Mein Kind, Social Media und ich – was nun?

Eines Abends auf dem Sofa ist da wieder diese Kinderfrage: Warum darf ich kein Instagram haben? Oh, denkt Bianca Kriel. Ja wieso eigentlich? Von einer Suche nach Gründen und Lösungswegen aus dem ewigen Social Media-Dilemma.

Bevor ich diesen Artikel geschrieben habe, bin ich 23 Minuten lang ungewollt auf Instagram verloren gegangen, in endlosen Reels, Quatsch-News und Likes – während meine Tochter, 11 Jahre alt, weder ein Smartphone hat, noch jemals auf Instagram war (hoffentlich). Hier herrscht ein Social Media Verbot, zumindest für sie. Sie schleicht sich von hinten an, linst über meine Schulter, zeigt auf meinen Screen und fragt: „Wie lange noch?“ Eine Frage, die Eltern wie ich in Situationen wie dieser am liebsten mit einem vagen „Gleich“ beantworten. Hartnäckige Stille. Ich scrolle weiter. „Nein“, sagt sie, „wann darf ich auch Social Media haben?“ Oh. Wenn es nach mir ginge: nie? Sie verdreht die Augen. Ich bin zufrieden mit mir. Dann kracht mir die Mutter aller Kinderfragen um die Ohren: „Warum?“ Ich lege mein Smartphone weg, wappne mich, meine Doppelmoral zu verteidigen. „Is einfach nicht gut für dich“. Mehr Argumente habe ich nicht parat. Sie zieht eine Augenbraue hoch. Gut, ich mache mich auf die Suche nach Antworten auf deine Fragen, Kind. Wie schwer kann es schon sein? Verbot, ja oder nein? Und wenn erlauben: ab wann?

1,4 Millionen Jugendliche mit „problematischem Nutzungsverhalten“

Gründe, warum wir Kindern und Jugendlichen TikTok, Instagram, Snapchat und Co. verbieten sollten, gibt es genug. Das Scrollen macht süchtig. Jedes neue Video, jedes Pling, jeder Like ein Schub Dopamin – und das Gehirn schreit nach mehr. Die Feeds sind endlos und damit auch das Verlangen. Alles reichlich belegt: Laut einer DAK-Studie von 2026 haben in Deutschland 1,4 Millionen Zehn- bis 17-Jährige ein problematisches Nutzungsverhalten, das sind so viele junge Menschen wie die Stadt München Einwohner:innen hat. 350.000 Kinder und Jugendliche gelten hierzulande gar als klinisch abhängig. 

Wie sehr die Algorithmen gefährliche Inhalte ausspielen, wird immer noch unterschätzt. Studien von Amnesty International oder dem Center for Countering Digital Hate bestätigen, dass Kurzvideos toxische Männlichkeit zelebrieren, Essstörungen glorifizieren, extremistische Haltungen normalisieren, Selbstverletzung und Suizid idealisieren. Dass sie innerhalb von wenigen Minuten in Feeds selbst von 13-Jährigen auftauchen können. Und dabei immer radikaler werden. Wie Alice im Wunderland fallen Jugendliche in sogenannte Rabbit Holes, ein Sog, der sie in Welten aus endlosen Inhalten zieht, hinter jedem Reel wartet das nächste, angefeuert durch den Algorithmus. G…

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Foto: Andrey k-mx / unsplash