News enorm! Gute Nachrichten und konstruktive Gespräche – ein Podcast von Good News und dem enorm Magazin. Heute geht es um Gutes aus dem neuen Ampel-Koalitionsvertrag. Aber erst einmal ein Hinweis in eigener Sache: Wenn ihr schon lange mit dem Gedanken spielt oder auch seit kurzem mit dem Gedanken spielt, euch ein enorm Print-Abo zu holen, dann macht es jetzt! Wenn ihr es bis zum 6. Dezember löst, kriegt ihr vier Tafeln fairafric Decolonized Chocolate gratis dazu passend zum Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe …

Was die Ampel für Social Entrepreneurs bedeutet

SPD, Grüne und FDP wollen mehr „Fortschritt wagen“. Welche Rolle spielen dabei Social Start-ups, wie schwer wiegen soziale und ökologische Kennzahlen gegenüber ökonomischen? Eine Analyse Geschafft, der Koalitionsvertrag ist seit letzter Woche fertig. Nun müssen ihm die Parteimitglieder zustimmen. Die Urabstimmung bei den Grünen läuft bis zum 6. Dezember. Bereits zwei Tage zuvor wollen die Sozialdemokrat:innen über das 178 Seiten starke Dokument befinden, die FDP tags darauf in einem außerordentlichen Bundesparteitag am 5. Dezember. „Mehr Fortschritt wagen“ steht auf dem Deckblatt der Ampel-Agenda für die nächsten vier Jahre. Der Titel hat ein historisches Echo: „Wir wollen mehr Demokratie wagen“, sagte der damalige Bundeskanzler Willy Brandt 1969 in seiner Regierungserklärung im Deutschen Bundestag. Damals ging zum ersten Mal eine Koalition aus SPD und FDP an den Start. Die Botschaft damals wie heute: raus aus der konservativen Lethargie, rein in eine bessere Zukunft. Spannend ist der Verweis auf Brandts geschichtsträchtige Rede auch, weil sich diese „an die im Frieden nachgewachsenen Generationen“ richtet, „die nicht mit den Hypotheken der Älteren belastet sind und belastet werden dürfen; jene jungen …

Was tun die Parteien für Social Entrepreneurs?

Die Wahl ist insbesondere auch für Sozialunternehmer:innen entscheidend. Im aktuellen Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD stehen gerade mal zwei Sätze zum Thema. Egal wer künftig regiert, wird sich das ändern, glaubt Markus Sauerhammer vom Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland (SEND). Die Politik habe vieles durch Corona besser verstanden, sagt er, jetzt muss zügig umgesetzt werden – und blickt positiv in die Zukunft. Welche Partei tut laut Wahlprogrammen am meisten für Social Entrepreneurs und Sozialunternehmer:innen? Markus Sauerhammer: Bei allen Parteien – außer der AfD – ist in den Wahlprogrammen unser Thema verankert. Bei der letzten Bundestagswahl 2017 ist die Förderung von Sozialunternehmer:innen nahezu nicht aufgetaucht. Unabhängig davon, welche Regierung wir bekommen, wird es enorme Schritte nach vorne geben. Konkret? Richtig ist etwa, dass die Grünen am längsten am Thema sozial-ökologische Transformation in unserem Sinne arbeiten. Das sieht man auch am und im Programm. Auch SPD und FDP sind gut unterwegs, nur bei Kleinigkeiten fehlt aus unserer Sicht noch die nötige Konsequenz. Auch die Union hat große Fortschritte gemacht. Bei den Linken sind es solide Positionen, nur könnten …

Die erstaunlichen Geschichten hinter sozialen Innovationen

Wie können Ratten Menschenleben retten? Wie können Blinde wieder sehen? Ein neues Kartenspiel klärt spielerisch über die Geschichte der Entdeckung von sozialen Innovationen auf. Bei ein paar Rätseln kannst du kostenlos losraten. Sei es die Erfindung der Kanalisation, Kommunikationstechniken für Blinde, oder aber auch das Recyceln von Plastik: Seit Jahrhunderten erfinden Menschen Tools und Systeme, um Probleme und Herausforderungen zu lösen. Dadurch verbessern sie unsere Lebensqualität und das Wohl der Umwelt – und machen unsere Gesellschaft ein wenig gerechter. Die Entdeckung von sozialen Innovationen würdigen Leider werden die Geschichten hinter solchen Erfindungen und ihren Entwickler*innen selten erzählt oder gewürdigt. Ein neues Kartenspiel aus der Good Impact Family schafft Abhilfe: das Rätselspiel Impact Heroes. „Impact Heroes soll spielerisch und einfach Social Entrepreneurship die Bühne geben, die es verdient hat“, sagt der Entwickler des Spiels, GoodBuy-Gründer Simon Böhnlein. Gemeinsam mit seinen Freunden Rudolph Berger und Marie Körner, die die detailverliebten Illustrationen der Spielkarten entworfen hat, entstand die Idee für ein Social Entrepreneurship-Spiel an einem Berliner Späti-Abend. Die Freund*innen fragten sich: Warum gibt es eigentlich kein Ratespiel, bei dem …

Wie Social Entrepreneure unsere Zukunft gestalten

Seit zehn Jahren berichtet enorm über Social Business und gesellschaftlichen Wandel. Diesen Fokus haben wir überarbeitet und auf die Unternehmer*innen und ihre Unternehmen gelenkt. Wir wollen verstärkt die Entstehung und Verbreitung sozialer Innovation beleuchten und die Social Entrepreneure vorstellen, die neue Ideen vorantreiben. Was ist eine Innovation und warum ist diese Frage gerade jetzt wichtiger denn je? Der dem lateinischen Verb „innovare“, übersetzt „erneuern“, entlehnte Begriff wird heute ständig verwendet. Unser Verständnis des Begriffs ist vor allem technisch und ökonomisch geprägt. Beschrieben hat diese Verbindung der Ökonom Joseph Schumpeter bereits 1911. Sein Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ beschäftigt sich mit dem Ungleichgewicht kapitalistischer Märkte. Ein Dauerthema bis heute. Im Zentrum der Abhandlung des Österreichers wird Innovation definiert: Sie ist die wichtigste Leistung eines Unternehmers. Er kombiniert „Produktionsfaktoren“ neu und setzt diese Kombination gegen Widerstände durch. Bei Schumpeter kann das etwa die Entwicklung oder Etablierung eines neuen Produkts oder die Entdeckung und Erschließung eines neuen Absatzmarktes sein. Das Prinzip ist zwar logisch und aktuell, siehe Startups, doch ebenso unvollständig. Sustainable Development Goals Die exklusive Kopplung von Innovationen …

Warum die Regierung gerade Sozialunternehmen helfen muss

Social Entrepreneurs wollen mit innovativen Ansätzen unsere Zukunft lebenswerter gestalten. Wie wir sie in der Coronakrise stärken können, schreiben Laura Haverkamp, Geschäftsführerin von Ashoka Deutschland, und Ashoka-Partner Odin Mühlenbein. Es ist schwer, Schritt zu halten in diesen Tagen, und wir sagen das durchaus anerkennend. Neue Regeln des Zusammenlebens, Rettungspakete, Soforthilfe. Die politische Botschaft: Wir retten. Wir stützen. Wir schaffen das. Wir arbeiten mit Gründerinnen und Gründern, die mit neuen Ansätzen an gesellschaftlichen Herausforderungen arbeiten – wir nennen sie Social Entrepreneurs, zu Deutsch: Sozialunternehmer*innen. Sozialunternehmer*innen sind wie eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung für unser Miteinander. Sie erproben Neues und das oft in widrigen Umständen. Sie inspirieren und zeigen uns, wie unsere Gesellschaft in Zukunft aussehen kann. Das dürfen wir nicht aufs Spiel setzen. Doch genau das riskieren wir zurzeit – denn die diversen Rettungspakete, die von Bund und Ländern auf den Weg gebracht werden, drohen für viele soziale Unternehmen nicht zu gelten. Gehen sie leer aus, gehen sie insolvent. Ashoka Ashoka ist ein weltweites Netzwerk für gesellschaftliche Gestalter*innen, die mit unternehmerischer Haltung und innovativen Ansätzen soziale Probleme …

Schülerfirma Pacato

Social Upcycling im Klassenzimmer

Was Teamarbeit bringen kann: 2016 gründeten 12 Hamburger Schüler eine Firma, die Füller aus alten Patronenhülsen herstellen. Nun wollen sie die Produktion vergrößern und ihr eigenes Geld damit verdienen Das Politik- und Wirtschaftsprofil des Johanneum Gymnasiums soll Schüler dabei unterstützen unternehmerisch zu denken. Statt abstrakten Theorien bekommen Schüler praktischen und realitätsnahen Unterricht geboten. Daraus resultierte 2016 die Gründung der Schülerfirma Pacato. Ihr Vorhaben: Social Upcycling. Das bedeutet, aus etwas negativem, etwas Positives zu erschaffen. Im Fall von Pacato werden Patronenhülsen, die für Gewalt stehen, in ein Mittel der Kommunikation umgewandelt: Füllfederhalter. Aus dem Klassenzimmer ins Handelsregister Pacato bedeutet auf lateinisch “Friedensstifter”. Neben dem symbolträchtigen Produkt, sahen die Schüler es als ihre Aufgabe, Kindern in Kriegsregionen zu helfen, und entschlossen sich deshalb, den ganzen Gewinn der Schülerfirma an die Hilfsorganisation Unicef und We.Inform, ein Informationsportal für Flüchtlinge, zu spenden. Passend dazu ihr Motto: “Let words be your bullets”. Die Idee zu Pacato wurde im Unterricht des politischen Profils geboren – aber das war erst der Anfang. Zuerst verkauften die Schüler Anteilscheine an Freunde und Verwandte. Später …