Politpop

Old Ladies gegen Fucking Shit

Seit 2017 gibt es die Omas gegen Rechts. Jetzt haben sie Zulauf wie nie zuvor. Denn die Zustimmung zur AfD ist unter Senior:innen nur halb so groß wie im Bevölkerungsdurchschnitt.

Zwei Handvoll Menschen sind heute gekommen, dem Regen zum Trotz. Er zieht feine Schlieren über die Gesichter auf den Erinnerungsstelen am Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma im Nationalsozialismus. Noncia Alfreda Markowa, Johan Weisz, Lidija Krylowa. „Etwa 500.000 Sinti und Roma wurden im Zweiten Weltkrieg umgebracht“, ruft Angelika Krüger, Strickmütze, grüner Schal, Pluderhose. „Für sie gab es nie eine Wiedergutmachung. Heute, am nationalen Gedenktag der Sinti und Roma, erinnern wir an diese menschenverachtende Politik und protestieren: Das Mahnmal muss bleiben.“ Denn bald soll ein S-Bahn-Tunnel unter ihm ins Erdreich getrieben werden, die Bäume mit den Lautsprechern in ihren Wipfeln, aus denen rund um die Uhr die leise Melodie einer Geige klingt, müssten fallen, die künstliche Wasserfläche im Zentrum des Mahnmals, ein Symbol für die Tränen der Opfer, wäre wohl nicht mehr zugänglich. „Das darf nicht sein“, sagt Krüger. Zustimmendes Murmeln, Applaus. 

Es ist Ende Dezember, der Reichstag ragt hoch in den grauen Berliner Nachmittagshimmel. Die Protestgruppe hat sich dick eingemummelt, zwanzig Leute sind es vielleicht. Einige tragen über ihren Wintermänteln weiße Warnwesten mit einer Aufschrift: „Omas gegen Rechts“. Touristen schlendern vorbei, einzelne bleiben stehen. Schweigend gehen die Demonstrant:innen zur Wasserfläche, verteilen weiße Rosen am Rand, lesen die Inschriften. Im Boden drumherum liegen Steine mit den Namen der Vernichtungslager, den Brunnenrand säumt das Gedicht Auschwitz des italienischen Künstlers Santino Spinelli. Der Regen nimmt zu, Schirme werden aufgespannt. Schließlich fragt Krüger: „So, wer kommt jetzt mit einen Kaffee trinken?“ Fünf Leute machen sich auf zum Hopfingerbräu neben dem Brandenburger Tor. 

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Foto: IMAGO / Wassilis Aswestopoulos / Paul-Philipp Brau

Trotz Anfeindungen: Die „Omas gegen Rechts“ gehen weiterhin auf die Straße.

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