Naturtalent

Der Trick der Venusfliegenfalle

Die fleischfressende kleine Pflanze ist eine Meisterin im Zuschnappen. Dafür nutzt sie einen ausgetüftelten Mechanismus, den zwei Ingenieure nun nachbauen wollen, damit Flugzeuge  weniger CO2 verbrauchen.

Die wohl berühmteste fleischfressende Pflanze der Welt heißt Audrey II, benannt nach dem Schwarm des Protagonisten Seymour im Kultfilm Der kleine Horrorladen von 1986. Erst bringt Audrey II den schwächelnden Blumenladen zum Florieren, doch nach und nach wächst sie zu einem monströsen Unding aus, das nur überlebt, wenn man ihm erst Blut, später Menschen füttert – was Seymour dann auch tut. Im echten Leben ernähren sich die fleischfressenden Pflanzen wie im Pflanzenreich üblich vor allem von Zucker aus der Photosynthese. Allerdings verschlingen sie zusätzlich Fleisch: Mücken, Fliegen, oder bei großen Exemplaren gar kleine Frösche. Was gruselig klingt, ist ein evolutionär cleverer Trick der Natur, denn Fliegen und Frösche liefern Stickstoff und Phosphor, was fleischfressende Pflanzen dringend benötigen, weil sie oft in nährstoffarmen Böden überleben müssen, in Mooren etwa oder sandigen Gegenden. 

So wie die Venusfliegenfalle, eine bodennahe Pflanze kaum größer als eine Handfläche. Aus ihrer Mitte wachsen rosettenförmig mehrere grüne Fangblätter nach außen, an deren Enden fingerkuppengroße Klappfallen wie aufgerissene Mäuler auf Beute warten. Das Innere der Klappfallen ist fleischig rot, mit Sinnesborsten bewachsen und stachelartigen Zähnen umrandet. Wenn eine Fliege mehrmals innerhalb von 20 Sekunden eine Sinnesborste berührt, geködert vom rötlichen Schimmer der Falle und dem Nektar im Inneren, klappt das Maul zu, die Stachelzähne schließen passgenau ineinander wie zwei betende Hände  – und die Fliege sitzt fest. 

Ein nützlicher Pflanzentrick

Die Pflanze denkt dabei nicht, die Falle wird von einem elektrischen Impuls gesteuert, ausgelöst durch Berührung. Und dieser Mechanismus ist so spannend, dass er die Flugzeugindustrie gerade zu Verbesserungen im Flügelbau inspiriert.

Grafik: Eva Leonhard / Good Impact

Kern des Klapptricks der Pflanze ist ihre formbare Wabenstruktur.

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