Wie können wir Kunst und Museen dekolonisieren?

Die Berliner Aktivist:innengruppe Barazani.berlin kämpft mit virtuellen Ausstellungen und kulturellen Aktionen für die Dekolonisierung des Humboldt Forums. Eine Stellungnahme zu Kunst, Kultur und Kolonialismus von Christoph Balzar, Ibou Diop, hn. lyonga und Isabel Raabe. „Dreißig Jahre lang drehte sich der Diskurs in der Museumstheorie darum, ethnologische Museen, früher Völkerkundemuseen, von kolonialen Mustern zu befreien. Die Entscheidung, das Humboldt Forum im Berliner Schloss zu eröffnen, verneint diese dreißig Jahre völlig.  Ethnologische Museen haben ein Problem: Ein Museum ist ein Ort, der darauf ausgerichtet ist, etwas zu zeigen. Ethnologische Museen wollen andere Kulturen zeigen. Was anders ist, wird aber aus einer eurozentrischen Perspektive festgelegt. Weiße Menschen entscheiden, wie sie andere, nicht-weiße Kulturen präsentieren. Wenn eine ethnologische Ausstellung voller kolonialer Raubkunst in diesem preußischen Schloss eröffnet, kann das niemals nicht rassistisch sein.  Die Objekte der ethnologischen Sammlung sollen Kulturen, ihre Glaubensvorstellungen und ihre Wertesysteme darstellen. Ein prominentes Beispiel ist die Statue der Ngonnso, der Gründerin des Volkes der Nso aus Kamerun. In ihrem Land fehlt sie, dort ist sie unersetzlich. Stattdessen steht sie im Humboldt Forum auf einem …

Transkript: GoodNews enorm Podcast Folge 30

Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 30 von „Good News enorm“. Wie können wir mit politisch andersdenkenden Menschen konstruktiv ins Gespräch kommen? Und wie können wir uns mit Gleichgesinnten zusammentun, um mehr zu bewirken? In dieser Folge sprechen wir mit Hanna Israel von „My country talks“ und Natalie Wübbolt von „Z2X-Festival“ über politische Zwiegespräche, Zukunftsvisionen von 20- bis 29-Jährigen und was ZEIT Online damit zu tun hat. Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. In dieser Folge spricht Good-News-Redakteurin Bianca Kriel mit Hanna Israel von „My country talks“ und Natalie Wübbolt von „Z2X-Festival“ über politische Zwiegespräche und Zukunftsvisionen.  Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News enorm – gute Nachrichten und konstruktive Gespräche. Ein Podcast von Good News und dem enorm Magazin. Heute sprechen wir über „Deutschland spricht“ und das „Z2X-Festival“ von Zeit Online. Aber erst einmal der Gute-Nachrichten-Überblick: Im Ahrtal wurden 50 Hektar Weinberge durch die Flut zerstört – und doch: Die Weinlese für den Jahrgang 2021 kann stattfinden. Dank der Hilfe von Winzer:innen und freiwilligen Helfer:innen, die …

Ein Hauch Amerikanischer Frühling

Die USA sind ein Land starker Protestbewegungen. Gegen Rassismus, LGBTIQ-Feindlichkeit, Waffenbesitz. Heute haben sie so viel Einfluss wie nie zuvor. Eine Analyse. Oktober 1969. Es ist ein Uhr morgens. Sylvia Rivera trinkt im Stonewall Inn in der Christopher Street in New York ein Bier, als die Polizei das Lokal stürmt. Vor allem junge homosexuelle und transsexuelle Prostituierte wie sie besuchen die Bar. Die meisten sind obdachlos, werden regelmäßig verhaftet, weil sie sich öffentlich küssen und Kleidung nicht so tragen, wie man das von ihrem Geschlecht erwartet. Ein Polizist greift nach der 18-jährigen transsexuellen Rivera und schlägt mit seinem Schlagstock nach ihr. Rivera wirft eine Flasche nach den Polizisten und eröffnet so den Widerstand. Es war ein gewaltsamer Tag, der als „Stonewall-Aufstand“ in die Geschichtsbücher einging. Gleichzeitig war es der Auftakt zu einer der größten Emanzipationsbewegungen für queere Menschen, die heute jedes Jahr als „Christopher Street Day“ (CSD) auf der ganzen Welt gefeiert wird. Viele Tote, weltweite Proteste Februar 2018. Jamie Guttenberg steckt ihr Mathebuch in den Rucksack und schaut im Sekundentakt auf die Uhr. Endlich …

„Kolonialismus in grünem Gewand“

Die Sámi in Europa kämpfen gegen Diskriminierung und grünen Kolonialismus. Zwei Aktivistinnen erzählen. Warum sprecht ihr von grünem Kolonialismus? Eva Maria Fjellheim, 35, untersucht in ihrer Doktorarbeit an der Arctic University of Norway (UiT) den Konflikt der Hirten mit den Windpark-Investoren auf der Halbinsel Fosen: „Norwegen hat wie alle Länder zugestimmt, seine Emissionen zu reduzieren und Maßnahmen durchzuführen, die die Klimaerwärmung bremsen. Daher werden Investoren und Firmen großzügig subventioniert, die Windenergie-Vorhaben in Norwegen umsetzen wollen. Viele Windressourcen liegen in den Bergen, und die Berge sind traditionell wichtige Gebiete für die Rentiere und ihre Hirten. Das Weiden der Rentiere ist in den vergangenen Jahren im Winter immer schwieriger geworden, etwa durch unvorhersehbare Temperaturschwankungen, überdurchschnittlich starke Schneefälle und große Eisflächen auf den Weiden, die die Nahrungssuche für die Tiere unmöglich machen. Das sind alles Folgen des Klimawandels. Auch auf enorm: Indigener Umweltschutz weltweit. Die Pioniere der Nachhaltigkeit Zu diesen Schwierigkeiten für die Hirten kommen juristische Auseinandersetzungen über die Gebiete der Windenergie-Projekte. Zum Beispiel bei Europas größtem Festland-Windenergie-Projekt auf der Halbinsel Fosen, das Gegenstand eines Rechtsstreits zwischen Hirten und …