„Das Wetter ist unvorhersehbar geworden, die Erntezeit hat sich bei uns verschoben: Früher begann sie im September und war im November zu Ende. Laut meiner Oma lag teilweise schon Schnee, wenn sie fertig wurden. Heute starten wir im August mit der Ernte und sind Mitte Oktober durch. Der Hagel ist am schlimmsten für uns, wir verlieren oft große Teile der Ernte. Netze wären der beste Schutz, aber mit ihnen kann man keine Maschinen mehr bei der Ernte einsetzen. Deswegen haben wir eine Hagel-Versicherung. Auch Dürre setzt uns zu. Viele Winzer:innen in der Region verzichten auf Herbizide in den Weinbergen, damit Gras wachsen kann, das hält die Böden feucht. Wir arbeiten bei Bedarf mit Tröpfchen-Bewässerung. Jedes Gießen ko-stet uns zusätzlich Geld. Unter den Klimaveränderungen leiden Qualität und Quantität des Weins. Das ist fatal, denn alle Weinsorten haben einen speziellen Geschmack.
Seit einigen Jahren bin ich Teil der World Farmers’ Organisation, einer weltweiten Organisation für Landwirt:innen mit Fokus auf Nachhaltigkeit. Ich habe eng mit einem jungen Mann aus Uganda und einer Frau aus Malawi zusammengearbeitet. Das war sehr spannend – wir sind alle von der Klimakrise betroffen, aber auf unterschiedliche Weise. Unsere Erkenntnisse haben wir 2023 bei der Weltklimakonferenz in Dubai vorgestellt. Es hat sich gut angefühlt, unsere Sicht zu teilen.
Ich bin seit fünf Jahren Winzerin in unserem Familienbetrieb in der Nähe Veronas und derzeit die Präsidentin der Jugendorganisation des italienischen Bauernverbandes Anga in der Sektion Verona. Wir setzen uns für faire Arbeitsbedingungen und umweltfreundliche Landwirtschaft ein. Damit sich etwas verändert, braucht es den Einsatz der Bevölkerung und politische Regelungen. Wir Jungen müssen mitreden – gerade wir sind bereit zuzuhören und offen für Kompromisse.
Es braucht uns in der Politik, auch in Italien. Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern w…
Winzerin Siliva Caprara