Der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland scheint wackelig. In vielen Regionen wächst das Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen, der Ton in Debatten wird rauer, die Zustimmung für rechtspopulistische Positionen steigt. Laut der Körber-Stiftung liegt das Vertrauen in die Demokratie derzeit nur noch bei 45 Prozent.
Dabei möchten Menschen mitgestalten: Mehr als 90 Prozent der Deutschen wünschen sich mehr Möglichkeiten zur Beteiligung auf kommunaler Ebene. „Gerade dort kann Zusammenhalt entstehen, weil Bürgerinnen und Bürger am besten einschätzen können, was wichtig ist“, sagt Hannes Hasenpatt von der Körber-Stiftung: „Wenn Menschen gemeinsam ihre Nachbarschaft gestalten, stärkt das auch das Vertrauen in die Demokratie.“
Besonders in Ostdeutschland zeigt sich, wie entscheidend diese Arbeit sein kann. Dort gibt es laut einer Studie von Bertelsmann Stiftung und Stifterverband etwa 102.000 zivilgesellschaftliche Organisationen – aber die meisten Vereine haben knappe Budgets. Nur jeder fünften Organisation gelingt es, Engagierte langfristig zu binden. Doch wo die Zivilgesellschaft blüht, gedeihen auch Demokratie und Zusammenhalt. Wir haben drei Menschen gefragt wie ihnen das in ihrer Gemeinde gelingt.
Kicken für Communityspirit
Andrew Aris, Gründer Spirit of Football, Erfurt, Thüringen
„2015, als viele Geflüchtete nach Erfurt kamen, war für uns eine Ausnahmesituation. Wir hatten keinen Plan, sind einfach mit Toren, Bällen, Stiften in die Erstaufnahme gefahren. Hauptsache, es passierte sofort etwas. Mittwochs haben wir eingekauft, zusammen gekocht, Filme geschaut, Fußball und Tischtennis gespielt. Einige von damals gehören bis heute dazu und unterstützen unsere Projekte.
2022 war dieses Gefühl wieder da: Als die russische Armee in die Ukraine einmarschierte, sind wir mit drei Kleinbussen an die Grenze gefahren. Man konnte sehen, wie erschöpft die Frauen und Kinder waren, aber auch wie erleichtert, als sie in Erfurt ankamen. Heute machen iele von ihnen in unserem Verein mit: Eine Frau leitet einen ukrainischen Frauenkreis, eine andere sitzt in unserem Vorstand.
Wo Fußball vereint: Vielfalt leben statt Rassismus zulassen.