Wie ein Symbol des wirtschaftlichen Wandels liegt Angolas wohl modernstes Rechenzentrum geschützt hinter einer Sicherheitsschleuse, Metallzaun und Stacheldraht im Norden der Hauptstadt Luanda. Auf der anderen Straßenseite verkaufen Frauen Tomaten aus Eimern. Tiago Nogueira zückt einen weißen Transponder. Es piept zweimal, dann öffnet sich die schwere Metalltür. Nogueira, in Jeans und blauen Businesshemd, tritt in den Stromversorgungsraum. Um ihn herum surrt und blinkt es aus weißen Kästen. Hier kommt der Strom für den Betrieb des Rechenzentrums an, hauptsächlich grüner Strom. „Sein Anteil liegt bei mehr als 70 Prozent, hauptsächlich aus Wasserkraft. In den nächsten Jahren sollen die erneuerbaren Energien noch mehr produzieren“, sagt Nogueira. Er ist stellvertretender Manager bei Raxio Angola. Das Unternehmen ist einer der größten Betreiber von Rechenzentren in Afrika.
Seit einigen Jahren investiert Angola massiv in den Ausbau seiner digitalen Infrastruktur. Cloudsysteme, digitale Dienstleistungen. Dafür brauchen staatliche Behörden und Unternehmen den Service von Rechenzentren wie dem von Raxio. Dass ausländische Firmen in Angola neue Geschäftsfelder aufbauen können, war lange kompliziert. Angola galt als abgeschottet.
Nur wenige wissen das besser als Maria Miguel Pinto. Die 48-jährige Portugiesin kam vor 16 Jahren das erste Mal in das südwestafrikanische Land. Heute leitet sie hier das Geschäft von Raxio. „Die Angolaner:innen bauen ein neues Land auf. Sie erkennen den Wert von ausländischen Investor:innen. Das war früher ganz anders“, erzählt Pinto. Sie sitzt in einem kleinen Büro auf dem Gelände des Rechenzentrums. Seit Monaten kann sie sich vor Arbeit und Anfragen kaum retten, immer wieder klingelt ihr Telefon. „In den vergangenen zwei, drei Jahren ist Angola aufgeblüht.“
Was ist passiert? Angola verfügt über die viertgrößten Ölreserven in Afrika. Zu Zeiten des Ölbooms um die Jahrtausendwende steuerten die Öle…
