Gründen & Denken

Erzähl mal, Maximilian Webers, wie wird Öl klimafreundlich?

Das Hamburger Unternehmen Colipi entwickelt seit 2022 Alternativen zu fossilem Öl. Dafür füttert das Team Mikroorganismen mit Abfällen oder CO2. Das klappt tatsächlich.  

Mit Ihrem Start-up Colipi stellen Sie Öl mithilfe von Hefen und Bakterien her. Warum brauchen wir so was?

Maximilian Webers: Weil die Nachfrage nach Ölen nicht verschwinden wird, aber die Nutzung von Erdöl hoffentlich schon. Die Weltbevölkerung wächst, und damit auch die Nachfrage nach Kosmetika, Kraftstoffen, Lebens- und Waschmitteln. Gleichzeitig müssen wir fossile Rohstoffe im Boden lassen, wenn wir das Klima retten wollen. Pflanzenöle allein reichen nicht, um den globalen Bedarf auszugleichen. Deshalb entwickeln wir eine weitere Alternative: Climate Oil, ein mikrobielles Öl. Ein Öl, das nicht aus dem Boden kommt und nicht vom Feld, sondern aus dem Bioreaktor.

Wo ist denn der Unterschied?

Unser Öl ist chemisch vergleichbar mit Pflanzenölen und funktioniert genauso gut. Man kann damit ebenso hochwertige Mayo herstellen wie Hautpflegeprodukte. Aber es hat einen bis zu zehnmal kleineren CO2-Fußabdruck, weil wir keine Anbauflächen benötigen. Man muss sich das vor Augen halten: Alle Soja-, Raps- und Sonnenblumenfelder weltweit zusammengenommen entsprechen heute einer Fläche so groß wie Indien. Außerdem finden Produktionsschritte für unser Öl an einem Ort statt. Das spart Transportwege, senkt den CO2-Ausstoß, macht Lieferketten transparenter. Im Prinzip tun wir das Gleiche wie Ölpflanzen, nur viel effizienter.  

Maximilian Webers
Unser Öl ist chemisch …

Foto: Jan Reiser

Maximilian Webers gründete mit seinem ehemaligen Kommilitonen Philipp Arbter das Hamburger Start-up Colipi.

Julia Mayer

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