Portrait

Der Rockstar von Secaucus

Mike Gonnelli ist seit 2009 Bürgermeister einer kleinen Stadt vor den Toren New Yorks. Gegenkandidat:innen gab es fast nie und wenn hatten sie keine Chance. In der Stadt gedeihen Vielfalt und Miteinander. Wie macht er das?

In Secaucus halten die Menschen füreinander an. Frauen und Männer mit Schildern in der Hand stoppen Autos, damit Fußgänger sicher die Straße überqueren können. In der Ferne ist von der kleinen Stadt im Staat New York aus die Skyline von Manhattan zu erkennen. Die Metropole auf der anderen Seite des Hudson Rivers wirkt nah, und doch ist Secaucus eine andere Welt. Die Rasenflächen sind gestutzt, die Gehwege sauber, kein Gedränge, kein Hupen. Über den Parkuhren hängen weiße Plastiktüten: zwei Stunden freies Parken, ein Geschenk der Stadt an ihre Bürger. Vor dem Stadtmuseum steckt eine hölzerne Fahne im Rasen. We are all in this together steht darauf, wir sitzen alle im gleichen Boot. Doch wie viel Arbeit steckt hinter diesem Gefühl von Einigkeit und wer leistet sie?

Zu Besuch im Rathaus

Wenige Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt steht ein grauer Betonbau, das Rathaus von Secaucus. Hinter den Fassaden wird ausgehandelt, was draußen längst sichtbar ist: Dass Gemeinschaft auch in Zeiten politischer Spaltung möglich sein kann. Bürgermeister Mike Gonnelli, 70, breitet zur Begrüßung der Besucher:innen aus Deutschland die Arme aus. „Ich bin Mike. Schön, dass ihr hier seid.“ Sein Schreibtisch ist vollgestellt mit Kuscheltieren und Spielzeug, an den Wänden hängen selbstgemalte Bilder, Karten, kleine Botschaften. Hinter ihm ausgeschnittene Zeitungsartikel, Fotos von Terminen, von Menschen, von Momenten. Dazwischen ein Holzschriftzug: All you need is love. Alles, was du brauchst, ist Liebe. Ein Raum, der sofort Nähe herstellt. Vielleicht auch Vertrauen. Aber kann Politik so einfach sein?

Umgeben von Kuscheltieren und Erinnerungsstücken: Bürgermeister Mike Gonnelli, Foto: Sascha Montag

Die New York Times hat Mike Gonnelli 2025 als einen Bürgermeister beschrieben, den in Secaucus alle kennen und viele mögen. Einen, der seine Handynummer weitergibt, auf Facebook schnell antwortet und auch für scheinbar kleine Sorgen erreichbar ist. Ein Gegenmodell zur anonymen Politik. Wie funktioniert das in einer Stadt, die gerade wächst? „Schaut es euch selbst an, klingelt einfach durch, wenn ihr hier seid“, hatte Gonnelli innerhalb von Minuten auf die Anfrage geantwortet.

Ein  Montagmorgen im B…

Foto: Sascha Montag

Kleinstadt Secaucus: Am Horizont die Skyline von New York.

Kristin Kasten

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