Im Gymnasium am Kurfürstlichen Schloss Mainz schieben Zwölftklässler:innen in den Pausen regelmäßig Toilettendienst. Ist genug Klopapier da, gibt es Handtücher und Seife, Hygieneartikel für Notfälle, alles sauber? Fehlt etwas, geht eine Meldung an den Hausmeister. Die Arbeitsgruppe Toilettenservice schickt den Dienstplan per WhatsApp an die hundert Schüler:innen der Jahrgangsstufe, jede:r ist mal dran. Erkennbar an einer Plastikkarte zum anklicken, einer Art Dienstmarke: „Kloservice“. „Früher gab es viele Probleme, Vandalismus, verstopfte Klos, verschmutze Schüsseln“, sagt Projektleiter Tjeerd Frank, Mitglied des Leitungsteams an der Schule in der Mainzer Altstadt. „Durch den Toilettenservice sind freundliche, angstfreie Räume entstanden.“ Und weil die Stadt Reparaturkosten spart, zahlt sie neuerdings nicht nur den externen Reinigungstrupp nach Schulschluss, sondern auch am Vormittag.
Verdreckt, verstopft, übelriechend, von Graffiti überzogen, mit Kabinen, in die schauen und filmen kann, wer auf der Nachbartoilette hochklettert; häufig fehlt Papier, sind Klodeckel zerstört, Periodenartikel gibt es selten – der Zustand vieler Sanitäranlagen an deutschen Schulen ist katastrophal. Das belegen Befragungen der NGO German Toilet Organization (GTO). „Viele Schüler:innen meiden diesen Ort, gleichzeitig müssen Klos oft viel Frust aushalten, der sich im Schulalltag angestaut hat“, so GTO-Mitarbeiterin Svenja Ksoll. „Dabei sind Toiletten ein intimer, persönlicher Raum, der mit darüber bestimmt, ob sich Schüler:innen an einer Schule wohl fühlen“, sagt Ksoll. „Erst recht, wenn sie den ganzen Tag dort sind wie an Ganztagsschulen.“
Zu Beginn dieses Schuljahres ist der Anspruch auf einen Ganztagsplatz in Grundschulen bundesweit in Kraft getreten. Zunächst gilt er nur für Erstklässler:innen, sukzessive wird er für die höheren Klassen ausgebaut. 3,5 Milliarden Euro stellt der Bund mit dem Investitionsprogramm Ganztagsausbau bis 2029 zur Verfügung, damit Schulen ihre Gebäude an die Anforderungen des Ganztags anpassen können. Denn egal ob klassisches Schulhaus aus dem Kaiserreich oder 70er-Jahre-Bau – die Architektur in Schulen ist meist ausgerichtet auf vormittägliches Lernen im Klassenverband. Wo Menschen aber bis in den Nachmittag bleiben, ist anderes nötig: Rückzugsräume, Bewegungsareal…
Tags
BildungKeine Seltenheit: Schultoiletten in Deutschland
