Können uns Bärtierchen unsterblich machen?

Bärtierchen sind winzig, knautschig und nahezu unverwüstlich. Ihre Fähigkeit, den Alterungsprozess zu unterbrechen, könnte uns im Kampf gegen Krankheiten wie Krebs helfen. Ein Waldspaziergang im Herbst, kleine Äste und Moose wehen über den Pfad. Als Biologe oder, wie er sagt, „Jäger und Sammler“ hebt Ralph Schill die Moosstückchen intuitiv auf, um sie zu Hause zu studieren. Zwei Jahrzehnte ist das nun her. Unter dem Mikroskop blickte er damals seinen „ersten Bärtierchen in die Augen“; beobachtete ihre staubsaugerbeutelartigen Körper, die Krallen an den acht Stummelbeinen, ihren Saugrüssel, den sie überall auf der Welt in Pflanzen stecken, egal ob im Himalaja oder im Harz. Ralph Schill ist Professor am Institut für Biomaterialien und biomolekulare Systeme an der Universität Stuttgart und angesehener Bärtierchen-Experte. Nur eine Handvoll Arbeitsgruppen weltweit studieren das Wesen, obwohl es Unglaubliches vermag: Es kann seine biologische Uhr anhalten. Sterben und wieder auferstehen. Wenn es durch extreme Kälte oder Hitze ungemütlich wird, fährt das Bärtierchen seine acht Beine ein wie Flugzeuge bei m Start die Reifen, stoppt seinen Stoffwechsel und wartetals Mini-Klops auf bessere Zeiten. Aufgrund …

Ist Eisenpulver eine gute Alternative für Kohle und Öl?

Eisen als Brennstoff ist CO2-frei, günstig und sogar endlos wiederverwendbar. Studierende in den Niederlanden tüfteln am Kraftwerk der Zukunft. Dieser Text erschien in der Ausgabe Februar/März 2022 des enorm Magazins mit dem Titel „Stoff für die Energiewende“. Ein junger Mann mit dichtem Bart öffnet die Luke. Er schüttet graues Pulver hinein, so fein, dass der Herbstwind es verwirbelt. Mit Sauerstoff vermengt wird es entzündet. Rot-gelbe Funken jagen durch das dicke Rohr neben der Luke, am Bullauge vorbei hinüber zum Boiler, wo der heiße Luftstrom in Dampf umgewandelt wird. Es rauscht. Mit dem Dampf wird nebenan Bier gebraut, ein paar 10.000 Flaschen, nicht viel, aber ein Beweis: Eisenpulver kann kontrolliert verbrannt werden, um Energie zu erzeugen. CO2-frei und kreislauffähig. Es ist der 29. Oktober 2020. Auf dem Fabrikgelände von Swinkels Family Brewers im niederländischen Örtchen Lieshout steht ein luftiges Gerüst aus Rohren, Maschinen und Kabeln. Drum herum: aufgeregte Studierende, Professor:innen, Reporter:innen. Die großen Kameras der Fernsehteams blinken rot, Action. Zum ersten Mal weltweit wird hier eine Eisenpulver-Anlage außerhalb des Labors getestet. Chan Botter läuft zwischen Medien …

Good News

Dolce & Gabbana verbannt Tierpelze; neuer Test erkennt Risiko für Eierstock- und Brustkrebs frühzeitig, Wien fördert Projekte zur Stärkung von Wissenschaft und Demokratie

Immer mehr Modekonzerne verbannen Tierpelze aus ihren Kollektionen; Wissenschaftler*innen entwickeln einen Test, der das Eierstock- und Brustkrebsrisiko frühzeitig erkennen kann; und Wien will das Vertrauen in die Demokratie und Wissenschaft stärken: Das sind die Good News des Tages

Good News

Mehr Moorschutz in Deutschland beschlossen, EU verbietet Titandioxid in Lebensmitteln, Gemeinde in der Flutregion Ahrtal gewinnt im Lotto

Das Bundesumweltministerium will 53 Millionen Euro in die Wiedervernässung von Moorböden investieren; die EU verbietet womöglich krebserregendes Titandioxid in Lebensmitteln; und die Gemeinde Bad Neuenahr-Ahrweiler gewinnt nach der Flutkatastrophe 1,4 Millionen Euro bei der Postcode-Lotterie: Das sind die Good News des Tages

Mit Superheld:innen für die Wissenschaft begeistern

Ein Bildungsprojekt in Südafrika möchte junge Menschen mit Sammelkarten im Superheld:innenstyle für die Wissenschaft begeistern. https://enorm-magazin.de/wp-content/uploads/Episode_31_Superscientists.mp3 Diesen Artikel kannst du dir auch vorlesen lassen! Den enorm Podcast „Zukunft hörst Du hier an“ findest du auf Spotify, Apple Podcasts und überall da, wo es Podcasts gibt, sowie über den RSS-Feed. Ihre Hände greifen in die Wellen, wirbeln das Wasser nach oben: Nitro! So heißt die Superheldin im grau-goldenen Anzug. In der Zeichnung auf der kleinen rechteckigen Sammelkarte lächelt sie, auf ihrer Brust prangt 15N, die Bezeichnung für Stickstoff-15. Dieses Isotop beschäftigt Kolisa Yola Sinyanya in ihrer Doktorarbeit, die sie am Institut für Ozeanforschung der Universität Kapstadt schreibt. Und deshalb gibt es Nitro. Vor gut einem Jahr wurde Sinyanya zur Super-Wissenschaftlerin – SuperScientist. Das gleichnamige südafrikanische Projekt inszeniert afrikanische Forscher:innen als Comic-Superheld:innen, um junge Menschen für Naturwissenschaften zu begeistern. Denn in Südafrika ist das Bildungssystem noch immer von rassistischen Strukturen geprägt: Nur 9 Prozent der Schwarzen machen einen weiterführenden Abschluss, etwa an der Uni, nur 8 Prozent der „Coloureds“ (Selbstbezeichnung einer südafrikanischen Ethnie). Bei weißen Südafrikaner:innen sind es hingegen 38 Prozent. Die Sammelkarte …

Transkript: Good News enorm Podcast Folge 31

Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 31 von „Good News enorm“. Tiere und Pflanzen haben viele der Probleme längst gelöst, mit denen wir uns heute auseinandersetzen. Von der klimafreundlichen Fortbewegung und Kühlung über selbstreinigende Plastikfilter bis zur effizienten Trinkwassergewinnung: In der Natur finden sich Phänomene und Überlebensstrategien, die Forschende als Grundlage für bahnbrechende Innovationen nutzen. In dieser Folge sprechen wir über die faszinierenden Strategien von Mantarochen, Kamelen, Schwarzkäfern und Seepocken. Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. In dieser Folge sprechen Good-News-Redakteurin Bianca Kriel und Miriam Petzold, Redakteurin beim enorm Magazin, über „Naturtalente“.  Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News enorm – gute Nachrichten und konstruktive Gespräche. Ein Podcast von Good News und dem enorm Magazin. Heute sprechen wir über „Naturtalente“. Aber erst einmal der Gute-Nachrichten-Überblick: Für die Herstellung von Biokraftstoffen verwenden viele Firmen Palmöl, um CO2-Werte zu verringern. Dies schadet jedoch der Umwelt: Wälder werden gerodet und Moore ausgetrocknet. Die Bundesregierung hat daher beschlossen, ab 2023 keine Biokraftstoffe mehr aus Palmöl zu fördern. Die Schweizer Bürger:innen …

Mantarochen inspiriert zu neuen Technologien

Rochen inspirieren gleich zu zwei bionischen Erfindungen: einem autonomen Unterwasser-Roboter, der Ertrinkende rettet, und einem selbstreinigenden Filtersystem für Plastikmüll. Mantarochen gleiten leise und friedlich durch das Blau tropischer Gewässer rund um den Globus. Ihr Stachel ist nicht giftig, ihre Kopfflossen, die an Hörner erinnern, nicht teuflisch. Dennoch werden sie Teufelsrochen genannt und kämpfen um ihr Leben. Sie sterben meist als Beifang und stehen auf der roten Liste gefährdeter Tierarten. Mit eleganten Flügelschlägen schweben sie durch die Meere, verschlingen Plankton und nehmen Anhalter mit: Schiffshalter-Fische docken mit ihren Köpfen an und reinigen den stromlinienförmigen, bis zu sieben Metern großen Korpus der Mantas. Dieser dient Forscher:innen des Fraunhofer-Instituts für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) als Vorlage für einen autonomen Roboter. Er soll Menschen vor dem Ertrinken retten, indem er sie schnell und sicher an die Wasseroberfläche zieht und zur Küste oder zum Beckenrand bringt, wo sie versorgt werden können. Warum ausgerechnet die Körperform des Mantarochens? Eine Frage der Effizienz, sagt Martin Käßler vom Fraunhofer IOSB, denn „mit dieser Form kommen wir sehr schnell und energiesparend zum Menschen. …

Good News

Forschungsteam entwickelt selbstheilendes Material, Gewässer-Randstreifen sorgen für mehr Artenvielfalt, Australien will Aboriginal People entschädigen

Wissenschaftler*innen des Indian Institute of Science Education and Research ist es gelungen, ein kristallines Material zu entwickeln, das sich bei Brüchen selbst heilt; ein Forschungsprojekt aus Freising hat gezeigt, dass Gewässer-Randstreifen einen positiven Effekt auf die Artenvielfalt haben; und die Australische Regierung will Überlebenden der „Stolen Generation“ und ihren Familien eine Entschädigung zahlen: Das sind die Good News des Tages

Good News

Veganer Kaugummi als Schutz vor Bakterien und Viren, Roboter kann Ertrinkende retten, verschollene Bienenart kehrt zurück

Das Start-up Puravitum hat einen pflanzlichen Kaugummi entwickelt, der vor Bakterien und Viren schützen soll; ein autonomer Wasser-Roboter könnte in Zukunft dabei helfen, Ertrinkende zu retten; und ein Wissenschaftler hat an der Ostküste Australiens eine als verschollen geltende Bienenart wieder entdeckt: Das sind die Good News des Tages

Good News

KI löst 50 Jahre altes Wissenschaftsproblem, weniger Müll dank digitalem Kassenbon, alte Aschenbecher werden zu Ladesäulen für E-Bikes

Eine Künstliche Intelligenz soll das Problem der Proteinfaltung entschlüsselt haben; der digitale Kassenzettel von Thomas Völk und Paul Mattes hilft dabei, weniger Müll zu produzieren; und in den Niederlanden werden ehemalige Aschenbecher an Bahnsteigen zu Ladesäulen für Elektrofahrräder umgebaut: Das sind die Good News des Tages

Good News

Frühwarnsystem für Megastürme, Kanadas erste Finanzministerin, Nachrichten-Anbieter schafft Cookies ab

Wissenschaftler haben ein System entwickelt, das bis zu sechs Stunden im Voraus vor extremen Unwettern warnen kann; Chrystia Freeland ist Kanada erste Finanzministerin; und der Niederländische Rundfunk zeigt, dass man auch ohne personalisierte Werbung hohe Einnahmen für den Journalismus generieren kann: Hier kommen die Good News des Tages.

„Wir achten die Selbstbestimmtheit des Wassers”

Indigene Forscher*innen müssen mehr Gehör finden, fordert der Professor für indigene Klimagerechtigkeit Kyle Whyte. Im Gespräch erklärt er, wie das dem Umweltschutz dienen kann. Herr Whyte, worum geht es bei indigener Klima- und Umweltgerechtigkeit? Um Verbundenheit. Wir können auf die Klimakrise umso besser reagieren, je mehr Vertrauen wir herstellen – in unseren Beziehungen und in unserer Verantwortung für alles, mit dem wir uns die Umwelt teilen. Wir müssen uns fragen: Wie wollen wir unsere Verantwortung für unsere menschlichen und nichtmenschlichen Verwandten, wie ich das als indigener Forscher nenne, in einer komplexen Umwelt wahrnehmen, die sich permanent wandelt? Was heißt das konkret? Wir trennen nicht zwischen Mensch, Natur und Spiritualität. Wenn wir etwa eine Beziehung der Verbundenheit zum Wasser haben, achten wir das Einverständnis und die Selbstbestimmtheit des Wassers… …in westlichen Ohren klingt das seltsam… …aber es ist ein wichtiger Punkt. Denn es beschreibt eine Haltung, die handfeste Folgen hat: Wir verschmutzen Wasser nicht oder leiten es einfach um, nur weil wir uns irgendeinen Vorteil davon versprechen. Wenn wir uns mit Wasser verbunden fühlen, respektieren wir …