So reagieren immer mehr Städte auf Hitzewellen

Gerade in Städten steigen die Temperaturen im Sommer gefährlich an, etwa weil viele versiegelte, dunkle Flächen Wärme speichern. Deshalb werden sogenannte Heat Officer ernannt. Ein wichtiger Zukunftsbegriff, den wir hier näher erklären. Heat Officer ist eine Berufsbezeichnung – und einer dieser Begriffe, für den es noch kein deutschsprachiges Äquivalent zu geben scheint. Offizier:in für Hitze vielleicht? Hitze-Beamt:in? Klingt etwas umständlich. Bleiben wir erst einmal bei der englischen Bezeichnung Heat Officer, eingedeutscht und gegendert Heat Officer:in. Das englische heat hat seinen Ursprung im altenglischen hætu und im germanischen hitjõ, woraus sich auch das deutsche Wort Hitze ableitet. Das gilt seit dem 8. Jahrhundert als belegt, seit dem Mittelalter also. Das Mittelalter lag übrigens klimatisch in einem Eiszeitalter. Eisig kalt war es aber nicht – Eiszeitalter heißt nur, dass zumindest einer der Pole vergletschert ist, selbst in einer Warmzeit. Und so war es auch im Mittelalter: Die Pole waren vergletschert und es herrschte eine Warmzeit, das Holozän. Heute leben wir immer noch im Holozän. Nur: Diese Warmzeit droht wegen der menschengemachten Klimakrise zu heiß zu werden. Selbst …

„Feministische Außenpolitik setzt andere Prioritäten“

Die Aktivistin Kristina Lunz kämpft für Frieden durch eine feministische Außenpolitik. Im Angesicht des Krieges in der Ukraine erfährt sie Zuspruch, aber auch Hass. Wie geht sie damit um? Am Abend des 24. Februars sitzt Kristina Lunz auf einer Bühne in der historischen Markthalle Neun in Berlin-Kreuzberg, auf einem Barhocker, Beine überschlagen. Premierenlesung: Heute erscheint ihr erstes Buch. Es ist auch der Tag, an dem Wladimir Putin die ganze Ukraine angreift. Ihr Buchtitel klingt nach einer Antwort: Die Zukunft der Außenpolitik ist feministisch: Wie globale Krisen gelöst werden müssen. Darin fordert die Aktivistin Abrüstung. Auch jetzt sagt sie: „Feministische Außenpolitik setzt andere Prioritäten: Solidarität, Zusammenarbeit, Menschenrechte.“ Zeit für einen Paradigmenwechsel. Mittwochmorgen, einen Monat später. Der Krieg hat sich verschärft, politische Linien sind gesprengt. Rasch fährt Lunz mit ihrem Fahrrad auf das Café im Berliner Wedding zu, hier nimmt sie sich Zeit für ein Gespräch. Eine Stunde fand sich in ihrem vollen Kalender. Die Expertise der 32-Jährigen ist gefragt, sie ist Mitgründerin der Forschungs- und Beratungsorganisation Centre for Feminist Foreign Policy (CFFP). Gleich steht ein Interview …

So lässt sich die Erderhitzung noch begrenzen

Im 3. Teil des neuen Sachstandsberichts des Weltklimarats (IPCC) steht, wie wir die Klimakrise aktiv bekämpfen können. Auch wenn die Bestandsaufnahme zunächst düster scheint, macht der Bericht Hoffnung: Mit Richtlinien, neuen Technologien und passender Infrastruktur können die Treibhausgas-Emissionen bis 2050 um 40 bis 70 Prozent reduziert werden. Es gebe „ein erhebliches ungenutztes Potenzial“. Nur eine rasche und drastische Senkung des Treibhausgas-Ausstoßes kann die Erderwärmung nach Einschätzung des Weltklimarats noch auf maximal 1,5 Grad begrenzen. Die Zeit zum Handeln sei gekommen, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht des Weltklimarats (IPCC). „Wir sind an einem Scheideweg. Die Entscheidungen, die wir jetzt treffen, können eine lebenswerte Zukunft sichern“, erklärte der IPCC-Vorsitzende Hoesung Lee. „Wir haben die Werkzeuge und das Wissen, um die Erwärmung zu begrenzen.“ UN-Generalsekretär Antonio Guterres erhob schwere Vorwürfe gegen Wirtschaft und Politik. „Sie ersticken unseren Planeten“, sagte er über Regierungen und Firmen, die für hohe Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind. Die Vereinten Nationen hatten im vorigen Jahr ihr Ziel bekräftigt, die Erderwärmung im Vergleich zum späten 19. Jahrhundert auf 1,5 Grad zu begrenzen, um katastrophale …

„Weniger Fliegen wird Teil der Lösung sein“

Toulouse im Südwesten Frankreichs ist das Zentrum der europäischen Luft- und Raumfahrt. Angesichts der Klimakrise werden die Innovationsmotoren für nachhaltige Technologien angekurbelt. Machen sie Fliegen umweltfreundlicher? Der kleine Reisebus fährt schnell aus dem Stadtzentrum hinaus. Die rosaroten Ziegelsteinbauten, denen die südfranzösische Stadt ihren Beinamen „la ville rose“ verdankt, sind erst noch vereinzelt, dann nicht mehr zu sehen. Ein Kreisel noch, ab auf die Autobahn – und direkt wieder runter. Ist das noch Toulouse? Im Gegensatz zu den verwinkelten Gassen der Altstadt sind die Straßen breit. An ihren Rändern erheben sich hohe Gebäude, modern und blockförmig. Auf den Fronten prangen große Namen der internationalen Luftfahrtindustrie, hier finden sich nahezu alle für die Branche relevanten Einrichtungen. Der Bus hält, erster Stopp: das Innovationszentrum B612, ein „Accelerator“. Um Innovationen zu beschleunigen, versammelt es Start-ups, Forscher:innen, Konzerne und Studierende aus der Luft- und Raumfahrt. Kurze Wege, enge Abstimmung, schneller Output. Dafür stellt das Zentrum Büros und Labore zur Verfügung. Auf den ersten Blick ist das B612 nicht sonderlich romantisch, aber hinter seinem Namen verbirgt sich Nostalgie. Benannt ist es …

Good News

EU will Geschlechterquote in Aufsichtsräten, Risikorechner für eine bessere Schlaganfall-Prävention, Deutschland erleichtert Ukrainer*innen Zugang zum Arbeitsmarkt

Die EU-Länder wollen mit einer verbindlichen Geschlechterquote für mehr Gleichberechtigung sorgen; Forschende entwickeln neues Scoring-System für eine bessere Schlaganfall-Prävention; und wie Deutschland Geflüchteten aus der Ukrainer*innen den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert: Das sind die Good News des Tages

Good News

Bundeskabinett beschließt Abschaffung des Paragrafen 219a, Forschende erzeugen Betazellen, die zuverlässig Insulin produzieren, neues Verfahren filtert Hormone aus Trinkwasser

Das Bundeskabinett hat die Abschaffung des Paragraphen 219a beschlossen; ein Forschungsteam aus Helsinki hat aus menschlichen Stammzellen Betazellen hergestellt, die zuverlässig Insulin produzieren; und Wissenschafler*innen haben neues Filter-System entwickelt, das gesundheitsgefährdende Hormone aus dem Trinkwasser entfernt: Das sind die Good News des Tages

Ist Eisenpulver eine gute Alternative für Kohle und Öl?

Eisen als Brennstoff ist CO2-frei, günstig und sogar endlos wiederverwendbar. Studierende in den Niederlanden tüfteln am Kraftwerk der Zukunft. Dieser Text erschien in der Ausgabe Februar/März 2022 des enorm Magazins mit dem Titel „Stoff für die Energiewende“. Ein junger Mann mit dichtem Bart öffnet die Luke. Er schüttet graues Pulver hinein, so fein, dass der Herbstwind es verwirbelt. Mit Sauerstoff vermengt wird es entzündet. Rot-gelbe Funken jagen durch das dicke Rohr neben der Luke, am Bullauge vorbei hinüber zum Boiler, wo der heiße Luftstrom in Dampf umgewandelt wird. Es rauscht. Mit dem Dampf wird nebenan Bier gebraut, ein paar 10.000 Flaschen, nicht viel, aber ein Beweis: Eisenpulver kann kontrolliert verbrannt werden, um Energie zu erzeugen. CO2-frei und kreislauffähig. Es ist der 29. Oktober 2020. Auf dem Fabrikgelände von Swinkels Family Brewers im niederländischen Örtchen Lieshout steht ein luftiges Gerüst aus Rohren, Maschinen und Kabeln. Drum herum: aufgeregte Studierende, Professor:innen, Reporter:innen. Die großen Kameras der Fernsehteams blinken rot, Action. Zum ersten Mal weltweit wird hier eine Eisenpulver-Anlage außerhalb des Labors getestet. Chan Botter läuft zwischen Medien …