Schwerpunkt: Inspiration

Du bist was wert!

Die Initiative Tausche Bildung für Wohnen kämpft seit gut zehn Jahren gegen soziale Ungleichheit und Leerstand. Mit einem erstaunlichen Konzept. Ein Besuch in Hamburg und Witten.

An einem postkartenhimmelblauen Dienstagvormittag in Hamburg-Steilshoop fliegt ein Schaumstoffwürfel hoch in die Luft. Elyas, Cansu und Asenat schauen ihm lachend hinterher, bis er wieder auf die Pflastersteine am Fuße der Hochhausfront titscht. „Fünf“, ruft Elyas. „Okay, fünfmal um die Blumenbeete“, sagt Johanna und rennt mit dem Trio los. Wieder und wieder werfen die Kids den Würfel, springen Hampelmänner, drehen sich klatschend im Kreis, so oft die Würfelaugen zeigen. Dann versammeln sie sich außer Atem um Johanna, die den Tagesplan mit Kreide auf den Boden gemalt hat: bewegen, lernen, spielen. „Bereit für den Monsterraum, Leute?“ „Jaaa“, Elyas, Cansu und Asenat hüpfen hinter Johanna her zum bunt beklebten Glas-Pavillon gegenüber.

Es ist kurz nach 14 Uhr, die Tauschbar hat gerade aufgemacht. Auf der Tafel hinter der Eingangstür kleben Bilder von Küche, Monsterraum und Zauberwald, darauf magnetische Buttons mit Fotos der Kinder: Wer ist heute wo? Zwei Mädchen rollen auf Scootern heran; drei Jungs stehen unschlüssig abseits: rein oder raus? „Boah, weiß nicht, Digga, Kopfweh.“ Ein junger Mann guckt aus der Tür. „Kommt rein, wir backen heute Kuchen.“ Drinnen ist Gewusel, Kinder stürzen sich auf die Teller mit Stullen und Apfelschnitzen, werfen sich Bälle zu. Gleich geht es los.

Drei Jungs stehen unschlüssig abseits: rein oder raus? Boah, weiß nicht, Digga, Kopfweh.  Kommt rein, ruft ein Junger Mann, wir backen heute Kuchen.
Auftakt vor der Tauschbar

Zwei Mal vier Gruppen verteilt über den Nachmittag. Hausaufgaben machen, Lernrückstände aufholen, kochen, kicken, klettern. „Es geht bei uns um viel mehr als Lernen oder gelegentliche Treffs wie in einem Jugendzentrum. Wir bauen intensive Beziehungen zu den Kindern auf, um sie zu unterstützen“, sagt Anna-Sophie Hippke, Leiterin der Tauschbar. 130 Kids kommen jeden Nachmittag hierher, die meisten zwischen 7 und 16 Jahren alt und mehr als ein Jahr dabei. Die Warteliste ist lang.

Aber, Moment mal, was wird hier getauscht? Hippke lacht: „Das verrät schon der Name unserer Initiative: Tausche Bildung für Wohnen.“ Heißt: Junge Menschen engagieren sich ein Jahr lang …

Fotos: Anja Dilk

Tauschbar in Hamburg Steilshoop (li), Bewegungsspiel (re)

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