Gib Gummi, Pusteblume!

Continental macht Fahrradreifen aus den Wurzeln von Pflanzen. Doch wie umweltfreundlich ist die Kautschuk-Alternative wirklich? Ob für Fahrrad, Auto oder Lkw: Reifen sind ziemlich ausgetüftelte Hochleistungsprodukte. Während der Fahrt sind sie stärkster Belastung ausgesetzt, übertragen die Antriebskräfte und sorgen für den nötigen Grip. Das klappt bisher nur, wenn sie elastischen Naturkautschuk enthalten. Davon braucht der in Hannover gegründete Konzern Continental, einer der größten Reifenhersteller der Welt, jährlich mehrere Millionen Tonnen. Das Problem: Herkömmlicher Naturkautschuk basiert auf dem Milchsaft des Kautschukbaums. Dieser wächst vor allem in tropischen Regionen. Gerade in Lateinamerika und Südostasien wurden in den vergangenen Jahren großflächig wertvolle Regenwälder gerodet – sie mussten neuen Kautschukplantagen weichen. Schon seit 2011 forscht Continental an Alternativen für die Kautschukbäume. In Zusammenarbeit mit der Universität Münster und dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie gelang es dem Konzern nun, aus den Wurzelfäden des Russischen Löwenzahns Naturkautschuk zu gewinnen. Er soll genauso belastbar sein wie das Gummimaterial aus den Bäumen. Der Vorteil: Löwenzahn wächst fast überall. So ließe sich die weitere Zerstörung des Regenwaldes vermeiden, Transportwege wären kürzer. Außerdem …

Friedenskonzert sammelt 12 Mio. Euro für die Ukraine, 10-Punkte-Plan für weniger Ölverbrauch; Discounter bietet „Rettertüten“ an

In Berlin hat das Friedenskonzert „Sound for Peace“ über 12 Millionen Euro für die Ukraine gesammelt; die Internationale Energieagentur zeigt, wie die Ölnachfrage in den nächsten vier Monaten drastisch gesenkt werden könnte; und Lidl bietet ab Mai sogenannte „Rettertüten“ an: Das sind die Good News des Tages

La Réunions Rückkehr zur Natur

Früher war es auf der französischen Übersee-Insel La Réunion schick, alles aus Frankreich zu importieren. Jetzt entdecken die Bewohner:innen ihre eigenen Ressourcen wieder – und wehren sich gegen Umweltzerstörung. https://enorm-magazin.de/wp-content/uploads/Episode_37_La-Reunion.mp3 Diesen Text kannst du dir auch vorlesen lassen! Den enorm Podcast „Zukunft hörst Du hier an“ findest du auf Spotify, Apple Podcasts und überall da, wo es Podcasts gibt, sowie über den RSS-Feed. Halb verborgen von uralten Riesenfarnen steht die kleine Maison Folio. Durch die Flügeltür mit weißen Blumen-Ornamenten und tannengrünen Fensterläden schreitet eine Dame in bunter Tunika hinaus in den Garten. Flankiert von zwei Katzen bleibt sie zwischen dem Pavillon und dem Springbrunnen stehen. Es duftet nach Zimtbäumen. Der Garten von Solange Folio, die alle nur Madame Folio nennen, ist eine botanische Schatztruhe: Er birgt die ganze Vielfalt der Natur von La Réunion. Die Insel, auf der es Korallenriffe und weiße Strände, Regenwald, eine Wüste und einen der aktivsten Vulkane der Welt gibt, ist gerade mal so groß wie das Saarland. Und obwohl sie vor der Küste Afrikas liegt, ist sie doch ein Département von Frankreich und damit Teil der …

„Moore sind die wichtigsten Kohlenstoffspeicher“

Viele Moore sind auf den ersten Blick kaum noch zu erkennen. Entwässert werden sie als Grünland oder Acker genutzt. Überall in Deutschland setzt nun ein Umdenken ein, denn die nassen Flächen haben großes Potenzial als CO₂-Speicher. Vermoderte Stümpfe längst abgestorbener Birken ragen als Zeugen früherer Entwässerung noch vereinzelt aus dem sumpfig-flachen Moorsee. Längst wachsen hier wieder Torfmoose. Das kleine Wittmoor an der Grenze zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein ist ein Beispiel für gelungene Renaturierung. Bereits vor Jahrzehnten wurden hier nach dem Torfabbau die Entwässerungsgräben wieder verschlossen und der Wasserspiegel angehoben. Inzwischen hat sich in Deutschland die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Trockenlegung und landwirtschaftliche Nutzung von Mooren erheblich zum Ausstoß der klimaschädlichen Gase Kohlendioxid (CO₂) und Lachgas (N₂O) beiträgt. Mit rund 53 Millionen Tonnen Treibhausgasen im Jahr 2019 waren das nach Angaben der Bundesregierung zuletzt fast sieben Prozent aller Emissionen in Deutschland. Auch auf enorm: Entscheidend im Kampf gegen die Klimakrise: Warum wir die Moore retten müssen Mitunter wichtiger als Wälder im Kampf gegen die Klimakrise „Global gesehen sind Moore die wichtigsten Kohlenstoffspeicher, da kommen Wälder nicht …

Müssen wir die Natur bepreisen, um sie zu schützen?

Müssen wir der Natur einen Preis geben, um sie schützen zu können? Umweltökonom Bernd Hansjürgens und Christiane Röttger, Expertin für Artenschutz- und Diversitätspolitik, im Streitgespräch über die Pro und Contra einer Naturbepreisung. Die Zerstörung der Natur nimmt drastisch zu, viele Ökosysteme stehen vor dem Kollaps. Und doch machen Wirtschaft und Gesellschaft weiter wie bisher. Herr Hansjürgens, Sie wollen die Natur bepreisen, um das zu ändern. Warum? Bernd Hansjürgens: Weil wir nicht länger mit einem falschen wirtschaftlichen Kompass durch die Welt laufen dürfen. Bislang gibt es Naturleistungen kostenlos. Daher spielt ihr Verbrauch keine Rolle für die Entscheidungen von Unternehmen, Konsumenten oder Kommunen. Um das zu ändern, müssen wir den Wert der Natur systematisch erfassen und in die Entscheidungsarchitekturen unserer Gesellschaft einbauen. Sie waren von 2013 bis 2018 Studienleiter der deutschen TEEB*-Gruppe, die Beispiele für die Bepreisung von Naturleistungen für Deutschland zusammengetragen hat. Wie funktioniert das? Hansjürgens: Wir sprechen in der Ökonomie lieber von Inwertsetzung. Es geht nicht darum, an jede Naturleistung ein Preisschild zu kleben. Und nicht jede Naturleistung lässt sich monetär darstellen, der Wert von …

Die Naturkünstlerin

Sarah Darwin ist die Ururenkelin des berühmten Evolutionsforschers. Auch sie hat ihr Leben dem Erhalt der Arten verschrieben. https://enorm-magazin.de/wp-content/uploads/Episode_35_Sarah-Darwin.mp3 Diesen Text kannst du dir auch vorlesen lassen! Den enorm Podcast „Zukunft hörst Du hier an“ findest du auf Spotify, Apple Podcasts und überall da, wo es Podcasts gibt, sowie über den RSS-Feed. Im Naturkundemuseum hängt der Sound einer Fabrik. Maschinen surren, Kameras blitzen, auf dem kobaltblauen Produktionsband fahren Insekten zur digitalen Durchleuchtung. Links sitzen Wissenschaftler:innen an kleinen Tischen aufgereiht wie an einer Schnur. Tief über die Lichtkegel der Lampen gebeugt ziehen sie Käfer, Schmetterlinge, Flügeltiere raus aus ihrem Nagelbett. Sortieren, zack, weiter gehts in die Digitalisierungsstraße. Schon dreht sich das nächste Schalentier auf der digitalen Kachelwand und offenbart einen virtuellen Blick in sein Inneres. Besucher:innen schauen, staunen, fragen. Am Rande steht eine Frau, groß, lange braune Haare, Ringelpulli, entspanntes Lächeln. „5.000 Insekten pro Tag digitalisieren wir derzeit, Millionen aus unserer Sammlung sollen es mal werden“, sagt sie. „Wir erforschen die Natur, und die Menschen sind mittendrin. Ist das nicht fantastisch?“ Sarah Darwin In den Fußstapfen des Ururgroßvaters: Naturforscherin Sarah Darwin ist …

Transkript: Good News enorm Podcast Folge 37

Hier findest du eine schriftliche Fassung der Podcastfolge 37 von „Good News enorm“. Trophäenjagd und Umweltschutz – wie passt das zusammen? In dieser Folge sprechen wir darüber, wie sich kommunale Gemeinschaften in Namibia für den Schutz von Wildtieren einsetzen – und wie Tiere und Menschen davon profitieren.  Das Transkript soll den Podcast möglichst barrierefrei auch nicht-hörenden Menschen zugänglich machen. In dieser Folge sprechen Good-News-Redakteurin Bianca Kriel und Theresa Lang, Redakteurin beim enorm Magazin, kommunebasierten Naturschutz.  Bianca: Hallo und herzlich willkommen zu Good News enorm! Gute Nachrichten und konstruktive Gespräche – ein Podcast von Good News und dem enorm Magazin. Heute geht es um kommunebasierten Naturschutz. Aber erst einmal: der Gute-Nachrichten-Überblick: Ob in Orchestern oder in Popformationen: Frauen sind in der Musikindustrie immer noch stark unterrepräsentiert. Die Komikerin Carolin Kebekus will den Musikerinnen darum endlich eine Bühne bieten und veranstaltet im Juni 2022 das erste Open Air Festival mit ausschließlich weiblichen Acts. Wiederaufbau von Spielplätzen, mobile psychologische Beratung und Austausch mit Kindern aus Ghana: Die Kinderrechts-Organisation Plan International will ab Januar 2022 die Kinder und Jugendlichen …

Namibia setzt auf gemeindebasierten Naturschutz

Trophäenjagd und Umweltschutz – wie passt das zusammen? In Namibia setzen sich kommunale Gemeinschaften für den Schutz von Wildtieren ein. Dafür werden sie an den Einnahmen aus Jagd und Tourismus beteiligt. Früh morgens machen es sich Namibia-Tourist:innen auf den Bänken der offenen Safarifahrzeuge so bequem, wie es eben geht. Der Sand in den Haaren und der Sonnenbrand im Nacken sind schnell vergessen, wenn die erste Elefantenherde die staubige Straße kreuzt. Doch die gigantischen Tiere, die rund um die Salzpfanne des Etosha-Nationalparks so friedlich und erhaben wirken, können in ländlichen Gebieten die Ernte eines Jahres in wenigen Sekunden zerstören. Gemeindebasierter Naturschutz: Rechte und Verantwortung „In den 1960er-Jahren gehörten Namibias Giraffen, Nashörner und Löwen allein dem Staat“, erinnert sich Christopher Brown, Vorsitzender der namibischen Umweltkammer. Für die Farmer:innen bedeutete das vor allem Frust. Ihr Vieh konkurrierte mit den Wildtieren um das wenige Gras und wurde regelmäßig von ihnen gefressen. „Die Farmer hatten keinen Nutzen von den Wildtieren, sondern nur Probleme und Kosten“, sagt der Ökologe und Umweltwissenschaftler. Die Konsequenz: Viele Wildtiere wurden illegal geschossen und ihr Bestand …

Wie skandinavische Inseln die Klimawende einleiten

Klimawende in Skandinavien: Inselbewohner:innen folgen dem Rhythmus der Natur, versorgen sich autark mit grünem Strom und produzieren keinen Müll mehr. Knapp unter dem Polarkreis, auf der norwegischen Insel Lånan, leben Mensch und Tier in Symbiose. Umgeben von glatten Felsen, die aus dem Atlantik ragen wie Walbuckel, wartet Hildegunn Nordum im Mai auf die Rückkehr der Eiderenten. Die zahlreichen, selbst gezimmerten Bruthäuschen hat sie längst mit Seetang präpariert. An einigen hängen Namensschilder. Mette-Marit, Donald und Co brüten in aller Ruhe, weil Menschen ihre Fressfeinde verjagen.  Hildegunn Nordum ist eine von zehn saisonalen Inselbewohner:innen, die ihre Belohnung einsammeln, wenn die Nester der rund 600 Enten verlassen sind: kostbare Daunen, die sie säubern und zu Decken verarbeiten. Einnahmen und Handarbeit stehen nicht im Verhältnis, und doch lebt die Tradition der Ahn:innen. Warum? „Die Eiderenten sind ein Teil von uns und unserer Geschichte. Ohne die Arbeit hier würden Marder und Adler die Herrschaft übernehmen, das ist auf allen entvölkerten Inseln so. Die Eiderente würde verschwinden und damit auch die Daunentradition“, sagte Hildegunn Nordum Journalistinnen des Magazins Norr, die das …

Wie Nationalparks im Meer Lebewesen retten

Die Meere erholen sich langsam, die Fischerei wird nachhaltiger und selbst der Buckelwal kommt zurück. Allerdings nur dort, wo es konsequente Meeresschutzgebiete gibt. Von Palau über Mauritius bis nach Großbritannien: Tausende Kilometer geschützter Meeresraum umgeben diese Inseln. Das tiefe Blau zu bewahren, ist ihre Überlebensgarantie. Gerade Inselstaaten sind Vorreiter im Meeresschutz, andere Nationen ziehen nach: Waren 2000 nur 0,7 Prozent der Ozeane geschützt, sind es jetzt 7,7 Prozent. Im Oktober steht ein wichtiger Schritt zum Schutz der Meere bevor: Die Vertragsstaaten des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt sollen ein neues Rahmenwerk verabschieden. Sie wollen 30 Prozent der Meere bis 2030 schützen, wie viel davon streng, steht bisher nicht fest. Derzeit sind laut Marine Protection Atlas nur 2,7 Prozent vollständig oder in hohem Maße geschützt. „Meeresschutzgebiete sind nach wie vor das beste Werkzeug, um marine Arten und Lebensräume zu erhalten. Aber wir müssen das wirksam umsetzen“, sagt Kim Detloff, Leiter Meeresschutz beim Naturschutzbund (Nabu). Teilweise wird in Schutzgebieten weiterhin Fischerei betrieben, Rohstoffe werden abgebaut, es gibt Schifffahrt und Tourismus. Wo das verboten ist, „explodiert die Natur: …