Was früher als „Meer des Todes“ bekannt war, gleicht heute einem Meer schimmernder Solarpaneele: In der Kubuqi-Sandwüste in China entsteht das größte Solarkraftwerk der Welt. Bis 2030 soll es Strom für mehr als 20 Millionen Menschen produzieren – und nebenher die Wüste begrünen. Geplant sind etwa 180 Millionen Paneele, die sich als 5000 Meter langes Band über 400 Kilometer durch die Landschaft ziehen. Das Ziel: Eine Leistung von 100 Gigawatt-Peak und damit etwa 180 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr. Das entspricht circa 16 Kernkraftwerken und würde den Bedarf einer Stadt wie Peking decken – mit knapp 22 Millionen Einwohner:innen. Die Solarmodule sollen auch den Gelben Fluss vor Versandung schützen, Chinas zweitlängsten Fluss, der nur sieben Kilometer entfernt liegt. Die Anlage dient auch als Testlabor: Unter den Paneelen sind auf 2400 Hektar dürreresistente Pflanzen geplant, auch Kleinvieh soll gehalten werden. In Anspielung auf die Chinesische Mauer nennen die Chinesen:innen das Mega-Projekt „Große Solare Mauer“ .
Die ersten Bauarbeiten begannen 2017. Auf aktuellen Satellitenbildern sieht man deutlich den Fortschritt. Bis September 2024 wurde eine Fläche von 133 Quadratkilometern mit Paneelen bedeckt. Allein im Dorf Chaideng, im Südwesten der inneren Mongolei, stehen bereits 3,46 Millionen blaue Solarmodule. Zwar ist China für 32 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, aber es baut fast doppelt so viele Anlagen für Wind- und Solarenergie wie der Rest der Welt zusammen. Das hat das Wirtschaftswachstum im Land um 40 Prozent angekurbelt. Bis 2060 möchte China klimaneutral sein.
Kooperation mit Vertical 52, Start-up für Satellitenjournalismus.
Solarboom auf Wüstensand: Die Region um das Dorf Chaideng im August 2017 (links) und im September 2025